Linus Frederik Fabian und seine persönlichen Vorräte für zehn Tage
Bachelorarbeit zu Krisenmanagement in Unternehmen an der Hochschule Furtwangen
Drei Kästen Wasser, ein Berg aus Instantnudeln, Dosenravioli, Nüsse und vieles mehr, breiten sich auf einem Tisch im Hörsaal C 0.09 der Hochschule Furtwangen (HFU) aus. Was nach dem Einkauf für einen Campingausflug aussieht, ist in Wahrheit die Vorbereitung für eine Unterrichtseinheit zum Thema Vorräte im Fachbereich Sicherheit. Linus Frederik Fabian hat sich für seine Bachelorarbeit im Studiengang „Security & Safety Engineering“ (SSB) mit Krisenmanagement in Unternehmen beschäftigt. Seine Erkenntnisse, die sich gut auf Privatpersonen übertragen lassen, präsentiert er heute den SSB-Erstsemestern. „In Deutschland sind wir sicher, aber nicht immun. Die wahrscheinlichste Bedrohung ist ein Stromausfall, in vielen Regionen bedeutet das auch einen Ausfall der Wasserversorgung“, berichtet Fabian.
Zur Vorbereitung auf den Ernstfall hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) kürzlich seine Vorgaben aktualisiert. „Das BBK empfiehlt, Vorräte für zehn Tage anzulegen. Ein Erwachsener braucht 2000 bis 3000 Kilokalorien pro Tag und zwei Liter Trinkwasser – da kommt einiges zusammen“, erklärt Fabian, während er die letzte Packung Nudeln auf den Stapel legt. Er empfiehlt Lebensmittel mit einer hohen Energiedichte, also Nüsse, Haferflocken und Dosenbrot. Wichtig sei aber, dass man nur das einkauft, was man auch gerne isst. „Mit eigenen Vorräten kann man im Ernstfall Einsatzkräfte entlasten“, sagt Fabian. Deshalb lagert der 28-Jährige inzwischen selbst drei große Plastikkisten in seinem Keller. „Im Falle einer Katastrophe kann man sich zu den so genannten ‚Leuchttürmen‘, den Sammelstellen von Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Rettungskräften begeben und wird auch dort versorgt. Es ist aber besser, wenn man erstmal zu Hause bleiben kann“, erläutert Fabian.
Seine Bachelorarbeit hat er in Kooperation mit der Firma TransnetBW geschrieben, für die er inzwischen auch tätig ist, während er den Master „Risikoingenieurwesen“ an der HFU studiert. Das Thema Vorräte wird auch für Firmen in den kommenden Jahren immer wichtiger. Beispielsweise nimmt die Netzbelastung durch den Einsatz von KI immer weiter zu, weshalb es häufiger zu Stromausfällen kommen könnte. Für die Krisenvorsorge in Unternehmen gibt es aktuell noch keine gesetzlichen Vorgaben. Fabian erklärt: „Einige Firmen, zum Beispiel Stromversorger, legen Vorräte für ihre essentiellsten Mitarbeitenden an, diese können dann im Ernstfall in der Firma bei der Problemlösung unterstützen. Viele andere Betriebe sind jedoch noch nicht so gut vorbereitet.“
Im Hörsaal wird es spannend, als alle sich um den Lebensmittelberg herumstellen, um dessen Inhalte genauer zu inspizieren. Die meisten der Studierenden sind überrascht von der Menge an Lebensmitteln, die man schon allein für zehn Tage benötigt. Alle sind sich einig, dass es wichtig ist, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen und die ersten überlegen schon, wo in der WG sie Platz für die Vorräte finden. Fabian resümiert: „Vorbereitung hat übrigens nichts mit Prepping oder Panikmache zu tun. Wer vorbereitet ist, entlastet Helfer und ‚Leuchttürme‘ und übernimmt soziale Verantwortung in der Gesellschaft.“