Zwischen Forschung, Zufall und Leidenschaft
Promotionswege an der HFU: Fünf Doktorandinnen und Doktoranden berichten von ihren Erfahrungen
Die Hochschule Furtwangen ist stolz auf ihre vielfältige Hochschulgemeinschaft. Dazu gehören auch viele internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an der HFU an ihrer Promotion arbeiten. Eine Dissertation zu verfassen, ist immer eine Herausforderung – ganz besonders, wenn die Arbeit im Ausland entsteht oder mit Beruf und Familie vereinbart werden muss. Wir wollten wissen: Wie läuft das?
Die Promovierenden Xiongfei Zhan (China), Sajjad Ahmadpoor (Iran), Sabasadat Seyednikkhoo (Iran), Blanche Schoch (Deutschland) und Fatma Abdelati (Ägypten) - in dieser Reihenfolge auch in der Bildergalerie unten zu sehen - haben uns im Gespräch von ihrer Motivation berichtet, von der täglichen Forschungsarbeit – und von den größten Herausforderungen auf dem Weg zur Promotion.
Warum haben Sie sich für eine Promotion entschieden – und warum speziell an der HFU?
Xiongfei Zhan: „Ich war schon immer sehr an Maschinenbau interessiert und habe meinen Master in Furtwangen im Studiengang Advanced Precision Engineering gemacht. Auf die Promotionsstelle bin ich eher zufällig gestoßen: In einem Gespräch fragte mich mein Betreuer, ob ich lieber arbeiten oder weiterstudieren möchte. Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne promovieren würde – und er meinte, es könnte eine Stelle für mich geben. So bin ich an der HFU geblieben.“
Sajjad Ahmadpoor: „Ich war schon lange stark an Fertigungstechnik, Produktionssystemen und angewandter Technik interessiert – besonders in Deutschland. Die Promotion gibt mir die Möglichkeit, Forschung mit realen industriellen Fragestellungen zu verbinden. Die HFU war für mich besonders attraktiv wegen der engen Verbindung zur Industrie, der starken Praxisorientierung und der Chance, an Themen zu arbeiten, die nicht nur akademisch interessant sind, sondern direkt in der Produktion angewendet werden können. Ein wichtiger Grund war auch das Institute for Advanced Manufacturing (KSF), das ich schon vorher als eines der anerkannten Institute in diesem Bereich kannte.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Ich liebe Forschung und Laborarbeit und hatte das Gefühl, dass ich nach dem Master für eine gute Stelle noch zu wenig Erfahrung habe – oder dass ich in Jobs eher Routineaufgaben machen müsste, die ich nicht so mag. Eine Promotion ist für mich eine Brücke zwischen Universität und Industrie: Danach kann ich entweder in die Industrie gehen oder in der Wissenschaft bleiben und vielleicht Professorin werden. Deutschland habe ich gewählt, weil mir das System gefällt, dass man von Anfang an arbeitet und nicht noch mehrere Jahre nur studiert. Außerdem lernt man im Labor und über eigene Publikationen einfach viel mehr als nur in Vorlesungen – und ich wollte mein Wissen in meinem Fach wirklich vertiefen.“
Fatma Abdelati: „Ich liebe Wissen, und ich habe das Gefühl, dass Wissen die Grundlage ist, auf der wir jedes Problem lösen müssen – besonders gesundheitliche Probleme. Das ist einer der Gründe, warum ich im akademischen Bereich geblieben bin. Die HFU habe ich mir vor allem wegen der Professorinnen und Professoren ausgesucht: Ich habe gezielt nach Personen gesucht, die im gleichen Feld arbeiten. Ich bin sehr froh, dass ich die HFU gewählt habe – besonders, weil ich mit Professor Matthias Kohl arbeite. Er ist sehr unterstützend, verständnisvoll und kompetent. Ich bin wirklich dankbar, dass ich hier weitermachen kann, und auch die Forschungsumgebung mit meinen Kolleginnen und Kollegen ist sehr motivierend und großartig.“
In welchem Fachbereich forschen Sie – was genau ist Ihr Thema, und wie lange arbeiten Sie schon daran?
