Entdecke unsere grüne Oase
Obstbäume, viele Pflanzen, ein Kräutergarten und ein Barfußpfad machen unseren Planetary Health Campusgarten zu einer grünen Lernoase. Gleichzeitig wird damit das Bewusstsein für die Natur gefördert und das Konzept der planetaren Gesundheit erlebbar.
Planetare Gesundheit beschreibt die untrennbare Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen und dem Zustand der natürlichen Erdsysteme. Sie geht davon aus, dass menschliche Gesundheit langfristig nur innerhalb stabiler ökologischer Grenzen möglich ist (Whitmee et al 2015).
Die im Garten angelegte Permakultur setzt die zentralen Anliegen der planetaren Gesundheit auf praktischer und lokaler Ebene um. Sie verbindet ökologische Stabilität, menschliche Gesundheit und soziale Gerechtigkeit miteinander.
Was ist Permakultur?
Permakultur ist ein Gestaltungskonzept für nachhaltige Lebensräume, das sich an den Kreisläufen und Wechselwirkungen der Natur orientiert. Ziel ist es, Ökosysteme so zu gestalten, dass sie langfristig stabil, produktiv und widerstandsfähig sind und dabei möglichst wenig Energie oder Ressourcen von außen benötigen.
Ein Permakulturgarten ist daher kein ungepflegter „Wildgarten“, sondern ein bewusst geplantes und vielfältiges Ökosystem. Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen und der Boden stehen in enger Beziehung zueinander und unterstützen sich gegenseitig. Dadurch entstehen gesunde, produktive und biodiversitätsfördernde Lebensräume.
Der Begriff Permakultur leitet sich vom englischen permanent agriculture („dauerhafte Landwirtschaft“) ab und wurde in den 1970er Jahren von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren geprägt. Ihr Konzept entstand als Gegenentwurf zur industrialisierten Landwirtschaft mit großflächigen Monokulturen und hohem Ressourcenverbrauch (Holmgren 2014). Heute wird Permakultur zum Teil in der Landwirtschaft angewendet, aber auch in der Gartenplanung und bei der Gestaltung nachhaltiger Lebensweisen.
Ziel der Permakultur ist es, natürliche Prozesse gezielt zu fördern, um die Lebensgrundlagen des Menschen langfristig zu sichern und den Herausforderungen globaler Umweltkrisen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Veränderung der Landnutzung zu begegnen.
Die ethischen Grundlagen der Permakultur
Die Permakultur basiert auf drei ethischen Prinzipien, die als Grundlage jeder Planung dienen:
- Care for the Earth (Sorge für die Erde): Der Schutz und die Regeneration von Böden, Wasser, Pflanzen und Tieren stehen im Mittelpunkt. Intakte Ökosysteme bilden die Grundlage für gesunde Lebensmittel und eine lebenswerte Umwelt.
- Care for People (Sorge für die Menschen): Dieses Prinzip umfasst sowohl die Fürsorge für andere Menschen als auch die Selbstfürsorge. Gesundheit, Sicherheit und soziale Gerechtigkeit schaffen die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Zusammenleben.
- Fair Share (Faires Teilen): Ressourcen und Überschüsse sollen verantwortungsvoll genutzt und gerecht verteilt werden. Gleichzeitig soll der Konsum auf ein nachhaltiges Maß begrenzt werden, damit sich natürliche Ressourcen regenerieren können (Ohde 2022).
Natürliche Kreisläufe in der Permakultur
Ein zentrales Merkmal der Permakultur ist die Nutzung natürlicher Stoffkreisläufe. Abfälle werden möglichst vermieden, da organisches Material wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird und als Ressource dient. Dadurch entstehen stabile Systeme, die sich weitgehend selbst erhalten können.
Der Kohlenstoffkreislauf
Kohlenstoff (C) ist Bestandteil aller organischen und vieler anorganischer Verbindungen. Pflanzen nehmen während der Photosynthese Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre auf und speichern den Kohlenstoff in ihrer Biomasse.
Ein Großteil des aufgenommenen Kohlenstoffs wird durch Atmung oder über die Wurzeln wieder freigesetzt. Der verbleibende Anteil wird in Blättern, Stängeln, Wurzeln und Holz gespeichert. Sterben Pflanzenteile ab, dienen sie Bodenorganismen als Nahrung. Diese setzen einen Teil des Kohlenstoffs als CO₂ oder Methan (CH₄) wieder frei, während ein anderer Teil dauerhaft im Boden gespeichert wird. Unter besonderen geologischen Bedingungen können Pflanzenreste über Millionen Jahre sogar zu Kohle werden und andere organische Überreste zu Erdöl oder Erdgas (Krauß & Bärlocher 2025; Clauss 2025).
Die Permakultur unterstützt diesen natürlichen Kohlenstoffkreislauf insbesondere durch den Einsatz mehrjähriger Pflanzen. Diese geben über verwelkende Blätter und absterbende Wurzeln kontinuierlich organisches Material an den Boden ab. Dadurch wird Humus aufgebaut, Kohlenstoff langfristig gespeichert und die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Die Speicherung von Kohlenstoff in Böden und Pflanzen trägt dazu bei, den CO₂-Gehalt der Atmosphäre zu verringern und somit den Klimawandel abzuschwächen. Gesunde Böden sind daher ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen und klimafreundlichen Landnutzung.
