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Management-Techniken im Wildwasser lernen

Soziale Kompetenz, das Gespür für die richtige Entscheidung, Teamgeist und ein gewisses Rückgrat. Die gewünschten Fähigkeiten eines Managers kennen kaum Grenzen. Doch wie schaffen es Manager in der unbeständigen Unternehmensumwelt ihre Möglichkeiten richtig einzuschätzen?

In seinem Buch „Management im ständigen Wildwasser: Was Führungskräfte vom Kajakfahren lernen können“ beschreibt Gerrit Horstmeier, Professor an der Hochschule Furtwangen am Standort Schwenningen und langjähriger Kajakfahrer, die Kernaufgaben des Managements. Am anschaulichen Beispiel des Wildwassers, das als unbeständige Unternehmensumwelt dient, bekommen die Leser gute Vorstellungen von den Handlungsmöglichkeiten einer Führungsperson.

Doch wie heißt es so schön? Probieren geht über Studieren. Bereits zum zwölften Mal ermöglichte der Professor mit Unterstützung von Diplom-Pädagoge Arno Messerschmidt zwölf Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen des Campus Schwenningen der Hochschule Furtwangen die Teilnahme am Seminar „Learning Management with the White Water Principles“ im Schweizer Tessin. Mit dem Buch als Grundlage durften die Teilnehmer eine Woche lang die Zusammenhänge des Managements und des Kajakfahrens kennenlernen, da sowohl im Wildwasser als auch in Unternehmen rationale und intuitive Entscheidungen getroffen werden. Durch permanente Fortschritte lernen Manager, sich an das schnell wandelnde Umfeld unmittelbar anzupassen. Das Wildwasser ist eine treffende Metapher hierfür, da sich die Flüsse mit der Zeit verändern und unüberschaubare Stellen oder versteckte Hindernisse beinhalten.

Jeden Morgen wurden die Studierenden über Themenbereiche wie zum Beispiel Risiko, Fehlervermeidung und das Erreichen von Zielen unterrichtet. Anschließend konnte das Gelernte auf den Flüssen Ticino, Moësa und auf dem Vorderrhein angewendet werden. Es galt die richtige Entscheidung basierend auf vorheriger Risikoanalyse zu treffen und den optimalen Weg auf teilweise große Distanz an das komplette Team weiterzugeben. Hierbei war schön zu sehen, wie wichtig die Kommunikation innerhalb einer Gruppe ist um Scheitern zu vermeiden und Unsicherheiten zu beseitigen. Tag für Tag wurde die Gruppe ein immer besser funktionierendes Team, welches sich gegenseitig vertraute, half und aufeinander achtete.

„Nicht nur zuhören, sondern auch ausreden lassen und wahrnehmen“ war ein weiterer essentieller Punkt, der den Studierenden nahegelegt wurde. Erst in der sich wiederholenden Praxis wurde wirklich verstanden wie man im Management seine Ziele erreichen kann und dass selbst kleinste Details, wie kleine Verschneidungszonen der Strömungen, nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Die Teilnehmer waren begeistert von dem Seminar, da jeder auf seine eigene Weise etwas lernen konnte. So wurde am eigenen Leib erfahren, dass es oftmals in turbulenten Phasen eine schlechte Entscheidung ist aufzuhören etwas zu tun, sondern dass es gerade zu diesem Zeitpunkt wichtig ist, mit beiden Händen kräftig anzupacken und das Boot sicher aus der kritischen Stelle zu führen. Die Teilnehmer meinten übereinstimmend, dass die außergewöhnliche Lernmethode sowohl zielführend als auch freudebringend ist und das Gelernte vermutlich kaum in Vergessenheit geraten wird. Schon allein deshalb, da durch die permanente praktische Anwendung sehr große persönliche Lernerfolge erzielt wurden.