Xiongfei Zhan: „Ich promoviere im Bereich Maschinenbau. Mein Thema heißt ‚Optimierung des Draht-Laser-Claddings mit Hilfe von Multiskalen-Simulation und experimenteller Untersuchung‘. Begonnen habe ich meine Promotion im November 2025, das offizielle Angebot kam im März. Inhaltlich arbeite ich also seit einigen Monaten daran und bin noch ganz am Anfang.“
Sajjad Ahmadpoor: „Ich promoviere im Bereich data-driven manufacturing, mit Fokus auf Zerspanprozesse, industrielle Datenerfassung, Prozessüberwachung und den Einsatz von Machine Learning in der Produktionstechnik. In meiner Promotion analysiere ich Schleifprozess-Daten mit ML- und KI-Modellen, um das Prozessverhalten besser zu verstehen und Größen wie Oberflächenqualität, Werkzeugzustand oder Prozessanomalien vorherzusagen. Ein zentraler Teil ist die Kombination von Echtzeit-Maschinensignalen, Sensordaten und datengetriebenen Modellen, um intelligentere und adaptivere Produktionssysteme zu unterstützen. Ich habe im September 2024 begonnen und befinde mich in einer aktiven Forschungs- und Entwicklungsphase.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Mein Bachelor war in Zell- und Molekularbiologie, meinen Master habe ich an der HFU in Precision Medicine and Diagnostics gemacht. Jetzt promoviere ich bei Professor Egert in molekularer Mikrobiologie. Ich bin im zweiten Jahr, gestartet im August 2024, also vor einem Jahr und acht Monaten. Zwei Publikationen habe ich bereits geschrieben, sie sind im Review, aber noch nicht veröffentlicht, und mein drittes Projekt wird sicher mehr Zeit brauchen. Insgesamt finde ich, dass ich für das zweite Jahr in einer guten Phase bin.“
Blanche Schoch: „Ich promoviere im Bereich pädagogische Informatik. Begonnen habe ich am ersten April vor drei Jahren. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin noch am Anfang, weil noch so viel zu tun ist – aber eigentlich bin ich ungefähr in der Mitte. Mein Ziel ist, die Dissertation bis Ende dieses Jahres abzuschließen.“
Fatma Abdelati: „Ich habe meinen Abschluss in Biomedizinischer Technik gemacht und meinen Master in Bioinformatik. Jetzt promoviere ich im Bereich Multi-Omics-Analyse: Ich integriere unterschiedliche Omics-Ebenen – Transkriptomik, Genomik, Metabolomik, Mikrobiomik. Ich finde das sehr wichtig, um komplexe Erkrankungen zu verstehen, besonders fatigue-bezogene Erkrankungen, die in den letzten Jahren sehr häufig geworden sind. Die Krankheit, an der ich arbeite, ist ME/CFS, und ich arbeite auch an Long COVID. Ich finde es sehr spannend, diese Krankheiten besser zu verstehen, indem ich mehrere Ebenen von Omics-Daten zusammenbringe. Ich würde sagen, ich bin noch in der Mitte meiner Promotion. Ich glaube, bei einer Promotion dauert die Grundlage sehr lange – ich vergleiche das gerne mit dem Bambusbaum: Man sieht lange nichts, aber die Wurzeln wachsen, und dann geht es plötzlich sehr schnell.“
Gab es bisher eine besonders überraschende Erkenntnis oder einen plötzlichen Aha-Moment in Ihrer Forschung?
