Prof. Dr. Matthias Kohl
Prof. Dr. Matthias Kohl forscht zur Krankheit Meliodose
Prof. Dr. Matthias Kohl (Fakultät III – Health, Medical & Life Sciences) ist als Statistiker an einem Projekt beteiligt, das sich mit einer hierzulande eher unbekannten Krankheit befasst: Melioidose. An dieser Infektion mit dem Bakterium “Burkholderia pseudomallei” erkranken in den Tropen und Subtropen geschätzt 165.000 Menschen pro Jahr, rund 89.000 Menschen sterben an der Krankheit. Die Erreger der Melioidose leben im Boden. Übertragen wird die Krankheit durch Aerosole, Wundinfektionen oder die Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Essen. Da ihre Symptome von Lungenentzündung über Abszesse an verschiedenen Organen bis hin zur Sepsis reichen, ist die Krankheit schwer zu diagnostizieren – fatal, da eine frühe Behandlung mit den richtigen Antibiotika wichtig wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass nur wenig darüber bekannt ist, ob der Erreger auch über sein Hauptverbreitungsgebiet in Asien hinaus vorkommt.
So fehlten bislang etwa Daten aus Afrika weitgehend. Forschende der Medizinischen Universität Graz untersuchten in einem Projekt das Auftreten von Melioidose-Infektionen in Mali. In einer von Ärzte ohne Grenzen betriebenen Kinderklinik in Koutiala (Mali) dokumentierten sie anhand dort gesammelter Proben und Labordaten insgesamt 31 Fälle von Melioidose bei Kindern vom Säuglingsalter bis zu fünf Jahren – die größte Reihe von Melioidose-Fällen, die jemals in Afrika gezeigt wurde. Prof. Dr. Matthias Kohl erklärt: „Das deutet darauf hin, dass die Inzidenz der Erkrankung bei etwa 15,5 von 100.000 Einwohnern pro Jahr liegt“. Sequenzdaten der nachgewiesenen Erreger belegten überdies eine hohe genetische Vielfalt bei den Bakterien, sagt der Mathematiker: „'Burkholderia pseudomallei' existiert also bereits seit geraumer Zeit in der Gegend, wurde aber aufgrund fehlender diagnostischer Möglichkeiten noch nicht bei Patienten entdeckt.“
Genau darin liegt das Problem: Denn der Erreger ist gegen viele gängige Antibiotika resistent. Patientinnen und Patienten, die nicht schnell korrekt diagnostiziert und somit falsch behandelt werden, sterben häufig an Melioidose – in der vorliegenden Studie rund 63 Prozent der in der Klinik aufgenommenen Kinder. Gemeinsam mit seinen Koautorinnen und Koautoren rät Kohl daher: „Hier müssen unbedingt schnell bessere, auch unter schwierigen Bedingungen zugängliche Testmöglichkeiten geschaffen werden, damit nicht weiterhin Kinder an eigentlich behandelbaren Krankheiten sterben.“
Paper “Melioidosis in Mali: a retrospective observational study"
(Lancet Glob Health 2025; 13: e1964 – e1972; doi: 10.1016/S2214-109X(25)00317-1)
von Sabine Lichtenegger, Isabel Klugherz, Gabriel E Wagner, Justine Michel, Bastien Mollo, Adama Sanogo, Moussa K Diawara, Soumaila Traore, Hyacinthe G Kodo, Max-Yvon Mbangui, Marie-Hortense Koudika, Youssouf Diam Sidibé, Johanna Dabernig-Heinz, Christian Kohler, Karsten Becker, Karoline Assig, Direk Limmathurotsakul, Matthias Kohl, Carolina Jimenez, Rupa Kanapathipillai, Janet Ousley, Ivo Steinmetz