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Auf der Suche nach Medikamenten gegen COVID-19

Publikation zur Umwidmung zugelassener Arzneimittel bei einer SARS-CoV-2 Infektion veröffentlicht

Ausgewählte zugelassene Arzneimittel bieten sich als eine schnell verfügbare Option zur Prävention und Behandlung einer SARS-CoV-2-Infektion/COVID-19 an.

Professor Dr. Hans-Peter Deigner und sein Team des Institutes of Precision Medicine (IPM) der Hochschule Furtwangen, Fakultät Medical and Life Sciences, erarbeiteten mit weiteren Forschungspartnern aus der Klinik einen Vorschlag zur rationalen Auswahl von zugelassenen Wirkstoffen zur Prävention einer SARS-CoV-2-Infektion und der Ausbildung von COVID-19. Der Opinion-Artikel mit Markus Bläss als Erstautor ist in Frontiers in Pharmacology, Sektion Experimental Pharmacology and Drug Discovery mit Schwerpunkt „Drug Repurposing for COVID-19 Therapy“ erschienen.

Die neueste Veröffentlichung greift den bereits im Juli 2020 in "COVID-19/SARS-CoV-2 Infection: Lysosomes and Lysosomotropism Implicate New Treatment Strategies and Personal Risks", International Journal of Molecular Sciences. 2020; 21(14):4953, skizzierten therapeutischen Ansatz auf und verfeinert die Auswahl interessanter Arzneistoffe zur Umsetzung des Konzepts.

Lysosomen kristallisieren sich immer mehr als zentraler Teil des Eintrittsweges der SARS-CoV-2 Viren und der Aktivierung des Spike-Proteins heraus. Im Fall von SARS-CoV-2 sind die Lysosomen der Zellen der Atemwege, durch die das Virus in den Körper gelangt, von besonderem Interesse. Die beiden Psychopharmaka Imipramin und Chlorpromazin gehören zu den Arzneistoffen, die sich im Lungengewebe anreichern, die die gewünschten Eigenschaften aufweisen und in Beobachtungsstudien in Frankreich ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben. Leider eignen sie sich nicht zur Anwendung bei Gesunden. Sie belegen aber die Wirksamkeit des Ansatzes und den Nutzen bei gefährdeten Personen.

„Das Papier ist eine Basis für eine weitergehende Suche nach geeigneten Arzneistoffen. Die bisher gefundenen Arzneistoffe haben noch nicht die idealen pharmakologischen Eigenschaften zur breiten Anwendung in der Bevölkerung. Sie sind allerdings ein wertvoller „Proof of Principle“, der zu weiterer Suche ermutigt“, sagt Professor Deigner und fügt hinzu: „Wir haben die Auswahlkriterien verfeinert und weitere Arzneistoffe und deren Metaboliten identifiziert, die sich für eine breite Anwendung eignen könnten.“

Die beiden Veröffentlichungen könnten zusammen mit einer weiteren eingereichten Arbeit den Weg zu einer Therapieoption ebnen, um die gegenwärtige Pandemie besser bewältigen zu können.

Das Paper zum Download:

Blaess M., Kaiser L, Sommerfeld O, Rentschler S., Csuk R., and Deigner H-P. Rational Drug Repurposing: Focus on Lysosomotropism, Targets in Disease Process, Drug Profile, and Pulmonary Tissue Accumulation in SARS-CoV-2 Infection/COVID-19; https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2020.584881/full; Front. Pharmacol., 20 November 2020 | https://doi.org/10.3389/fphar.2020.584881