Xiongfei Zhan: „Es gab schon einige Momente, in denen ich plötzlich eine neue Methode gefunden habe, mit der ich klar zeigen konnte, dass mein Modell falsch ist. Das ist sehr aufregend, weil ich dann mit einem neuen Modell anfangen kann, das näher an der Realität ist. Forschung braucht aber Zeit, und ich habe erst seit ein paar Monaten begonnen, deshalb bin ich noch nicht so tief drin.“
Sajjad Ahmadpoor: „Das ist mir während der Promotion schon viele Male passiert. Mein Gebiet ist relativ neu, deshalb stoße ich oft auf Muster und Zusammenhänge in Schleifdaten, die bisher kaum untersucht sind – das ist sehr spannend. Der wichtigste Moment war, als ich zum ersten Mal hochpräzise neuronale Netze entwickeln konnte, um die Oberflächenrauheit im Schleifprozess vorherzusagen. Das hat mir gezeigt, dass sich komplexe Fertigungsergebnisse tatsächlich zuverlässig aus Prozessdaten prognostizieren lassen, und es hat meine Motivation sehr gestärkt.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „In beiden Projekten hatte ich am Anfang das Gefühl, dass ich es vielleicht nicht gut genug hinbekomme. Viele der ersten Versuche funktionierten nicht – manchmal zehn Experimente hintereinander. Aber ich habe gelernt, dass man ruhig bleiben muss, weitermacht und darauf vertraut, dass sich das Problem lösen lässt. Ich bin die Chefin über das Experiment, nicht umgekehrt. Einen einzigen ‚Wow-Moment‘, den alles verändert, hatte ich bisher noch nicht, vielleicht kommt der noch. Aber ich habe gemerkt, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich am Anfang dachte.“
Blanche Schoch: „So einen klaren Aha-Moment habe ich bisher nicht erlebt. Bei mir ist es eher ein langsamer Prozess: mal Tage, an denen viel geschrieben wird, dann wieder Phasen, in denen ich Literatur suche oder an meiner Ontologie arbeite. Durch die begrenzte Zeit – ich kümmere mich nebenbei um mein Kind und habe einen Teilzeitjob –fühlt es sich oft weniger spektakulär, eher kleinteilig an.“
Fatma Abdelati: „Vielleicht war das Überraschendste für mich die Komplexität und die Größe meiner Datensätze. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich mit so einer riesigen Menge an Daten arbeiten werde – ich brauche mehr als 30, vielleicht 40 oder 50 Terabyte, besonders bei den Metagenomik-Daten. Das habe ich nicht erwartet. Gleichzeitig baut das viel Resilienz auf: Man begegnet Schwierigkeiten und findet dann doch einen Weg, sie zu lösen. Professor Kohl hat andere Forschende gefunden, die mit demselben Datentyp arbeiten, was mir viel Orientierung gegeben hat. Dafür war ich sehr dankbar.“
Wie würden Sie die tägliche Arbeit in Ihrer Forschungsgruppe beschreiben, was für Herausforderungen begegnen Ihnen dabei?
Xiongfei Zhan: „Die Atmosphäre in meiner Forschungsgruppe ist sehr entspannt, alle Kolleginnen und Kollegen sind freundlich. Die Arbeit selbst ist aber durchaus anstrengend und braucht viel Energie. Ich beginne meist um 9 Uhr und arbeite bis etwa 16 Uhr, mit einer Stunde Mittagspause. Inhaltlich bin ich noch nicht sehr tief im Thema, deshalb habe ich bisher noch nicht viele große wissenschaftliche Probleme. Persönlich ist für mich momentan der fehlende Führerschein das größte Hindernis – der öffentliche Verkehr ist hier nicht so bequem, und mit Führerschein wäre der Alltag deutlich einfacher.“
