Eintrag (I27232)

Produktion von Erklärvideos

Lehre gestalten

Als Erklärvideos können Videos bezeichnet werden, die mit dem Ziel der Wissensvermittlung produziert werden. Erklärvideos werden unterschieden in Vorlesungsaufzeichnungen (klassisch „Live“ im Hörsaal) und E-Lectures (ohne Publikum aufgezeichnet) (Persike, 2019).
Als Unterform von E-Lectures können folglich folgende Videoformate zählen:

  • Lege und Zeichentechnik
  • Screencasts (Aufzeichnen eines Bildschirminhaltes, ggf. inkl. Webcam)
  • Animationsvideos

Nachdem Sie sich für ein Videoformat entschieden haben, wählen Sie die dafür benötigte Technik für die Aufnahme aus. Planen Sie Ihre Aufnahme und berücksichtigen Sie dabei die Aspekte der Länge, des Aufbaus, der Einbettung, der Barrierefreiheit und der Nachbearbeitung.  

Technik: Audioqualität

Grundsätzlich können Sie mit jedem Mikrofon, auch mit Ihrem Headset, ein Audio einsprechen. Für ein professionelleres Setting lohnt sich die Investition in ein gutes Aufnahmegerät, da eine Tonspur von schlechter Qualität ein sehr gutes Video beinahe „unschaubar“ machen kann. Tipp für Hochschulangehörige: Das Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:All-in-One Rapidmooc Videostudio in Furtwangen!

 

Technik: Aufnahmetool

Unser Tipp für ein professionelles Setting ohne Aufwand ist unser All-in-One-Videostudio Rapidmooc in Furtwangen!
Zu weiteren Aufnahmetools für Screencasts

Technik: Webcamaufzeichnung ja oder nein?

Bei Screencasts steht man häufig vor der Entscheidung: mit oder ohne Webcam-Aufzeichnung? Hier gibt es keine pauschale Antwort und empirisch auch keine klaren Belege für die ein oder andere Option (Findeisen et al., 2019). Bei sehr dynamischen Inhalten kann die erklärende Person ablenkend sein, wohingegen bei statischen Inhalten (z.B. Folien) die Gestik und Mimik des Erklärenden hilfreich sein können. Bei reinen Online-Veranstaltungen können Studierende Ihre Dozierende zumindest virtuell kennenlernen, wenn die Webcam genutzt wird (Handke, 2020, S. 155f.).

In der Kürze liegt die Würze!

Es ist ratsam kurze Lernvideos (unter 6 Minuten) (Guo et al., 2014) zu produzieren oder (zumindest) lange Videos in kleinere Kapitel zu unterteilen (Persike, 2019, S. 10).

In einer Studie von Guo et al. (2014) wurden 6.9 Millionen Videos ausgewertet. Bei Videos, die länger als 6 Minuten dauerten, erfolgte häufiger ein Abbruch und sich daran anschließende Aufgaben wurden nicht bearbeitet. Aus der Lehr-/Lern-Forschung ist auch bekannt, dass die Konzentration nach ungefähr 15 Minuten „passiv sein“ nachlässt (Biggs & Tang, 2007, S. 109). 

Egal ob Video oder Vortrag – behalten Sie diese Konzentrationsfähigkeit im Hinterkopf und nutzen Sie interaktive Elemente um passive Rezipienten zu aktiven Lernenden zu machen.

Aufbau: der "klassische" Dreiteiler

Als „Gerüst“ kann der „klassische“ Dreiteiler dienen.

