Cleandanube: dem Ziel immer näher

2.700 Kilometer langer Donau-Schwimm-Marathon – Zwischenbilanz nach sechs Wochen

Tag für Tag nähert er sich schwimmend seinem Ziel, dem Schwarzen Meer. Prof. Dr. Andreas Fath schwimmt 2.700 Kilometer – für eine plastikfreie und saubere Donau. Er ist Professor für Chemie an der Hochschule Furtwangen und ist seit dem 19. April 2022 unterwegs. Mittlerweile hat er beim Projekt Cleandanube (deutsch: saubere Donau) in sechs Wochen rund 2.000 Kilometer zurückgelegt, und noch 700 Kilometer und zwei Wochen liegen vor ihm. Für den 17. Juni ist die Ankunft am Schwarzen Meer geplant. Die Schwimmtage umfassen zwischen 40 und 60 Kilometer Strecke, meist teilt sich Fath die Tage in drei Etappen ein, eine am Vormittag und zwei am Nachmittag. Dazwischen kommt er an Bord des Begleitschiffes MS Marbach, wo es Essen gibt. Zudem dient das Schiff als schwimmendes Labor und Hotel für das Begleitteam.

Schwimmen im Dienst der Wissenschaft
Der Schwimm-Marathon der ganz besonderen Art begann in Süddeutschland und führte dann durch Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien und Serbien. Nun befindet sich der schwimmende Professor im Gebiet zwischen Rumänien und Bulgarien. Die Donau fließt durch die Hauptstädte Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad, der Fluss verbindet Staaten. Hier treffen nationale Regelungen aufeinander, die auch im Flusswasser ablesbar sind. „In Belgrad war das Wasser so schmutzig, dass ich im Stadtgebiet nicht geschwommen bin, sondern an Bord unseres Begleitschiffes war“, berichtet Andreas Fath. Serbien ist als Nicht-EU-Staat nicht an die EU-Wasserrichtlinien gebunden. Die Millionenstadt Belgrad leitet ungeklärtes Abwasser in den Fluss.

Das stundenlange Schwimmen ist anstrengend, aber nur Mittel zum Zweck. Ziel ist die Aufmerksamkeit in den Donauanrainerländern für den Umweltschutz zu erhöhen. „Der Bau von Kläranlagen, das Recycling von Plastikmüll, das sind Themen, die in manchen Ländern noch nicht weit vorangetrieben wurden“, sagt Fath. „Darauf möchten wir mit der Schwimm-Aktion aufmerksam machen.“ Lokale und nationale Medien berichten über die Aktion Cleandanube, so war Fath zum Beispiel in Belgrad Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:live Studiogast im Frühstücksfernsehen des staatlichen Fernsehsenders.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Wasserproben wird einige Zeit in Anspruch nehmen und dann ein umfangreiches Bild von der Güte des Wassers liefern. Täglich werden Wasserproben gezogen, die Wasseranalytik wird von zwei Studenten übernommen. Zudem trägt Andreas Fath sogenannte Passivsampler an den Beinen, die hunderte von Substanzen, die im Flusswasser gelöst sind, aufspüren lassen werden. Die Ergebnisse der täglich analysierten Wasserproben werden auf der Projektwebseite www.cleandanube.org veröffentlicht.

Bildungsprogramm am Fluss
Flankierend zum Schwimmen finden Workshops an Land statt, die von zwei weiteren Studierenden gehalten werden. Dabei erfahren Schulklassen oder Jugendliche viel über die Biodiversität und wie man Plastikmüll vermeiden kann. „Die Jugend muss dafür sensiblisiert werden, wie die Verschmutzung der Gewässer verhindert werden kann“, sagt Fath. Zudem wurden mit lokalen Organisationen bereits an zahlreichen Etappenzielen unterschiedliche Veranstaltungen umgesetzt. Das waren beispielsweise Ufer-Säuberungsaktionen, Vorträge oder Kanu-Fahrten.

Live und online das Projekt verfolgen
Interessierte können den Verlauf des Projekts online über die Website www.cleandanube.org und bei Facebook unter www.facebook.com/cleandanube sowie bei Instagram unter www.instagram.com/cleandanube verfolgen. In der Karte auf der Website www.cleandanube.org ist der aktuelle Aufenthaltsort des Schwimmers live verfolgbar.

Ukraine-Hilfe
Im Rahmen der Projekts sollte ursprünglich auch das Donauland Ukraine bereist werden. Aufgrund des Krieges ist das nicht möglich. Das Projekt Cleandanube unterstützt geflüchtete Kinder aus der Ukraine, indem an den Etappenorten bis Wien Sachspenden gesammelt wurden. Aus PET-Flaschen recycelte Turnbeutel wurden mit den gespendeten Materialien gefüllt und an eine Hilfsorganisation übergeben.

Starke Kooperationspartner unterstützen das transnationale Vorhaben
Andreas Fath hat im Kontext seiner Forschung zu Mikroplastik zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften und Lehrbüchern veröffentlicht. Durch seine sportliche Leistung und praxisnahe Wissensvermittlung hat er als „schwimmender Professor“ bereits in anderen Projekten Begeisterung für das Thema Gewässerschutz geweckt. Im Jahr 2014 durchschwamm er den gesamten Rhein, im Jahr 2017 den Tennessee River in den USA.

Die AWP, gegründet 2011, ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Freiburg im Breisgau. Seit 2017 initiiert sie Naturschutzprojekte im Donauraum. In den Jahren 2018 und 2019 wurden bereits zwei internationale Umweltbildungsprojekte entlang der Donau erfolgreich durchgeführt.

Die Hochschule Furtwangen ist Mitveranstalterin des Projektes und unterstützt es organisatorisch, mit einem mobilen Labor und bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Über 50 Organisationen aus den Donauanrainerländern arbeiten mit dem Projekte zusammen. Dazu zählen neben den Büros großer und bekannter Umweltschutzorganisationen auch mittlere und kleine, lokale NGOs, Universitäten, Bildungseinrichtungen, Schulen, Gemeinden und Städte sowie überregional agierende Netzwerke und öffentliche Einrichtungen. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Baden-Württemberg Stiftung und der Postcode Lotterie sowie von den Hauptsponsoren Hansgrohe, Menschen brauchen Menschen e.V. und Arburg. Zudem unterstützt die Fördergesellschaft der Hochschule Furtwangen finanziell.