Sajjad Ahmadpoor: „Die tägliche Arbeit in meiner Gruppe ist sehr dynamisch und spannend. Ein großer Teil besteht darin, Zusammenhänge zwischen physikalischen Phänomenen in Zerspanprozessen und den Maschinendaten verschiedener Projekte zu verstehen. Gleichzeitig kann ich ständig neue KI-Werkzeuge und Methoden ausprobieren, die sich sehr schnell weiterentwickeln – und sie direkt auf reale industrielle Fragestellungen anwenden. Die größte dauerhafte Herausforderung ist für mich die deutsche Sprache: Besonders im Alltag, bei Behörden und in manchen beruflichen Situationen bleibt das anspruchsvoll, auch wenn meine Deutschkenntnisse deutlich besser geworden sind.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Was ich sehr schätze, ist die zeitliche Flexibilität. Ich kann später anfangen und dafür abends länger arbeiten oder auch zu Hause weiterarbeiten – mein Betreuer interessiert sich mehr für die Ergebnisse als für feste Uhrzeiten. So kann ich zum Beispiel Sport machen oder meine Tage so planen, wie es für mich am produktivsten ist. Im Büro sitze ich mit fünf anderen Frauen, die Stimmung ist sehr gut, und Kolleginnen helfen mir viel, gerade bei deutschen E-Mails. Die größten fachlichen Herausforderungen liegen bei mir im Bereich Bioinformatik – oft bin ich die Einzige im Institut, die an genau diesem Thema arbeitet, und muss mir vieles selbst erarbeiten.“
Blanche Schoch: „Einen richtigen ‚Alltag‘ gibt es bei mir kaum. Ich arbeite vormittags an der Dissertation, und an zwei Tagen die Woche arbeite ich zusätzlich noch in meinem Job. Das bedeutet: viel Selbstorganisation, die Promotion läuft neben Familie, Arbeit, Haushalt und Sport. Man kann nicht jeden Tag kreativ schreiben oder forschen. Die größte Herausforderung ist, das alles unter einen Hut zu bringen.“
Fatma Abdelati: „Ich genieße meine tägliche Arbeit wirklich – ich lerne gerne neue Dinge und teile Wissen mit anderen. Gleichzeitig wechsle ich ständig zwischen verschiedenen Verantwortlichkeiten: Forschung, Kodieren, Schreiben, Lehre und Familie. Was für mich sehr wichtig ist: Ich unterschätze keine Zeit. Selbst wenn ich nur fünf oder zehn Minuten frei habe, versuche ich, sehr organisiert zu sein und diese Zeit zu nutzen – zum Beispiel, um etwas zu lesen, das vielleicht genau ein Problem in meiner Forschung lösen kann. Für mich ist der Morgen ein reservierter Block, in dem ich so viel wie möglich für meine Promotion erledige. Die größten Herausforderungen im Alltag sind, dass ich ein sehr junges Kind habe, mein Mann in Vollzeit arbeitet und wir keine familiäre Unterstützung vor Ort haben. Dazu kommen die Sprachbarriere und die sehr rechenintensiven Analysen: Ich arbeite mit riesigen Datensätzen, nutze Supercomputer an der HFU und habe mir sogar zusätzliche Hardware und Festplatten angeschafft, um die Daten verarbeiten zu können.“
Was waren für Sie die größten Unterschiede im Vergleich zu Ihrer Heimatregion – beruflich und kulturell?
