Designästhetik – Theorie und soziale Praxis

Interdisziplinäre Tagung „Designästhetik – Theorie und soziale Praxis“ der Hochschule Furtwangen und der Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck.

Am 14. und 15. Juni 2018 fand die internationale und interdisziplinäre Tagung „Designästhetik – Theorie und soziale Praxis“ der Hochschule Furtwangen und der Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck statt. Geleitet wurde diese von Prof. Dr. Oliver Ruf, unserem Professor für Textgestaltung an der Fakultät Digitale Medien in Furtwangen und Prof. Dr. Stefan Neuhaus, Professor der Literaturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau.

Design ist allgegenwärtig – „Wahrnehmung“, „Schönheit“ und „Kritik“ sind Schlagwörter, die gemeinsam das bilden, was man „Design-Ästhetik“ nennen könnte. Doch was verbirgt sich darunter in der Design- und Kulturgeschichte sowie in der gesellschaftlichen Gegenwart? Welche wissenschaftlichen Blicke sind dafür relevant? Und in welche Richtung wird sich dieses auch technologisch wichtige Thema entwickeln? Auf diese Fragen versuchte die Tagung Antworten zu entwickeln und verband dabei kulturwissenschaftliche Perspektiven und Anwendungspraxis miteinander.

Der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Rolf Sachsse befasste sich passenderweise – das Arp-Museum zählt unter anderem Exponate des Dadaismus zu seiner Sammlung – mit dem Thema „Design und Dada“. Sachsse präsentierte einen historischen Abriss der Entwicklungen, die durch Dada angeregt worden sind. Noch etwas weiter griff unmittelbar danach Prof. Dr. Bernhard E. Bürdek: „Über Sprache, Gegenstände und Design revisited“. Beide zeigten an zahlreichen Beispielen: Sprache und Design gehörten und gehören eng zusammen.

Ansonsten zeigten viele Vortragende Ausblicke in die Zukunft, mit Themen wie „Design und deep learning. Zur Ästhetik einer künftigen Interaktion von Mensch und selbstlernenden Systemen“ (Prof. Dr. Martin Gessmann) oder „Memorial Design Pattern– Entwurfsmuster in der Gestaltung digitaler Erinnerung“ (Dr. Susanne Haake). Bei letzterem Vortrag ging es um die Frage, wie Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden dauerhaft digital zur Verfügung gestellt werden können. Gleichzeitig standen philosophische Fragestellungen im Mittelpunkt, so etwa im Hinblick auf „Nominalismus und Realismus“ (Prof. Dr. Gerhard Schweppenhäuser), auf „Design-Ästhetiken und -Verständnisse aus dem afrikanischen Raum“ (Prof. Dr. Michaela Ott) oder hinsichtlich einer „Archäologie der Artefakte“ (Prof. Dr. Knut Ebeling) bzw. der „psychologischen Langlebigkeit“ von Design-Produkten (Johannes Lang).

Einblicke in die sowohl industrielle wie künstlerische Praxis gab schließlich einerseits Klaus Frenzel, der die „User Experience“ und eine Designstrategie der „sinnlichen Klarheit“ von Mercedes Benz präsentierte und dazu das neue digitale Design für die Bedienung der entsprechenden Bordelektronik vorstellte. Ebenso ungewöhnlich für eine wissenschaftliche Tagung waren andererseits die beiden Performances der Künstler Alice Günther und Alfons Knogle, die mit Keramik und anderen Materialien kritische Zukunftsszenarien entwarfen.

Die drei Veranstalter Prof. Dr. Oliver Ruf (Hochschule Furtwangen), Prof. Dr. Stefan Neuhaus (Universität Koblenz-Landau) und Dr. Oliver Kornhoff (Leiter des Arp-Museums) fassten zusammen: Eine solche transdisziplinäre Zusammenarbeit, die Design als ästhetisches Phänomen in seiner Entwicklung, seinen aktuellen Ausprägungen und seinen zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten in den Blick nimmt, verlangt vehement nach einer Fortsetzung. Zunächst werden sich die Energien aber auf die Herausgabe eines Sammelbandes konzentrieren, der die Ergebnisse publizieren wird. Dessen Erscheinen ist für 2019 im transcript-Verlag vorgesehen.

Die Tagung wurde übrigens von Masterstudierenden des Studiengangs Design Interaktiver Medien (DIM) gestalterisch, organisatorisch und wissenschaftlich begleitet. In den zwei Projektsemestern wurden Flyer, Plakate und eine Website zur Tagung erstellt. Zusätzlich soll nun noch ein Tagungsfilm entstehen, welcher interessante Momente der Tagung zusammenfasst und repräsentiert. Wir freuen uns darauf!