Physiotherapie: Berufsbild und Perspektiven

In Deutschland sind rund 190.000 Physiotherapeutinnen und -therapeuten tätig (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Zahl der Physiotherapeuten in Ausbildung ist jedoch seit einigen Jahren rückläufig, was vor allem am Rückgang der Geburtenzahlen liegen dürfte. Gleichzeitig steigt durch die Alterung der Gesellschaft und die Zunahme an chronischen Erkrankungen der Bedarf an qualifizierten Therapeuten. Die Berufsaussichten sind daher exzellent: Bereits vor dem Abschluss haben die meisten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten einen Arbeitsplatz sicher.

Am häufigsten sind Anstellungsverhältnisse auf dem "freien Markt". Hier gibt es große Unterschiede je nach Institution (Krankenhaus, Rehaklinik, Praxis etc.) und nach Region. Die Einstiegsgehälter von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten liegen bei einer Vollzeitstelle zwischen 1.600 und 2.600 Euro (brutto). Im öffentlichen Sektor kann ein Bachelor-Absolvent der Physiotherapie auf Entgeltstufe 10 TVöD eingestuft werden. Mit einer schulischen Ausbildung liegt die Eingruppierung in der Regel bei Stufe 7.

Das Einkommen ist wichtig, aber für die meisten Physiotherapeuten nicht der Hauptgrund für ihre Berufswahl. Das abwechslungsreiche, breit gefächerte Tätigkeitsfeld Physiotherapie sowie die vielfältigen fachlichen Entwicklungsoptionen bieten ein hohes Maß an Sinnerfüllung sowie eine große Flexibilität von Arbeitszeitmodellen, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern.

Mit dem Studium an der HFU erwerben Sie Kompetzen für

  • eine reflektierte physiotherapeutische Praxis (unmittelbare Tätigkeit am Patienten)
  • die eigenständige Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams
  • fachbezogenes Projektmanagement
  • den Einsatz in der physiotherapeutischen Prävention und Gesundheitsförderung
  • wissenschaftliche Reflexion
  • Evidenzprüfung
  • die Anpassung des professionellen Handelns
  • eine Weiterqualifikation zum Master
  • einen Anschluss an den internationalen Arbeitsmarkt

In welchen medizinischen Bereichen sind Physiotherapeuten tätig?

Physiotherapeutinnen und -therapeuten werden für Tätigkeiten in verschiedenen medizinischen Fachbereichen ausgebildet. Darüber hinaus können sie in der Prävention und Gesundheitsförderung interessante Tätigkeitsfelder übernehmen.

In den medizinischen Fachbereichen arbeiten Physiotherapeuten im stationären Bereich eng mit Ärzten, Pflegekräften und anderen therapeutischen Berufsgruppen zusammen. In der ambulanten Physiotherapiepraxis spezialisieren sie sich häufig auf eine oder mehrere Fachbereiche.

Die medizinischen Fachbereiche sind folgendermaßen definiert:

Orthopädie

Diagnostik und Behandlung von entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen, angeborenen Fehlbildungen oder Tumoren des Bewegungsapparates, aber auch von Schädigungen des Bewegungsapparates, die durch Unfälle entstanden sind.

Chirurgie

Die Chirurgie befasst sich mit der operativen Behandlung der unterschiedlichsten Körpersysteme (Organe, Nervensystem, Bewegungsapparat), die angeboren oder durch Krankheiten oder Unfälle erworben sein können.

Neurologie

Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des zentralen (Gehirn und Rückenmark) und peripheren (Nerven) Nervensystems, die angeboren oder erworben (Krankheit, Unfall) sind.

Innere Medizin

Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe (z.B. Herz, Lunge)

Pädiatrie (Kinderheilkunde)

In der Pädiatrie werden jegliche angeborenen oder im Kindes- und Jugendalter erworbenen Erkrankungen oder Folgen von Unfällen diagnostiziert und behandelt.

Geriatrie (Altersheilkunde)

Diagnostik und Behandlung von altersspezifischen Erkrankungen, die wiederum orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch oder internistisch bedingt sein können.

Gynäkologie (Frauenheilkunde)

Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes (z.B. Brustkrebs), aber auch Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt.

Präventive Maßnahmen

Im Rahmen der Prävention erarbeiten Physiotherapeuten die Angebote oft zusammen mit den Krankenkassen, die diese Leistungen finanzieren. Die Durchführung präventiver Maßnahmen soll dazu beitragen, dass Erkrankungen, die mit bestehenden Risikofaktoren (z.B. Mangel an körperlicher Aktivität oder besonders belastenden körperlichen Aktivitäten) zusammenhängen, vermieden werden. Die Maßnahmen finden in der Regel in Form von Gruppenangeboten entweder in der Physiotherapiepraxis oder auch am Arbeitsplatz statt.

Beispiele hierfür sind:

  • Rückenschule (zur Vermeidung von Rückenschmerzen)
  • Ergonomie am Arbeitsplatz (Beratung und Anleitung zum richtigen Verhalten bei belastenden Arbeitssituationen)
  • Körperliche Aktivität bei übergewichtigen Menschen (Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung zur Vermeidung von damit zusammenhängenden Folgeschäden)
  • Sturzprophylaxe (Maßnahmen zur Verbesserung von Kraft und Koordination bei sturzgefährdeten Personen)

In der Gesundheitsförderung liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen auf der Verbesserung der Steigerung der vorhanden körperlichen Ressourcen von Menschen jeglichen Alters. So können Physiotherapeuten zum Beispiel in Schulen, Universitäten, Betrieben oder Seniorenheimen durch Angebote zur Steigerung der körperlichen Aktivität zur Förderung der Gesundheit bei den jeweiligen Zielgruppen beitragen.