Xiongfei Zhan: „Der größte Unterschied war für mich klar die Sprache. Ich habe mehrere Jahre Deutsch gelernt und mich Schritt für Schritt verbessert, aber am Anfang war es sehr schwierig. Inzwischen ist es leichter, aber das war definitiv die größte Hürde.“
Sajjad Ahmadpoor: „Die größten Unterschiede betreffen die akademische Kultur, die Arbeitsstrukturen, den Kommunikationsstil und die Verwaltung. Besonders überrascht hat mich das Ausmaß an Bürokratie und die Langsamkeit mancher Verwaltungsprozesse – Entscheidungen dauern oft lange und vieles ist sehr formal. Das war für mich im Vergleich zu meinem Heimatland ein deutlicher Unterschied.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Der größte Unterschied ist für mich wirtschaftlich und in der Ausstattung der Universitäten. In Deutschland kann man mit dem Gehalt als Doktorandin relativ gut leben – in meinem Heimatland reicht selbst ein volles Gehalt oft nicht einmal für die Miete. Hier haben die Hochschulen sehr gute Geräte, man kann problemlos Material bestellen, sogar aus Japan oder Amerika. In Iran ist vieles wegen Sanktionen gar nicht verfügbar oder nur nach Monaten. Weil ich beides kenne, weiß ich sehr zu schätzen, welche Möglichkeiten ich hier habe, und ich versuche bewusst, diese Chance zu nutzen.“
Blanche Schoch: „Ich komme aus Düsseldorf und lebe seit dreizehn Jahren im Schwarzwald. Der größte Unterschied ist weniger beruflich als kulturell: Die Region hier ist ländlicher, weniger hektisch, die Natur ist sehr präsent. Gleichzeitig empfinde ich die Menschen im Süden insgesamt als etwas verschlossener als im Rheinland – in Düsseldorf ist man sehr schnell ‚beste Freunde‘, hier dauert es länger, bis sich Menschen öffnen.“
Fatma Abdelati: „Es gibt sehr viele Unterschiede und viele positive Dinge, die ich nennen könnte. Die Arbeitsumgebung hier ist sehr ermutigend, und ich bekomme viel Unterstützung – zum Beispiel bei der Beantragung spezieller Datensätze oder beim Zugang zu Hochleistungsrechnern und Cloud-Diensten. Das ist im Vergleich zu meinem Heimatland deutlich einfacher. Auch die internationale Atmosphäre ist ein großer Unterschied: Man hat Kolleginnen und Kollegen aus vielen verschiedenen Ländern. Gleichzeitig war es für mich sehr herausfordernd, als ich meine erste Stelle verloren habe und wegen des Aufenthaltsstatus dringend eine neue Arbeit brauchte. Mit meinen damals noch schwachen Deutschkenntnissen war es extrem schwer, eine passende Stelle zu finden – ich habe mich auf vielleicht 100 bis 200 Jobs beworben, und oft war die Sprache der Hauptgrund, warum es nicht geklappt hat. Das war eine schwierige Phase.“
Auf welchem Campus arbeiten Sie, und wie erleben Sie den Alltag in Ihrer Stadt?
Xiongfei Zhan: „Ich arbeite am Campus Tuttlingen, wohne aber in Villingen. Der Weg zur Arbeit dauert ungefähr eine bis eineinviertel Stunden pro Strecke mit Zug und Bus, insgesamt also fast drei Stunden am Tag. Trotzdem empfinde ich das nicht als sehr belastend: Wenn ich um 16 Uhr Feierabend mache, bin ich gegen 17.30 Uhr zu Hause und habe noch den ganzen Nachmittag und Abend. Für mich ist das Lebenstempo in Deutschland insgesamt sehr entspannt.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Ich lebe in Schwenningen und habe vorher auch in Freiburg gewohnt. Für mich ist es weniger wichtig, ob eine Stadt groß oder klein ist – wichtiger sind die Menschen, die ich dort habe. In Deutschland finde ich, sind die Unterschiede zwischen den Städten nicht so extrem wie in Iran, wo jede Stadt sich völlig anders anfühlt.“
Blanche Schoch: „Ich lebe in Mönchweiler und bin nur einen Vormittag pro Woche in Furtwangen, den Rest der Zeit arbeite ich von zu Hause. Der Alltag ist stark von der Region geprägt: viel Natur, nicht so viel Hektik wie in einer Großstadt.“
Fatma Abdelati: „Ich lebe in Schwenningen und arbeite auch dort. Ich liebe den Schwarzwald, die Natur und das Leben hier – sogar das Wetter mag ich, obwohl viele Menschen lieber das ägyptische Wetter hätten. Der Alltag ist stark von der Umgebung geprägt: viel Zeit drinnen am Computer, aber ich finde es sehr wichtig, regelmäßig rauszugehen, spazieren zu gehen und Zeit im Freien zu verbringen, besonders wenn man so viel mit Daten arbeitet.“
Wie ist Ihr soziales Leben hier – fühlen Sie sich gut eingebunden?
