Neue Projektideen in der Medizintechnik sind gefragt

Die Innovationspartnerschaft CoHMed der Hochschule Furtwangen wächst

Welche Fragen beschäftigen die Medizintechnik-Industrie in der Region derzeit? Für welche Produktinnovationen gibt es einen Markt und wo gibt es Möglichkeiten der Kooperation zwischen Wissenschaft und regionalen Unternehmen? Die Hochschule Furtwangen lud gemeinsam mit MedicalMountains und dem Innovations- und Forschungs-Centrum Tuttlingen der Hochschule Furtwangen zum zweiten CoHMed Ideenforum  ein. Über 30 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft nahmen am CoHMed Ideenforum teil. Anlass ist die Bewerbung um weitere vier Jahre Förderung der Partnerschaft CoHMed („Connected Health in Medical Mountains“).

Es werden innovative Konzepte und Ideen zu intelligenten, individualisierten, vernetzten Medizintechnikgeräten gesucht, die als Forschungsprojekte zwischen Hochschule Furtwangen (HFU) und regionalen Unternehmen realisiert werden können. Ziel des Ideenforums war den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern und Ansätze neuer Projektideen für die zweite Antragsphase von CoHMed zu entwickeln. Im Rahmen von Table-Sessions fanden vier verschiedene Expertengespräche statt, aus denen sich angeregte Diskussionen zwischen Teilnehmenden und Experten ergaben.

Im Themenbereich „Digitale Geschäftsmodelle“ schätzte Dr. Christoph Beck von der mdeg digital GmbH die Lage so ein: "Digitalisiert sind viele Geräte und Instrumente bereits. Wir arbeiten jetzt an der Vernetzung. Die wichtige Frage ist jedoch, wie tatsächlicher Mehrwert aus den Daten geschaffen wird." Prof. Harald Kopp, HFU, betonte, dass Mehrwert aus Sicht des Kunden darin besteht, den Umsatz zu steigern, Kosten zu senken und Qualität und Sicherheit der Instrumente zu verbessern.

Dr. Johannes Fallert, Karl Storz S.E. & Co. KG, bestätigte die Einschätzung von Herrn Beck und sprach das Problem der Haftung für Fehlfunktion bei vernetzten Geräten verschiedener Hersteller an: „Es muss ausgeschlossen sein, dass ein Gerät auf die zentrale Bedieneinheit nicht wie vorgesehen reagiert.“ Zum Themenfeld „Vernetzter OP“ ergänzte Prof. Dr. Knut Möller, HFU, dass sich aus der bidirektionalen Verknüpfung medizintechnischer Geräte im Operationssaal neue Möglichkeiten auftun, durch Datenanalyse Verbesserungen zu erzielen. So kann möglicherweise zur Entlastung der Ärzte die Dokumentation automatisiert werden, zur Verbesserung der Ressourcennutzung im OP die Länge von Operationen vorhergesagt werden oder gar die gesamte Operationstechnik verfeinert und an die individuelle Patientenphysiologie angepasst werden.

Die Referenten zum Thema "Regulatorische Strategien und Softwarelösungen", Prof. Dr. Martin Haimerl, HFU, und Marc Holfelder, LA2 GmbH, waren sich einig, dass an dieser Stelle durchaus Forschungsbedarf bestehe. So könnte künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um fehlerträchtige Schritte oder Potentiale für Effizienzsteigerung entlang des gesamten Produktlebenszyklus aufzuspüren.
In der Runde zum Thema "Miniaturisierte Elektronik für Instrumente und Diagnostik" wurden die sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten von integrierter Elektronik lebhaft diskutiert. Als Experten standen Prof. Dr. Ulrich Mescheder, HFU, Prof. Dr. Thomas Grupp, Aesculap AG, und Werner Biehl, Rafi Eltec GmbH, zur Verfügung. Die Diskussion startete mit der Aussage, dass in einem Auto heutzutage 100 Sensoren als Komponenten und 1000 Sensoren als elektronische Bauteile verbaut sind. Davon sah die Runde die medizintechnischen Geräte noch weit entfernt, wenngleich Herzschrittmacher, Cochlea-Implantate und die vor der Einführung stehende künstliche Bauchspeicheldrüse die Potentiale von miniaturisierten elektronischen Systemen aufzeigen. Prof. Mescheder nannte ein Beispiel aus CoHMed: Derzeit laufen Forschungsarbeiten zur Entwicklung und Implementierung von Sensorik in einen implantierbaren Distraktor.
Zu den diskutierten wie auch zu weiteren Themen der Medizintechnik können interessierte Unternehmen Ideen beim CoHMed-Management einreichen.

CoHMed – die Innovationspartnerschaft der HFU in der Medizintechnik
Als eine von zehn Hochschulen bundesweit wird die Hochschule Furtwangen mit ihrer Innovationspartnerschaft CoHMed im Rahmen des Programms "Starke Fachhochschulen - Impuls für die Region" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Es ist das Ziel von CoHMed, die regionalen Unternehmen bei ihren Entwicklungs-, Forschungs- und Innovationsanstrengungen für zukunftsfähige Produkte zu unterstützen. Forschungsprojekte im Bereich intelligente medizinische Instrumente, funktionelle Oberflächen und Biokompatibilität sowie neue Materialien und deren Bearbeitung sind bereits erfolgreich gestartet. Weitere Projekte im Bereich Digitalisierung von Operationen und in der Medizintechnikfertigung folgen.

Hochschule und Medizintechnik
Die Hochschule Furtwangen mit ihren Standorten Furtwangen, Schwenningen und Tuttlingen gehört zu den größten und forschungsstärksten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Medizintechnik, Medizin und Gesundheit sind seit vielen Jahren nicht nur Themen in der Lehre, sondern auch erfolgreiche und etablierte Forschungsschwerpunkte.

CoHMed – Zahlen und Fakten
Projektlaufzeit: 4 Jahre seit 2017 (erste Phase, Verlängerung um vier Jahre möglich)
Fördersumme: rund 6 Millionen Euro (erste Phase)
Netzwerkpartner: TechnologyMountains e.V., MedicalMountains GmbH, IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Hochschulcampus Tuttlingen Förderverein e.V.
Beteiligte Professorinnen und Professoren: 15
Forschungspartner aus der Industrie: 28, davon 17 KMU

Kontakt
Hochschule Furtwangen - CoHMed
Dr. Sabine Seeliger, Esther Bogdanovic
Innovations- und Forschungscentrum Tuttlingen, Katharinenstr. 2, Tuttlingen
Telefon 07461 1502-6780 und -6781
cohmed(at)hs-furtwangen.de
www.cohmed.de