  • Einleitung: Hinführung zum Thema / Intro-Folie  
  • Hauptteil: ggf. Unterteilung in Untertitel
  • Schluss: Outro-Folie; Zusammenfassung / Take-Home-Message

Eine Möglichkeit ein Erklärvideo zu "rahmen", ist das Storytelling. Diese Technik ist häufig in Legetechnik-Erklärvideos oder auch in Animationsvideos zu finden. Beispiele:

Studie zum Nachlesen: Jahn, D., Tress, D., & Chmel, L. (2018). Lernvideos können mehr als nur Erklären: Eine Studie zum Einsatz von narrativen Film-Ankern in einer hochschuldidaktischen Online-Weiterbildung. In J. Buchner (Ed.), Inverted classroom - vielfältiges Lernen: Begleitband zur 7. Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2018 : Fh St. Pölten, 20. & 21. Februar 2018 (pp. 149–164). ikon VerlagsGesmbH.

Do's and Don'ts bei der Videogestaltung
  •  Stellen Sie Ihren Foliensatz auf den Prüfstand:
    • Fügen Sie eine Intro- und Outro-Folie hinzu.
    • Ihr Folienformat sollte in 16:9 vorliegen (unter dem Reiter Entwurf > Foliengröße einzustellen). 16:9 ist derzeit das Standardseitenverhältnis für Videos. Videos, die im 4:3 Format aufgezeichnet werden, „erhalten“ dann später störende schwarze Balken.
       
  • Prüfen Sie Ihre Inhalte:
    • Heben Sie Wichtiges hervor ("Signalprinzip"/Mayer, 2014)
    • Platzieren Sie Sachverhalte, die zusammengehören, räumlich und zeitlich nahe beieinander (Prinzip der räumlichen und zeitlichen Nähe/ Mayer, 2014): Tun Sie dies entweder in Ihrem Foliensatz, bei der Aufnahme oder nutzen Sie dazu Nachbearbeitungstools.
    • Verzichten Sie möglichst auf rein dekorative bzw. ablenkende Abbildungen, Störgeräusche und unnötige Informationen ("Kohärenzprinzip"/Mayer, 2014).
    • Prüfen Sie, ob Sie die im Video gezeigten Abbildungen bzw. genutzte Musik in Ihrem Setting nutzen dürfen.
       
  • Weniger ist mehr: Verzichten Sie auf möglicherweise störende Hintergrundmusik, insbesondere wenn Sie sprechen ("Kohärenzprinzip"/Mayer, 2014).
     
  • Nobody’s perfect: Versprecher gehören dazu und können auch sympathisch sein. Möchten Sie Versprecher im Nachhinein durch einen Schnitt ausmerzen, dann machen Sie eine Sprechpause und sprechen Sie den ganzen letzten Satz nochmals neu ein.
  • Aktive und direkte Ansprache: Bleiben Sie „Ihrem“ ggf. auch informellem Stil treu und bleiben Sie im Dialog mit den Lernenden ("Personalisierungsprinzip"/Mayer, 2014).
     
  • Legen Sie Pausen ein (ca 2 Sek): Kleine Pausen strukturieren und geben dem Zuhörenden kurz Zeit, das Gezeigte zu verarbeiten – ohne aktiv selbst die Pausetaste zu drücken (z.B. Findeisen et al., 2019 , S. 24f.; Merkt, 2015, S.3, Merkt & Schwan, 2018, S.6)
  • Nachhaltigkeit: Bedenken Sie mit, dass Sie Ihr Video möglichst lange einsetzen möchten. Videos, die sich z.B. auf ganz konkrete aktuelle Ereignisse beziehen und diese auch ansprechen (z.B. "jetzt gerade im Lockdown", "vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl") können schnell veraltet wirken, auch wenn der Inhalt ggf. noch aktuell sein sollte.
Klappe - die Erste!
  • Achten Sie bei Screencasts, die Sie am heimischen Rechner aufnehmen, auf den Aufnahmebereich. Wählen Sie dort am besten den ganzen Bildschirm aus und wechseln Sie bei mehreren „Klappen“ nicht den Aufnahmebereich.
  • Prüfen Sie, ob Sie das richtige Mikrofon ausgewählt haben.
  • Machen Sie eine kurze Probeaufnahme, um Ihr Audio zu checken.
Barrierefreiheit

Denken Sie die Barrierefreiheit mit.