Xiongfei Zhan: „Meine Familie lebt nicht in Deutschland, ich bin allein gekommen. Aber ich wohne mit meiner Freundin zusammen, die auch aus China kommt. Wir sind beide in verschiedenen Vereinen und Gruppen aktiv, zum Beispiel beim Fußball, früher habe ich auch Boxen gemacht und ich spiele Instrumente. Insgesamt ist mein Leben hier sehr interessant und fühlt sich gar nicht so anders an als in meinem Heimatland.“
Sajjad Ahmadpoor: „Meine Verbindung zu Tuttlingen ist vor allem arbeitsbezogen, weil ich nicht dort wohne, deshalb ist mein soziales Leben dort begrenzt. Insgesamt bin ich aber gut integriert. Mit zunehmenden Deutschkenntnissen ist auch der Alltag deutlich leichter geworden.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Meine engsten Menschen sind hier: meine Zwillingsschwester, die ebenfalls an der HFU studiert hat, und mein Freund. Wir sind beruflich und privat gut eingebunden, ich habe Kolleginnen, mit denen ich mich gut verstehe, und Menschen, die mir bei Sprache und Formalitäten helfen. Ich bin nicht der Typ, der sehr viele Freunde direkt am Arbeitsplatz hat, aber ich habe ein stabiles Umfeld und fühle mich insgesamt sehr wohl.“
Blanche Schoch: „Mein Mann, meine Tochter, viele Freunde und die erwachsenen Kinder meines Mannes leben hier in der Nähe, mein jüngerer Bruder ist in Düsseldorf. Wir sind sportlich und in Vereinen aktiv und haben in Mönchweiler ein gut organisiertes soziales Leben. Besonders wichtig ist für mich der Austausch mit anderen Müttern – da haben wir ein sehr unterstützendes Netzwerk geschaffen.“
Fatma Abdelati: „Ja, ich habe hier ein soziales Leben. Ich habe einige deutsche Freunde und gehe auch mit Freundinnen und deren Kindern nach draußen. Ich mag die Menschen hier sehr und habe das Gefühl, dass es wichtig ist, besonders für Leute, die viel am Computer arbeiten, immer wieder rauszugehen, sich zu bewegen und andere zu treffen. Das hilft sehr, um den Kopf frei zu bekommen und motiviert zu bleiben.“
Was hat Ihnen bei der Ankunft und beim Einleben in Deutschland am meisten geholfen?
Xiongfei Zhan: „Am meisten geholfen hat mir das Buddy-Programm für Austauschstudierende. Ich hatte einen deutschen Buddy, der mit mir Englisch gesprochen hat, als ich noch kein Deutsch konnte. Er hat mir das Leben in Deutschland erklärt – was man machen kann, was man besser lässt und wie man sich hier verhält. Das war unglaublich hilfreich, und bis heute ist er einer meiner besten deutschen Freunde.“
Sajjad Ahmadpoor: „Gerade am Anfang waren die Unterstützung durch HFU und KSF sowie die Deutschkurse sehr wichtig. Die Mitarbeitenden haben mir nicht nur bei der Einschreibung und den administrativen Schritten geholfen, sondern auch bei praktischen Dingen wie Wohnungssuche und Ankommen im Alltag. Das hat den Übergang für mich deutlich erleichtert.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Für mich waren vor allem Menschen entscheidend, die Informationen mit mir geteilt haben: mein Betreuer, der mir die Möglichkeiten im Promotionsverband erklärt hat, mein Freund, der selbst im Promotionsverband ist, und Kolleginnen, die mich auf wichtige E-Mails in deutscher Sprache hingewiesen haben. Ohne diese Unterstützung wäre vieles im System für mich sehr unübersichtlich gewesen.“
Fatma Abdelati: „Am meisten geholfen hat mir mein Mann, weil er schon Deutsch konnte, als wir hierherkamen – ich war am Anfang eine absolute Anfängerin. Außerdem hatte ich sehr hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen im ersten Projekt: Sie haben mir bei vielen Dingen geholfen, zum Beispiel dabei, eine Hausärztin zu finden, sich im System zurechtzufinden oder praktische Fragen im Alltag zu klären. Diese unterstützenden Freundschaften und Kontakte haben mir den Start in Schwenningen und in Deutschland sehr erleichtert.“
Welche beruflichen Pläne haben Sie nach der Promotion?