Wechselwirkung zwischen Pflanzen – Allelopathie
Pflanzen stehen nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern kommunizieren auch über chemische Stoffe. Diese Wechselwirkungen werden als Allelopathie bezeichnet.
Über ihre Wurzeln geben Pflanzen verschiedene Stoffwechselprodukte (Metaboliten) in die Rhizosphäre – den Bodenbereich unmittelbar um die Wurzeln – ab. Diese Stoffe können das Wachstum benachbarter Pflanzen sowohl fördern als auch hemmen. Sie beeinflussen beispielsweise die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, die Durchlässigkeit von Zellmembranen, die Photosynthese, die Atmung oder hormonelle Prozesse (Krauß & Bärlocher 2025; Fritsche 2024).
Monokulturen profitieren häufig zunächst von der Nähe gleichartiger Pflanzen. Langfristig können sich jedoch hemmende Stoffwechselprodukte anreichern, wodurch das Wachstum beeinträchtigt wird. Gleichzeitig fehlen Pflanzenarten, die diese Stoffe abbauen oder ergänzende Funktionen übernehmen könnten.
Die Permakultur setzt deshalb bewusst auf Mischkulturen und Artenvielfalt. Unterschiedliche Pflanzen ergänzen sich gegenseitig, fördern die Bodenfruchtbarkeit und erhöhen die Stabilität des gesamten Systems. Diese Biodiversität stärkt die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen. Je vielfältiger ein Lebensraum ist, desto besser können Stoffkreisläufe funktionieren und desto robuster reagieren Ökosysteme auf Umweltveränderungen.
Symbiose zwischen Pflanzen und stickstofffixierenden Bakterien
Ein weiteres Beispiel natürlicher Kooperationen ist die Symbiose zwischen Pflanzen und stickstofffixierenden Bakterien, den sogenannten Rhizobien.
Pflanzen benötigen Stickstoff für ihr Wachstum, können den in der Luft enthaltenen Stickstoff jedoch nicht direkt nutzen. Rhizobien besiedeln die Wurzeln bestimmter Pflanzen, insbesondere der Leguminosen (Hülsenfrüchtler), und bilden dort Knöllchen. In diesen wird Luftstickstoff in pflanzenverfügbares Ammonium (NH₄⁺) umgewandelt (Krauß & Bärlocher 2025; Fritsche 2024). Im Gegenzug versorgt die Pflanze die Bakterien mit Kohlenstoffverbindungen und Glukose. Beide Organismen profitieren somit voneinander. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass selbst kleinste Wechselwirkungen erhebliche Auswirkungen auf ganze Ökosysteme haben können. Werden natürliche Lebensräume zerstört, gehen solche Beziehungen verloren, was langfristig auch die Ernährungssicherheit des Menschen beeinträchtigen kann.
Bestäubung – Mutualismus zwischen Pflanzen und Tieren
Etwa 80 % aller Samenpflanzen sind auf Tiere wie Insekten, Vögel oder Säugetiere angewiesen, um sich fortzupflanzen. Diese Form der Zusammenarbeit wird als Mutualismus bezeichnet, weil beide Partner profitieren (Krauß & Bärlocher 2025; Fritsche 2024). Während Tiere Nektar oder Pollen als Nahrung erhalten, übertragen sie gleichzeitig Blütenpollen und ermöglichen dadurch die Bildung von Früchten und Samen.
Diese wechselseitige Beziehung zwischen Pflanzen und Bestäubern trägt wesentlich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und stabiler Ökosysteme bei. Gleichzeitig ist sie eine wichtige Grundlage für die menschliche Ernährung, da viele Nutzpflanzen auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen sind.
Die Rolle der Honigbiene
Die Honigbiene gilt als wichtiges Bestäubungsinsekt und ist weltweit durchschnittlich für etwa 13 % aller Blütenbesuche verantwortlich. Dennoch können nur etwa 5 % aller Pflanzenarten ausschließlich durch Honigbienen bestäubt werden. Fast die Hälfte aller Blütenpflanzen wird von Honigbienen überhaupt nicht besucht, sodass Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Fliegen und andere Bestäuber eine ebenso wichtige Rolle übernehmen (Krauß & Bärlocher 2025). Monokulturen verschlechtern jedoch die Lebensbedingungen vieler Bestäuber. Während der Blüte einzelner Kulturpflanzen herrscht kurzfristig ein Überangebot an Nahrung, außerhalb dieser Zeit fehlen jedoch geeignete Blütenpflanzen. Gleichzeitig verdrängen großflächige Anbausysteme natürliche Lebensräume und konkurrierende Bestäuberarten. Das bedeutet, dass ein Überlebenskampf entsteht: Da zu wenig Nahrung für alle da ist, verdrängen die dominanten Bestäuberarten die schwächeren. Langfristig führt dieser Nahrungsmangel zu einem Verlust der ohnehin gefährdeten Arten (Krauß & Bärlocher 2025).
Der Erhalt einer vielfältigen Bestäuberfauna ist entscheidend für die Stabilität von Ökosystemen und für die Sicherung unserer Nahrungsmittelproduktion. Die Förderung strukturreicher und artenreicher Landschaften, wie sie in der Permakultur angestrebt wird, trägt wesentlich zum Schutz dieser wichtigen ökologischen Beziehungen bei.
Ich informiere gerne zum Planetary Health Campus Garten.
+49 7723 920-2825 Schreiben nicole.weydmann(at)hs-furtwangen.de