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Willkommen im virtuellen Semester

Lehrbetrieb ohne Präsenz – die ersten Erfahrungen sind sehr positiv

Am 20. April 2020 hat an der Hochschule Furtwangen der digitale Vorlesungsbetrieb begonnen. Die Studierenden kommen nicht an den Campus, sondern sitzen zu Hause am Rechner. Lehre unter vollkommen ungewohnten Rahmenbedingungen. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Wie kommen die Studierenden, wie kommen die Lehrenden damit zurecht? Und hat die Technik dem Ansturm Stand gehalten?

Innerhalb kurzer Zeit musste ein digitales Semester auf die Beine gestellt werden. Die Hochschule Furtwangen mit ihren aktuell 5.705 Studierenden hatte bislang überwiegend auf Präsenz-Unterricht gesetzt. Nun wurde massiv in Software und den Ausbau der System-Kapazitäten für Online-Lehre investiert. Für die nötigen Lizenzen wurden bislang zusätzliche 150.000 Euro aufgewandt. Die Hochschul-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich IT brachten neue Programme zum Laufen, verstärkten die Server, gaben Schulungen, schrieben Schritt-für-Schritt-Anleitungen und beantworten über ein Ticketsystem sehr schnell alle individuellen Fragestellungen.

Zentrale Stelle für die Online-Lehre ist die Lernplattform FELIX. Waren dort bislang maximal 1.000 Nutzer gleichzeitig online, sind es nun bis zu 2.500 Personen. Diese massive Zunahme im Vergleich zu vorherigen Semestern hat FELIX sehr gut verkraftet, es gab keinerlei Ausfälle. Mit der neu angeschafften Konferenz-Software Alfaview wird ein Großteil der Live-Vorlesungen gehalten. 205 Räume stehen für die neun Fakultäten der HFU und die zentralen Einrichtungen zur Verfügung. Diese virtuellen Räume haben eine Kapazität von insgesamt 11.000 Plätzen. Bislang waren dort bis zu 1.100 Nutzer gleichzeitig online.

Doch Alfaview ist nur eine der Plattformen, über die Unterricht läuft. Es werden viele unterschiedliche Formate angeboten: synchroner Unterricht, also live, genauso wie asynchroner. Die Motivation ist groß – sowohl bei den Lehrenden wie bei den Studierenden. Eine Anfangseuphorie ist zu spüren. Dazu zählt auch die Erleichterung darüber, dass es nun endlich losging mit dem Vorlesungsbetrieb, fünf Wochen später entgegen dem üblichen Termin. Dementsprechend ziehen sich die Lehrveranstaltungen weiter in den Juli hinein, und die Prüfungsphase dauert bis 7. August.

Erfahrungen der Lehrenden
Was sind die Eindrücke aus den zwei ersten Wochen Online-Unterricht bei den Professorinnen und Professoren der HFU?

Prof. Dr. Kirstin Tschan unterrichtet Informatik und Mathematik. Den Studierenden hat sie Programmierungsaufgaben gegeben, die diese in Gruppen von jeweils fünf bis sechs Personen gemeinsam lösen sollen. Sie treffen sich virtuell mit der Dozentin und zeigen ihr auf ihrem Bildschirm, was sie bislang an Programmcode geschrieben haben. So kann sie korrigieren und Empfehlungen für die Weiterarbeit geben. „Die Studierenden haben eigentlich die gleichen Probleme wie in der Präsenzlehre, wenn es darum geht sich untereinander abzustimmen.“ Kirstin Tschan hat in der Lernplattform FELIX umfangreiches Material hochgeladen. Powerpoint-Präsentationen, bei denen sie nicht nur zu hören, sondern auch im Video zu sehen ist und den Stoff erläutert, Arbeitsblätter mit detaillierten Arbeitsaufträgen, Hinweise auf E-Books und Videos zu mathematischen Zusammenhängen. „Die Studierenden mögen Erklärvideos“, erzählt sie. Auch der Chat wird gern genutzt, um die Lösung von Aufgabenstellungen mit ihr zu besprechen. „Die Mischung aus Online-Unterricht und alleine arbeiten finden die Studierenden gut.“

Prof. Dr. Magnus Schmidt ist erst seit einem halben Jahr Chemie-Dozent an der Hochschule. Wie lässt sich Chemie-Unterricht, der üblicherweise aus vielen praktischen Versuchen im Labor besteht, nun gänzlich online umsetzen? Schmidt hat etliche Videos gedreht. Dabei sitzt er entweder zu Hause am Schreibtisch und erklärt mit Hilfe von „Tafelanschrieben“ den Unterrichtsstoff – man sieht also seine Handschrift auf dem Monitor. Oder er hat im Labor an der Hochschule gedreht, wo er zusammen mit Mitarbeiterin Yasmin Weiß die chemischen Versuche vorführt. Ergänzt werden die Versuche durch Aufgabenblätter. Die müssen bis zu einem bestimmten Datum bearbeitet sein. „Die Studierenden brauchen Struktur. Besonders die Erstsemester muss man an die Hand nehmen“, sagt er.