Xiongfei Zhan: „Wenn es möglich ist, würde ich gerne als Postdoc weitermachen, im Bereich Laser-Additive Fertigung. Es gibt zum Beispiel ein Institut in Aachen, das Fraunhofer-Institut, das in diesem Bereich sehr aktiv ist – dort zu arbeiten wäre für mich sehr attraktiv, auch wenn es sehr kompetitiv ist. Wenn das nicht klappt, wäre es für mich eine sehr gute Option, als Forscher im KSF zu bleiben. Das KSF ist für mich inzwischen wie eine Familie in Deutschland.“
Sajjad Ahmadpoor: „Nach der Promotion plane ich, in die Industrie zu gehen – idealerweise in die Werkzeugmaschinen- und Zerspanungsindustrie. Wir sind hier in Baden-Württemberg im Herzen dieser Branche, eine der wichtigsten Regionen weltweit für dieses Feld. Deshalb erscheint mir dieser Weg als natürlich und sehr attraktiv, und ich kann mir gut vorstellen, noch einige Jahre in der Schwarzwald-Region zu bleiben.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Zuerst möchte ich einige Jahre in der Industrie arbeiten, auch weil das für eine Professur wichtig ist. Langfristig würde ich sehr gerne an einer Hochschule lehren – und wenn es möglich ist, wäre die HFU meine erste Wahl, weil ich hier im Master und in der Promotion sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Mir ist klar, dass der Weg in eine Professur schwer ist, besonders als Ausländerin, aber ich möchte es versuchen. Und selbst wenn es nicht klappt, kann ich mir eine gute Laufbahn in der Industrie vorstellen.“
Blanche Schoch: „Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften wäre für mich sehr interessant – deshalb nehme ich auch am Programm HAW-Karriere und an Talent-Pool-Formaten teil. Gleichzeitig habe ich Erfahrung in der freien Wirtschaft, sodass auch eine Rückkehr dorthin möglich wäre. Die Promotion soll mir vor allem die Tür zur Professur öffnen, denn ohne Doktortitel ist das heute kaum noch realistisch.“
Fatma Abdelati: „Es gibt viele Möglichkeiten in der pharmazeutischen Forschung in meinem Feld. Ich hoffe, dass mir das Wissen über verschiedene Omics – Transkriptomik, Genetik und Mikrobiom – hilft, vielleicht etwas zu finden, das wirklich einen Unterschied macht, zum Beispiel bei der Entwicklung von Medikamenten für das Chronische Fatigue-Syndrom und verwandte Erkrankungen. Ich kann mir nicht vorstellen, mit der Forschung aufzuhören. Auch wenn ich irgendwann außerhalb der klassischen akademischen Laufbahn arbeiten sollte, ist für mich klar: Die Verbindung zur Forschung ist etwas, das für meine Zukunft essenziell ist.“
Welche Tipps würden Sie (internationalen) Studierenden geben, die eine Promotion an der HFU in Erwägung ziehen?