  • Ausreichende Kontraste nutzen (z.B. Komplementärfarben, aber kein rot/grün)
  • Serifenlose Schrift wie Arial Narrow
  • Untertitelung für Menschen mit Hörbeeinträchtigung, Nicht-Muttersprachler*innen und mobile Nutzer*innen ohne Kopfhörer
    Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:Zur HelpCard "Untertitel erstellen und im Medienportal hinzufügen"
  • Audiodeskription für Menschen mit Sehbeeinträchtigung: Erklären Sie in Ihrem Video  visuelle Inhalte, die für das Verstehen zwingend notwendig sind.

Quellen und weiterführende Infos:
Aktion Mensch. 4 Tipps für dein barrierefreies Video.Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:https://www.aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/barrierefreier-videoplayer/4-tipps-fuer-dein-barrierefreies-video
BiK für Alle. Leitfaden barrierefreie Online-Videos. https://bik-fuer-alle.de/leitfaden-barrierefreie-online-videos.html
NDR. Untertitel-Standards (Stand 30.03.2015). Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:https://www.ndr.de/fernsehen/barrierefreie_angebote/untertitel/Untertitel-Standards,untertitelstandards102.html
Universität Potsdam. Erstellung barrierefreier Videos und Videomitschnitte. (2021, 1. Februar). [Video]. YouTube. Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:https://youtu.be/OHSZ3SGbFu8  Zuletzt abgerufen am 13.12.2021

Nachbearbeitung

Eine Nachbearbeitung ist nicht immer nötig, sinnvoll kann diese sein, wenn Sie beispielsweise das Audio optimieren möchten, Versprecher herausschneiden oder bestimmte Dinge hervorheben möchten. Mehr Infos über mögliche Nachbearbeitungstools (z.B. Shotcut, Camtasia)

Veröffentlichung

Als Mitglied der Hochschule Furtwangen steht Ihnen Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:das Medienportal der HFU zur Verfügung. Veröffentlichen Sie dort Ihr Video mit den gewünschten Zugriffsmöglichkeiten.

Literaturangaben

Biggs, J. B., & Tang, C. S. (2007). Teaching for quality learning at university (3. ed.). Open University Press

Findeisen, S., Horn, S., & Seifried, J. (2019). Einzelbeiträge 2019. MedienPädagogik: Zeitschrift Für Theorie Und Praxis Der Medienbildung, 2019 (Occasional Papers), 16–36.

Guo, P. J., Kim, J., & Rubin, R. (2014). How video production affects student engagement. In M. Sahami (Ed.), L@s 2014 : Proceedings of the first ACM Conference on Learning @ Scale : March 4-5, 2014, Atlanta, Georgia, USA (pp. 41–50). ACM.

Handke, J. (2020). Handbuch Hochschullehre digital: Leitfaden für eine moderne und mediengerechte Lehre (3., aktualisierte und erweiterte Auflage). Tectum Verlag.

Mayer, R. E. (2014). The Cambridge handbook of multimedia learning (Second edition). Cambridge handbooks in psychology. Cambridge University Press.

Merkt, M. (2015). Didaktische Optimierung von Videos in der Hochschullehre. https://www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/didaktische-optimierung-von-videos-in-der-hochschullehre

Merkt, M., & Schwan, S. (2018). Lernen mit Bewegtbildern: Videos und Animationen. In H. Niegemann & A. Weinberger (Eds.), Springer Reference Psychologie. Lernen mit Bildungstechnologien (pp. 1–10). Springer Berlin Heidelberg. doi.org/10.1007/978-3-662-54373-3_32-1

Persike, M. (2019). Videos in der Lehre: Wirkungen und Nebenwirkungen. In H. Niegemann & A. Weinberger (Eds.), Springer Reference Psychologie. Lernen mit Bildungstechnologien (pp. 1–31). Springer Berlin Heidelberg.