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Call for Papers

Pay-as-you-live – Sozio-technische Systeme und gesellschaftliche Folgen. Einreichfrist für Abstracts bis 30. Juni 2020

Sammelband in der Buchreihe „Öffentliche Wissenschaft und gesellschaftlicher Wandel“ (Springer VS)

Herausgeber*innen: Prof. Dr. Stefan Selke, Prof. Dr. Stefanie Betz, Nele Wulf

Alltagstechniken und -praktiken digitaler Selbstvermessung sind in neue soziologische und ökonomische Kontexte sowie in gesundheitswissenschaftliche Diskurse zur Übernahme von Selbstverantwortung eingebettet. Fitness-Tracker, Smartwatches und Gesundheits-Apps werden längst nicht nur zur Messung und Steigerung der eigenen Gesundheit oder zur Selbstoptimierung eingesetzt. Zunehmend vermessen sich Menschen digital und geben diese privaten, körperbezogenen Daten freiwillig an Dritte weiter, z.B. an Krankenversicherungen. Diese wiederum bieten Bonusprogramme und sogenannte Pay-as-you-live-Tarife an, mit denen sie einen gesundheitsbewussten bzw. präventiven Lebensstil monetär oder mit anderen Leistungen belohnen wollen. Vor diesem Hintergrund erscheinen PAYL-Systeme als eine Signatur der Gegenwartsgesellschaft: Digitalisierung einerseits und die Ökonomisierung des Sozialen andererseits.

Die interdisziplinären Beiträge des Sammelbands beschreiben, analysieren und bewerten diesen Trend und die zugrundeliegenden Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft. Einerseits fragen sie nach technologischen Voraussetzungen von PAYL-Systemen, andererseits nach der schleichenden Veränderung der kulturellen Matrix durch die mit PAYL-Systemen verbundenen Institutionalisierungen und Praktiken. Das mögliche Spektrum einer Evaluation dieser Entwicklung erstreckt sich auf Expert*innenseite von Skepsis gegenüber der rechtlichen Machbarkeit und der Vereinbarkeit mit dem Solidarprinzip bis hin zur fatalistischen Annahme, dass sich PAYL aus ökonomischen Erwägungen durchsetzen müsse. Quer zu diesen Einschätzungen liegen Fragen zum Datenschutz und zur Datensicherheit. Die Beiträge des Sammelbandes bilden die Bandbreite dieser heterogenen Perspektiven angemessen ab. Vor diesem Hintergrund sind Beträge aus Disziplinen wie (Sozio-)Informatik, Recht, Gesundheitswissenschaften, (Sozial-)Psychologie, Soziologie, Philosophie und angrenzenden Disziplinen ebenso erwünscht wie Zugänge aus praktischen Feldern, z.B. Verbraucherschutz, Marketing oder Produktdesign.

Zusammen bilden die Beiträge Voraussetzungen des sozio-technischen Systems PAYL, gesellschaftliche Folgen sowie Gestaltungsoptionen ab. Sowohl informationstechnische Voraussetzungen von PAYL-Systemen wie z.B. Datenschutz- und Sicherheitsaspekte oder Algorithmic Decision Making als auch die langfristigen gesellschaftlichen (d.h. individuellen, sozialen, ethischen und kulturellen) Folgen im Kontext der digitalen Transformation des Gesundheitswesens sind denkbare Themen. Willkommen sind auch internationale Vergleiche zu bereits existierenden PAYL-Systemen, Betrachtungen im Kontext von Scoring-Algorithmen sowie die Diskussion möglicher Risiken und deren Abschwächung.

Ziel des Sammelbands ist es, das Thema PAYL aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit größtmöglicher Perspektivenvielfalt zu beleuchten und somit eine Kartographie des emergierenden Forschungs- und Praxisfeldes zu liefern. Damit soll der Band auch zu einer fundierten Gesamteinschätzung von PAYL im Feld der Gesundheitspolitik beitragen.

Eingeladen sind theoretisch, empirisch oder kulturvergleichend angelegte Artikel, die sich an den oben genannten oder komplementären Themenstellungen orientieren. Beiträge in deutscher wie englischer Sprache sind gleichermaßen willkommen.

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag als Abstract (PDF, max. 500 Wörter exklusive Literatur) bis zum 30.06.20 per E-Mail an: wun(at)hs-furtwangen.de

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen.

Informationen zum PAYL-Projekt der HFU finden Sie auf: https://www.hs-furtwangen.de/forschung/forschungsprojekte/big-data-und-boni/

Informationen zur Buchreihe

Die Buchreiche „Öffentliche Wissenschaft und gesellschaftlicher Wandel“ wird seit 2017 von Prof. Stefan Selke und Prof. Annette Treibel im Verlag Springer VS herausgegeben. Bislang sind in der Reihe erschienen:

  • Peter Biniok, Eric Lettkemann (2017) (Hg.): Assistive Gesellschaft. Multidisziplinäre Erkundungen zur Sozialform ‚Assistenz“.
  • Stefan Selke , Annette Treibel (2018) (Hg.): Öffentliche Gesellschaftswissenschaften. Grundlagen, Anwendungsfelder und neue Perspektiven.
  • Anne Brünninghaus, Nils Heyen, Sascha Dickel (2018) (Hg.): Personal Health Science.
  • Robert Jende (2020) (Hg.): Öffentliche Soziologie in Aktion. Stadtentwicklungspotentiale und das Recht auf Stadt am Beispiel des Architekturwettbewerbs 72 Hour Urban Action in Jena Lobeda West.
  • Stefan Selke, Heinz Bude, Stephan Lessenich, Oliver Neun (2021) (Hg.): Handbuch Öffentliche Soziologie. In Vorbereitung

Informationen zu den Herausgeber*innen

Prof. Dr. Stefan Selke lehrt und forscht als Soziologe an der Hochschule Furtwangen. Seine Arbeitsgebiete sind gesellschaftlicher Wandel und öffentliche Wissenschaft. Mehr: www.stefan-selke.de

Prof. Dr. Stefanie Betz lehrt und forscht als Sozioinformatikerin an der Hochschule Furtwangen. Ihre Arbeitsgebiete sind die Wechselwirkungen von Software-Systemen und Gesellschaft mit besonderem Fokus auf Sustainability Design.

Nele Wulf lehrt und forscht als Soziologin an der Hochschule Furtwangen und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ihre Arbeitsgebiete sind techniksoziologische Fragestellungen, Nichtwissen und PAYL-Konzepte.