Prof. Dr. Christoph Reich unterrichtet Informatik. „Viele von meinen Inhalten sind durch Nicht-Präsenz-Veranstaltungen gut vermittelbar, wie beispielsweise Definitionen, Fachbegriffe, Programmierungsgrundlagen und einfache Abläufe. Problematisch und aufwendig sind komplexe Sequenzen und Prozesse, die durch schrittweise Entwicklung mittels Powerpoint oder sonstigen Grafikwerkzeugen während einer Online-Vorlesung vermittelt werden müssen. Das bedeutet viel Vorbereitung und es fehlt die Rückkopplung von den Studierenden.“ Was ist seine Einschätzung, wie kommen die Studierenden zurecht? „Die Studierenden haben keine großen Probleme mit dem Inhalt. Sehr kritisch sehe ich die notwendige Selbstorganisation der Studierenden. Vermutlich sind einige damit überfordert. Ich rechne sehr stark damit, dass ich immer wieder zu den Aufgaben motivieren und aktiv nachfragen muss, ob Hilfe gebraucht wird. Bei den Online-Präsenzveranstaltungen der ersten Woche waren bei allen fünf Vorlesungsmodulen alle bis auf eine Person anwesend, und bis auf bei einer Person hat die Technik perfekt funktioniert. Außerdem waren die Studierenden gut informiert und es konnte sehr effektiv gearbeitet werden.“

Prof. Dr. Matthias Kohl berichtet: „Meine Fächer, Mathematik und Statistik, sind bei den Studierenden ja bekanntermaßen nicht die beliebtesten. Ich hoffe, dass die Studierenden mit meinen Hilfsmitteln trotzdem klar kommen werden. Es gibt Skripte von mir für die Kurse sowie Literaturlisten mit weiterführender Literatur – wie bisher auch. Insgesamt empfinde ich den Aufwand als hoch, höher als bei der Präsenzlehre. Ich habe für jeden Kurs einen Arbeitsplan erstellt. Darin ist festgelegt, was die Studierenden in jeder Woche machen sollten und bis wann sie Übungsaufgaben abzugeben haben. Zu den Vorlesungszeiten biete ich Online-Sprechstunden oder Fragestunden an. In der Zeit zwischen diesen Sprechstunden können die Studierenden ihre Fragen über entsprechende FELIX-Foren stellen. Als weitere Unterstützung für die Studierenden habe ich erste kurze Erklärvideos gepostet und werde noch weitere erstellen.“

Feedback der Studierenden
Um über alle Fakultäten und Studiengänge hinweg eine Einschätzung aus Sicht der Studierenden zu erhalten, hat die Hochschule eine Online-Umfrage gemacht. Das Feedback ist differenziert und im Großteil sehr positiv. So wurde unter anderem angemerkt: „Aufgezeichnete Vorlesungen empfand ich als sehr angenehm, da man die Vorlesung nach Wunsch unterbrechen konnte und so dem Inhalt besser folgen konnte.“ – „In FELIX findet man alles sehr schnell, wenn man mal weiß, wie es funktioniert.“ Die Technik ist, je nach Verbindungsgeschwindigkeit des Internets, manchmal der Flaschenhals: „Die Bildübertragung ruckelt häufig.“ – „Es hängt manchmal“. Und was den Studierenden auch klar ist: „Man muss viel selbständig machen.“

Unterstützungsangebote
Um die Studierenden in der neuen Situation nicht alleine zu lassen, gibt es umfangreiche Unterstützungsangebote. Die Telefonsprechstunde der Zentralen Studienberatung wurde insbesondere von den Erstsemestern wahrgenommen. Unter dem Namen FLORIAN ist das neue Online-Lernzentrum entstanden. Dort stehen unter anderem studentische Tutorinnen und Tutoren in virtuellen Klassenzimmern bereit, um – kostenlos – Nachhilfe zu geben.

Nicht alles lässt sich ins Virtuelle übertragen. Auch das ist eine Erkenntnis aus dem Semester in Zeichen von Corona: Der direkte Kontakt, spontane Gespräche, zufällige Treffen auf den Fluren oder in der Mensa, das fehlt. Doch alle machen der momentanen Lage entsprechend das Beste daraus.