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Digitalisierung: Stimmungsbarometer für den ländlichen Raum

Ergebnisbericht zur Befragung zum digitalen Wandel liegt vor

Ein Leben ohne Digitalisierung? Ohne Smartphone, Video-Streaming oder GPS? Das ist für viele kaum noch vorstellbar. Doch wie soll es weitergehen? Hat die Corona-Pandemie die Einstellung zum Digitalen verändert? Und vor allem: Fühlen sich die Menschen insbesondere im ländlichen Raum fit genug beim Umgang mit digitalen Technologien? Wie würden sich die Bürgerinnen und Bürger gerne in die Gestaltung des digitalen Wandels einbringen? Forschende an der Hochschule Furtwangen (HFU) haben sich mit diesen Fragestellungen beschäftigt und nun die Auswertung einer Befragung von über 2.600 Bürgerinnen und Bürgern aus Baden-Württemberg vorgelegt.

Das Forschungsprojekt Digitaldialog21 versteht sich als Stimmungsbarometer für die Digitalisierung. Das Projekt wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) aus Mitteln der Landesdigitalisierungsstrategie „digital@bw“ bis 2022 gefördert. Zusammen mit der Hochschule für Medien in Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sowie zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern erforscht ein interdisziplinäres Team der Hochschule Furtwangen in einem breit angelegten Dialogprozess Chancen, Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten des digitalen Wandels.

Im Teilprojekt der Hochschule Furtwangen beschäftigt sich ein Team von Forschenden unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Selke besonders mit der Zukunft der Digitalisierung im ländlichen Raum in Baden-Württemberg. Dazu wurden im Jahr 2020 in zwölf Kooperationskommunen – in Baindt, Balgheim, Ebhausen, Ehrenkirchen, Kißlegg im Allgäu, Königsfeld, Künzelsau, Lauda-Königshofen, Obersontheim, Simonswald, Unterkirnach und Zimmern ob Rottweil – Bürgerdialoge und Befragungen zum digitalen Wandel durchgeführt.

Der nun vorliegende Ergebnisbericht fasst die Erkenntnisse zusammen. Insgesamt haben 2.613 Bürgerinnen und Bürger aus den zwöf Kooperationskommunen und aus dem ländlichen Raum in Baden-Württemberg an der Befragung teilgenommen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 51 Jahren, wobei die jüngsten Befragungsteilnehmenden elf und die ältesten 88 Jahre alt waren.

Wie ist die allgemeine Einschätzung?
Die Teilnehmenden stehen der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber. Es wird jedoch auch deutlich, dass immer noch ein ausgeprägter Wunsch nach dem Erhalt von analogen, persönlichen Begegnungen besteht. Wenig überraschend, dennoch interessant: 97% der Befragungsteilnehmenden nutzen das Internet.

Die Verwendung digitaler Geräte ist vor allem vom Alter abhängig. So nutzen privat durchschnittlich in der Altersklasse unter 25 Jahren 81 % digitale Geräte pro Tag mehr als zwei Stunden, während die tägliche private Nutzung mit steigendem Alter immer weiter abnimmt. Von den über 65-Jährigen nutzt nur noch knapp jeder Dritte (30 %) digitale Geräte im Durchschnitt mehr als zwei Stunden pro Tag. Zum Zeitpunkt der Befragung hatte ungefähr jeder dritte Teilnehmende seit den Beschränkungen der Corona-Pandemie sowohl beruflich (31 %) als auch privat (33 %) mehr oder sogar deutlich mehr Zeit pro Tag mit digitalen Geräten verbracht.

Wie fit fühlen sich die Menschen?
Nur 5 % der Befragten stimmt eher oder voll zu, dass sie mit der Nutzung von digitalen Geräten und Anwendungen überfordert sind. Hier gibt es jedoch große Unterschiede in Bezug auf das Alter. In den Altersklassen der über 65-Jährigen stimmen mehr als die Hälfte der Befragten dieser Aussage eher oder voll zu. Mit rund zwei Dritteln (68 %) ist die Mehrheit der Befragungsteilnehmenden dem zunehmenden Einsatz von digitalen Geräten und Anwendungen grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt.

Wo soll mehr im Bereich Digitalisierung getan werden?
Ungefähr die Hälfte der Befragten findet, dass E-Learning, also die Nutzung digitaler Medien, grundlegender Bestandteil in allen Fächern an Schulen und Universitäten sein sollte (60 %) und ist selber daran interessiert, ihr Wissen zu digitalen Themen und im Umgang mit digitalen Geräten und Anwendungen auszubauen (48 %). Für rund die Hälfte der Befragten (51 %) wäre ein Alltag ohne Digitalisierung auch schon heute nicht mehr möglich. Demgegenüber befürchtet nur ungefähr jeder fünfte Befragte, dass die Digitalisierung den eigenen Alltag zu schnell verändert (17,7%) oder stimmt der Aussage zu, dass die Chancen der Digitalisierung überschätzt werden (21,6%). Unabhängig vom Alter sieht ein Großteil der Befragten, dass sich durch die Digitalisierung viele Herausforderungen ihrer Kommune, etwa im Bereich Mobilität, Versorgung und Bildung, lösen lassen. Hier stimmen 73 % zumindest teilweise zu.

Risiken
Große oder sehr große Risiken und Herausforderungen durch den digitalen Wandel befürchten die Befragten vor allem bei Diskriminierung und Gewalt durch Meinungsmache, Datenschutz und Sicherheit sowie die Belastung durch ständige Erreichbarkeit. Knapp die Hälfte (48 %) der Befragungsteilnehmenden fühlt sich ausreichend über den digitalen Wandel informiert, jedoch nur jeder Vierte (26 %) findet, dass er sich ausreichend an der Gestaltung des digitalen Wandels beteiligen kann. Als allgemeine Maßnahmen zur Gestaltung des digitalen Wandels wünschen sich die Befragten vor allem eine frühzeitige Behandlung im Bildungssystem und besseren Verbraucherschutz.

Wie geht es weiter?
Im Rahmen des Forschungsprojektes Digitaldialog 21 werden in den nächsten Monaten noch weitere Bürgerdialoge in den Kooperationskommunen stattfinden. Es ist zudem eine Wiederholungsbefragung für den Sommer 2021 geplant. Auf Basis der Ergebnisse sollen im Rahmen eines Bürgerforums am Ende des Jahres Handlungsempfehlungen an die Landesdigitalisierungsstrategie digital@bw erarbeitet und abgestimmt werden.

Infos
Weitere Informationen auf der Projektwebseite https://digitaldialog21.de. Hier kann unter Aktuelles auch der komplette Ergebnisbericht heruntergeladen werden und Bürgerinnen und Bürger, die sich gerne akitv einbringen möchten, können sich noch bis zum 15. August 2021 (Anmeldefrist verlängert) für das Bürgerforum zum digitalen Wandel im ländlichen Raum anmelden.