HFU auf Architekturbiennale in Venedig

Immersive Umgebung zum Betrachten bereits entworfener idealer Welten (unter Mitwirkung der Studenten Andreas Siess und Daniel Hepperle)

Interaktive Installation zum Selbstentwerfen seiner eigenen idealen Welt (unter Mitwirkung der Studenten Hana Rude, Nico Häffner, Andreas Schaumann, Svenja Schindler)

Gemeinsam mit der Ideal Spaces Working Group, einer Gruppe aus Künstlern und Wissenschaftlern, präsentieren Studenten unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Wölfel, Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen, ideale Lebensräume auf der Architekturbiennale 2016, die vom 28. Mai bis 27. November in Venedig zu sehen ist. Ideale Lebensräume sind ein philosophisches Thema voller Hoffnungen, Träume und Phantasie, aber zugleich auch sehr praxisrelevant mit direkten Auswirkungen auf das soziale Umfeld, die Architektur und die Kunst, und letztendlich die Gemeinschaft und das Weltbild.

 

Doch wie kann die Grundidee von idealen Lebensräumen dem Besucher einer Ausstellung nähergebracht werden? Ist ein intuitiver und spielerischer Zugang möglich, und wie kann ein solcher Lebensraum für den Besucher erfahrbar werden?

Gemeinsam mit Ulrich Gehmann und Michael Johansson wurden hierfür verschiedene Konzepte entworfen und evaluiert. Dabei stellte sich schnell heraus, dass man zum einen bereits entworfene ideale Lebensräume zeigen, aber auch dem Besucher die Möglichkeit geben wollte, dass diese ihre eigenen Idealvorstellungen umsetzen können.

Die gezeigten Welten, etwa von Leonardo da Vinci, Tony Garnier und Geoffrey Jellicoe entworfen,  wurden als immersive Umgebung realisiert. So beobachtete man die Welten nicht durch einen künstlichen Rahmen wie bei einem Monitor, sondern wird durch großformatige Projektionen Teil der Umgebung: sozusagen vom Betrachter zum Bürger der jeweiligen gezeigten Welt. Da viele der gezeigten Welten nur als teilweise unvollständige Konzepte existieren, war es nötig, diese Konzepte insoweit zu ergänzen, dass eine 3D Rekonstruktion möglich wurde, um so die Stadt als begehbare und erfahrbare Welt zu visualisieren. 

Die selbst zu bauenden Welten wurden als interaktive Umgebung realisiert. Die Vorstellung einer idealen Stadt, die sich von Mensch zu Mensch unterscheidet, soll jeder schnell und intuitiv veranschaulichen können. Dafür wurden zwei interaktive Tische entwickelt, die miteinander in Beziehung stehen, um Daten untereinander auszutauschen und den jeweiligen Zustand des anderen zu visualisieren. An einem Tisch ist es möglich über das Verschieben von Sand ein Terrain zu formen. Am anderen Tisch können zentrale Gebäudemodelle der Stadt, etwa ein religiöses Gebäude, frei platziert und rotiert werden. Des Weiteren können Stadt-spezifische Bereiche definiert werden, die einem bestimmten Stadtbereich zuzuordnen sind. Beispielsweise Hochhäuser, Parks oder Straßen. Vor den Augen der Besucher entstehen so dreidimensionale Stadtvisualisierungen, die sich in Echtzeit an die Konfiguration der beiden Tische anpassen. Häuft man den Sand auf einer Seite an und buddelt auf der anderen Seite ein Loch, so entsteht eine Landschaft mit Berg und kleinem See. Setzt man nun ein Landmarkobjekt, welches ein religiöses Gebäude repräsentiert, an die Stelle des höchsten Punktes und wählt die umliegenden Gebäude als Einfamilienhäuser und Park, so entsteht eine kleine idyllische Stadt.

Damit die Installation umgesetzt werden konnte, war es nötig 3D Modelle zu entwerfen (in Cinema 4D und CityEngine) und eigene Software (in der Gameengine Unity 3D) zu entwickeln. Zudem kamen mehrere RGB und Tiefenkameras zum Einsatz, anhand derer die Umgebungsinformation mit Hilfe von selbst geschriebenen Routinen extrahiert werden kann.

Durch die Wahl eines rein haptischen Interfaces wird den Benutzern ermöglicht, mit den eigenen Händen durch einfache Manipulation von Sand und Bausteinen einen gesamten Welteindruck zu erzeugen und interaktiv zu verändern. Gefällt die gebaute Stadt, kann der Besucher diese mit einem Knopfdruck speichern und über einen angezeigten Code im Internet abrufen und mit seinen Freunden teilen.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 27. November 2016 im European Cultural Centre - Palazzo Mora, Str. Nova, 3659, 30121 Venedig, Italien

 

Weitere Informationen zum Projekt unter www.idealspaces.org