Xiongfei Zhan: „Das wichtigste Dokument ist aus meiner Sicht das Promotionsvorhaben, also der Proposal – dafür sollte man genug Zeit einplanen. Man braucht dafür in der Regel schon eine Betreuerin oder einen Betreuer, der mit einem zusammenarbeiten möchte; bei mir hat das Schreiben des Proposals etwa drei Monate gedauert, der gesamte Prozess fast ein halbes Jahr. Ich würde empfehlen, früh Kontakt zu Professorinnen und Professoren aufzunehmen. Wer noch im Bachelor ist, kann sich für einen Master an der HFU bewerben – die Hochschule ist relativ klein, und man hat dadurch mehr Chancen, dass Professoren einen kennenlernen und später für eine Promotion in Betracht ziehen. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Webseiten des Promotionsverbands, wo es eine Liste der professoralen Betreuenden an Hochschulen gibt. Und ganz allgemein: Je besser das Deutsch ist, desto einfacher wird alles – Sprache ist der Schlüssel.“
Sajjad Ahmadpoor: „Ich würde internationalen Bewerberinnen und Bewerbern raten, sich vor der Bewerbung so gut wie möglich über die Universität, die Forschungsgruppe und laufende Projekte zu informieren. Es ist wichtig zu wissen, ob die Forschungsrichtung wirklich zum eigenen Hintergrund und zu den eigenen Interessen passt. Außerdem sollte man genau prüfen, ob die bisherigen Studienleistungen und Abschlüsse die formalen Anforderungen der HFU erfüllen – so lassen sich später viele zeitaufwändige Probleme vermeiden. Und ich würde sehr empfehlen, die Deutschkenntnisse frühzeitig aufzubauen, weil das im Alltag und im Berufsleben einen großen Unterschied macht.“
Sabasadat Seyednikkhoo: „Ich glaube, die größten Hürden für viele internationale Bewerber sind zum einen die Sprache und zum anderen ein gut aufgebauter Lebenslauf und Motivationsbrief. Viele wissen nicht, wie sie ihren CV strukturieren sollen, was wichtig ist und was sie weglassen können. Dabei können genau die Dinge, die man selbst für unwichtig hält, für eine Bewerbung sehr hilfreich sein. Außerdem würde ich raten, sich vorher genau zu überlegen, was einen in einer Promotion erwartet – manche sind enttäuscht, weil sie sich etwas ganz anderes vorgestellt haben. Es ist gut, früh mit möglichen Betreuenden zu sprechen, sich die bisherigen Arbeiten der Gruppe anzuschauen und wenn möglich mit aktuellen Promovierenden zu reden, um ein realistisches Bild zu bekommen.“
Blanche Schoch: „Mein wichtigster Rat wäre: einfach versuchen. Der schwierigste Teil ist oft die mentale Barriere – die Frage, ob man das überhaupt kann oder ‚gut genug‘ dafür ist. Formal ist der Weg gar nicht so kompliziert, wichtiger ist, dass man gut strukturiert ist, sich seiner Motivation bewusst bleibt und sich immer wieder daran erinnert, warum man diese Promotion macht. Viel planen lässt sich ohnehin nicht, weil das Leben die beste Planung immer wieder durcheinanderbringt – man sollte also flexibel bleiben und trotzdem konsequent auf sein Ziel hinarbeiten.“
Fatma Abdelati: „Ich denke, das Wichtigste ist, dass man wirklich liebt, was man tut – eine Promotion ist eine sehr lange Reise mit viel Lesen, Schreiben, Troubleshooting und Kodieren. Man braucht Geduld und sollte dem Prozess vertrauen. Internationalen Bewerbenden würde ich raten, früh Kontakt zu Professorinnen und Professoren aufzunehmen, die wirklich zum eigenen Fachgebiet passen, und regelmäßig mit der Betreuung und dem Team im Austausch zu bleiben – auch dann, wenn man das Gefühl hat, nur kleine Fortschritte gemacht zu haben. Gerade diese Gespräche können helfen, die Richtung zu korrigieren und neue Motivation zu geben. Und für alle, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich –Mütter mit kleinen Kindern – würde ich sagen: Lass dir nicht deine Träume nehmen. Man kann Familie und Promotion miteinander verbinden, wenn man seine Zeit gut strukturiert, kleine freie Momente ernst nimmt und ein System für sich selbst entwickelt. Auch fünf Minuten können etwas bewirken – ein Absatz, ein paar Zeilen Code, ein Artikel. Diese kleinen Schritte summieren sich über die Zeit zu etwas Großem.“
