LKA-Experte zu Gast beim Sicherheitsdialog der HFU

Polizeihauptkommissar Bernhard Lacker (links) freute sich nach seinem Cybercrime-Vortrag über die Kuckucksuhr aus Schokolade, die ihm von Prof. Dr. Dirk Koschützki überreicht wurde.

Bei einem Vortrag der Reihe „Furtwanger Sicherheitsdialog“ informierte Polizeihauptkommissar Bernhard Lacker in der voll besetzen Aula der Hochschule über kriminelle Angriffe aus dem Internet. „Gerade kleinere Unternehmen wie Handwerksbetriebe, die ihre Informationstechnik kaum überwachen, sind in zunehmendem Maß betroffen“, so Lacker. Als Mitarbeiter der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg ist der Polizeihauptkommissar Ansprechpartner für Behörden und Unternehmen.

Bernhard Lacker erinnerte zunächst an die großen Cyberattacken der letzten Zeit, wie die Datendiebstähle bei bekannten E-Mail-Anbietern und Shopping-Plattformen oder das Schadprogramm „Wannacry“, das Festplatten verschlüsselte, um Geld von den Nutzern zu erpressen. „Sind Sie schon an Cybercrime beteiligt?“, fragte der Polizeikommissar ins Publikum und zielte darauf ab, dass Nutzer auch unwissentlich Teil eines sogenannten Botnets sein können. Darin verbinden sich viele Computer zu einem riesigen Netzwerk, über das kriminelle Angriffe gesteuert werden. Private Anwender sind laut Lacker davon ebenso betroffen wie die Computernetze von Unternehmen.

In der „Boombranche Cybercrime“ tummeln sich laut dem Experten des Landeskriminalamts verschiedene Tätergruppen: So habe die klassische organisierte Kriminalität Cybercrime als neues Tätigkeitsfeld entdeckt. „Hinzu kommen neue kriminelle Gruppen, die sich über Ländergrenzen hinweg online bilden und deren Strukturen nur schwer ermittelbar sind“, so Lacker. Die Kommunikation laufe über den verborgenen Teil des Internets wie das Darknet, das nur mittels einer speziellen Software nutzbar sei. Rund die Hälfte der Taten wird laut Lacker jedoch durch „Innentäter“ begangen, also die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die so dem Unternehmen absichtlich oder unabsichtlich Schaden zufügen. Beispiele dafür seien der gekündigte Beschäftigte, der wichtige Firmendaten lösche, oder der Mitarbeiter, der in der E-Mail auf einen Link zu einem Schadprogramm klicke.

Im Falle eines Angriffs aus dem Internet können sich Behörden und Unternehmen unter der Telefonnummer 0711 5401 2444 rund um die Uhr an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) wenden, damit Beweissicherungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Bernhard Lacker empfiehlt zudem, einen Notfallplan zu erstellen, in dem Abläufe definiert und schnelle Kontaktmöglichkeiten – etwa zu Polizei und Hausbank – festgehalten werden.

„Der Vortrag hat die Brisanz des Themas verdeutlicht. Experten für IT-Sicherheit sind daher auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragte Fachleute. Studierende, die sich auf dieses Themenfeld fokussieren, haben beste Berufsaussichten“, sagt der Informatiker Prof. Dr. Dirk Koschützki vom Studiengang Security & Safety Engineering. Informationssicherheit ist Bestandteil dieses Studiengangs, in dem Sicherheitsexperten für Unternehmen, Behörden und Organisationen ausgebildet werden. In der Reihe „Furtwanger Sicherheitsdialog“ des Studiengangs werden regelmäßig Vorträge zu verschiedenen Aspekten von Sicherheit angeboten.