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Wie Services die Industrie verändern

Jubiläumsevent 100. Chapter Meeting des AFSMI an der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen

Am 25. und 26. September 2018 stand an der Hochschule Furtwangen das Thema Services im Mittelpunkt. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland beim 100. Chapter Meeting des AFSMI zeigen, dass dieses Thema die Industrie intensiv beschäftigt. Wie können Unternehmen innovative Services entwickeln und vermarkten, welche erfolgreichen Beispiele gibt es? Welchen Beitrag können Hochschulen mit einer spezialisierten Ausbildung leisten, woran wird an der Hochschule Furtwangen derzeit geforscht? Und was genau sind Services im Zeitalter der Digitalisierung eigentlich? Diese Fragen waren die Ausgangspunkte für eine intensiv genutzte Tagung.

Im Zentrum der Jubiläumsveranstaltung des Service Manager-Verbands AFSMI, die an der Hochschule ausgerichtet wurde, stand das Thema „Sales & Service Engineering“. AFSMI steht für „Association for Services Management International“ und ist der weltweite Berufs- und Interessenverband für Führungskräfte der High-Tech-Dienstleistungsbranchen. „Die Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Furtwangen (HFU) mit dem am längsten angebotenen MBA-Studiengang in Sales & Service Engineering in Deutschland ist der passende Platz, das immer wieder aktuelle Thema der Kooperation von Verkauf- und Services-Bereichen zu diskutieren“, sagte Wilhelm Taurel von AFSMI.

Strategien produzierender Unternehmen werden, auch unter dem Einfluss von Digitalisierung und Industrie 4.0, immer stärker auf das Angebot von Lösungen, Systemen und Dienstleistungen ausgerichtet. Durch diesen Wandel und teilweise komplett veränderte Geschäftsmodelle entstehen neue Anforderungen an die Betriebe und auch die beschäftigten Experten. Die Beispiele für diese Entwicklung sind bereits zahlreich: So nutzen wir heute intelligente Dienste über das Internet und lassen uns über fällige Wartungen informieren und womöglich gleich einen Terminvorschlag geben. Smartphones vernetzen sich mit Haushaltsgeräten, der Heizungsanlage oder Maschinen, per App kann eine Diagnose durchgeführt oder ein Serviceauftrag erteilt werden. Der Trend geht zum „Nutzen statt Kaufen“. Beispiel dafür ist Carsharing oder die Nutzung von Flugzeugtriebwerken, die im Besitz des Herstellers bleiben und von ihm komplett überwacht und gewartet werden – bezahlt werden nur die genutzten Stunden. Kunden können sich im Internet per Konfigurator ihre individualisierten Produkte maßschneidern und bestellen – vom Turnschuh bis zur Produktionsanlage. „Die Bedeutung von Dienstleistungen, Lösungen und neuen Geschäftsmodellen nimmt in der Industrie deutlich zu. Damit wandeln sich klassische Berufsbilder und Unternehmen werden künftig Spezialisten in diesen Bereichen benötigen“, gab Michael Roth, Hauptbereichsleiter Services bei Endress+Hauser Messtechnik GmbH+Co.KG, eine Prognose ab.

Auf der Veranstaltung wurden Erfahrungsberichte bekannter, international operierender Industrieunternehmen mit der offiziellen Einweihung des Servicelabors der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Furtwangen kombiniert. Top-Manager wurden für diesen Termin gewonnen und stellten ihre Erfahrungen aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrt, Medizin-, Elektro- und Informationstechnik vor. In den Vorträgen wurden verschiedenartige Serviceleistungen und Vertriebsformen analysiert, die aufgrund der neuen Entwicklungen häufig überdacht und angepasst werden müssen. Diese Beiträge wurden ergänzt um einen Überblick der aktuellen, angewandten Serviceforschung, die an der HFU zusammen mit und für Industriefirmen durchgeführt wird.

Am ersten Tag des Meetings war es möglich, einen intensiven Einblick in die Aktivitäten der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen in Services zu bekommen. Die Fakultät hat einen Bachelor- und einen Masterstudiengang sowie diverse Forschungsprojekte im Bereich Services und verfügt mit dem Servicelabor über eines der größten seiner Art bundesweit. Im Labor werden beispielsweise Versuche zu praktischen Servicethemen wie Diagnose, Installation von Anlagen oder zerstörungsfreie Prüfung durchgeführt. Studierende werden dort auf Themen der Zukunft vorbereitet, beispielsweise 3D-Druck von Ersatzteilen, Industrie 4.0, Robotik in Kooperation mit Menschen und die Nutzung von Augmented und Virtual Reality. In der Forschung wird, in Kooperation mit Unternehmen und anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, an Themen im Bereich Service Innovation gearbeitet – etwa an der Frage, wie Services schon frühzeitig in der Entwicklung mit Hilfe von Prototypen erlebbar gemacht werden können.

„Auch in Services werden sich in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung tiefgreifende Veränderungen ergeben, die eine Fülle an neuen Aufgaben, neuen Wachstumsmöglichkeiten und auch Qualifikationen mit sich bringen werden. Damit ergibt sich für Schulen, Hochschulen und Unternehmen die wichtige Aufgabe, Studierende, Hochschulabsolventen und Mitarbeiter für die neuen Herausforderungen in Services auszubilden und zu qualifizieren. Ein spezieller Fokus auf Services in Studiengängen - gerade bei Wirtschaftsingenieuren - unterstützt diese Aufgabe in hohem Maße“, unterstrich Roland Noz, Senior Consultant Sales & Service bei der SICK AG.

Um die nötigen Inhalte gezielt zu vermitteln, gibt es den Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen – Service Management“ an der Hochschule Furtwangen. Hier lernen die Studierenden, innovative technologieorientierte Leistungen zu entwickeln, umzusetzen und zu vermarkten. „Dass einige Unternehmen im Servicegeschäft mit beeindruckenden Raten weit über dem Durchschnitt wachsen, zeigt welch enormes Potenzial darin liegt. Der Servicebereich bietet spannende und herausfordernde Aufgaben mit großen Chancen für die Zukunft“, machte Professor Dr. Christian van Husen von der Hochschule Furtwangen deutlich.

AFSMI

In der „Association for Services Management International“ (AFSMI) haben sich erfahrene Fachleute aus dem Bereich Service zusammengefunden, die ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben möchten. Seit über zehn Jahren engagiert sich der AFSMI in der Zusammenarbeit mit Hochschulen, die einen Service Management-Schwerpunkt haben. In zahlreichen Projekten vermittelte der Verband den erfolgreichen Transfer zwischen Industrie und Hochschulen. Er bietet für seine Mitglieder eine Plattform für den Erfahrungsaustausch, die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Forschung, den Zugang zu „Best Practice“-Wissen aus Hochschulen und Industrie, die internationale Zusammenarbeit im Service- und Solution Business sowie Chapter Meetings zu aktuellen Service Themen.