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Wie kann verhindert werden, dass Software Meinungen manipuliert?

Studierende für innovatives Semesterprojekt „I‘m not a robot“ ausgezeichnet

Wie kann verhindert werden, dass Software Meinungen manipuliert? (I1)

Foto HFU: Ehssan Jafari, Betreuerin Prof. Dr. Stefanie Betz, Lars Rothenbach, Studentin, Anna Maria Iaconeta, Hannelore Yila Ngaliema, Michael Heller Firma M&M, Group Leader System Solutions

Bei Instagram eine HFU-Party liken, die es gar nicht gibt? Das passiert, wenn Nutzer einem Fake Account glauben, der fast echt aussieht, jedoch typische Merkmale eines Social Bots aufweist. Das sind Softwareroboter bzw. -agenten, die in sozialen Medien vorkommen und sich dadurch auszeichnen, dass sie texten, liken und kommentieren, also sprachliche Fähigkeiten haben. Die Anwendungsbreite von Social Bots reicht vom Kundensupport bis hin zur gezielten Beeinflussung von politischen Prozessen. Beispielsweise wurde in den vergangenen Jahren intensiv darüber diskutiert, inwieweit die letzten US-Wahlen durch Social Bots beeinflusst wurden.

Welchen Einfluss haben Algorithmen auf die Meinungsbildung? Diese Frage untersuchten fünf Studierende des Studiengangs IT-Produktmanagement im Rahmen ihrer Projektarbeit. Für ihre Versuchsanordnung, einem Quasi-Experiment, erstellten sie zuerst ein geeignetes Social Media Profil auf Instagram, das mithilfe eines Social-Bots bedient wurde. Bei genauem Hinschauen hätten Nutzer den Fake Account am nicht CD-konformen HFU-Logo, kleinen Sprachfehlern sowie fehlender Ortsangabe erkennen können. Nach der Veröffentlichung der Einladung zur „Fake“ HFU- Party, verfolgte das Team die Nutzeraktivitäten, insbesondere die Verbreitung über Instagram, Facebook oder Jodel. Darüber hinaus erhoben die Studierenden den Wissensstand der Befragten zur Meinungsbeeinflussung durch Algorithmen mittels einer onlinegestützten Nutzerbefragung.

Die Studierenden fanden heraus, dass es zwar relativ einfach ist Fake Accounts aufzusetzen, die Social Media Anbieter diese inzwischen jedoch recht schnell erkennen und sperren. Bei der Nutzerbefragung waren die Studierenden vom Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlichem Verhalten überrascht. So war die Mehrheit der Befragten der Überzeugung gut über Fake Accounts informiert zu sein und Social Bots zu erkennen. Im Widerspruch hierzu glaubte jedoch mehr als die Hälfte der Teilnehmenden, dass die Party tatsächlich stattfinden würde. Dieses Quasi-Experiment ermöglichte den Studierenden erste Hypothesen aufzustellen, die zukünftig anhand von weitergehenden Experimenten getestet werden können.

Informatik-Studierende an der Hochschule Furtwangen wetteifern jedes Semester um den besten Platz beim Projekt-Wettbewerb. Im Wintersemester 2020 gewann das Team des Studiengangs IT-Produktmanagement, darunter vier Studierende der neuen Vertiefung Sozioinformatik. Das Projekt „I‘m not a robot“ wurde von Prof. Dr. Stefanie Betz betreut, die an der Hochschule Furtwangen seit 2018 im Schwerpunkt Sozioinformatik unterrichtet. Dieses junge, äußerst spannende Teilgebiet der Informatik, bringt Nachhaltigkeit und Softwareentwicklung zusammen. Hier geht es darum, die  Auswirkungen von Software auf das Individuum und die Gesellschaft schon beim Design zu berücksichtigen. Studierende lernen die vielfältigen Wechselwirkungen in den Blick zu nehmen und das Verhalten der Nutzer genau zu erforschen.

Bei der Prämierung am 24. Januar 2020, dem letzten Vorlesungstag im Semester, lobte Professor Dr. Stefan Betermieux diese innovative Projektarbeit. Das Gewinnerteam freute sich über den Preis von 500 €. Dieser wird alljährlich von der Firma M&M Software aus St. Georgen, einem langjährigen Industriepartner der Fakultät, gesponsert und durch Herrn Heller, Group Leader System Solutions - Things & Connectivity, überreicht.