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Maschinensicherheit im Spiegel von Industrie 4.0

Prof. Ulrich Weber vom Studiengang Security & Safety Engineering nimmt als Experte an Stuttgarter Veranstaltung teil

Etwa 100 Akteure aus Industrie, Verbänden und Behörden trafen sich am 15. Februar 2018 zu einer Open-Space-Konferenz in Stuttgart. Auf Initiative des Umweltministeriums und der Marktüberwachung hatte Fraunhofer (IAO und IPA) die Veranstaltung bestens organisiert. Gemeinsam mit eingeladenen Experten wurden hochaktuelle Themen der Maschinensicherheit, welche mit der Transformation zur Industrie 4.0 einhergehen, diskutiert. Nach den einführenden Worten des Landesministers für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller, stellten sich die eingeladenen Fachexperten vor. 

Prof. Ulrich Weber (Fachgebiet Sicherheitsingenieurwesen, HFU) wurde auf Grund seiner Expertise in den Fachbereichen Maschinensicherheit, funktionale Sicherheit und Methoden der Risikobeurteilung zu der Veranstaltung eingeladen. 

Die Besonderheit der Veranstaltung war, dass es keine festen Themen und kein fester Ablauf vorgegeben war. Unter der Moderation von Frau Korge (Fraunhofer IAO) begann die mit Spannung erwartete Sammlung der Themen und Fragen, die von den Teilnehmern mitgebracht und vorgestellt wurden. Hieraus wurde ein Tagesplan aus dem ersichtlich wurde, wann, wo und zu welchen Themengebieten die Diskussionsrunden stattfinden, erstellt. Die entsprechenden Fachexperten ordneten sich den Räumen/Themen zu und die Teilnehmer konnten jederzeit frei in die Diskussionen ein- und aussteigen.
Das flexible kombinieren von Maschinen, die wesentliche Veränderung von Maschinen, die Mensch Roboter Kollaboration (MRK) und die besonderen sicherheitstechnischen Anforderungen an Service-und Pflegeroboter waren Themen, bei denen sich Ulrich Weber einbrachte. Ein großes Problem stellt die flexible Verwendung von Industrierobotern dar. Zunächst einmal war zu klären, dass solche Roboter nach Maschinenrichtlinie keine vollständigen Maschinen darstellen und damit nicht CE- gekennzeichnet sind. Die abschließende Konformitätserklärung entsteht erst im Zusammenhang mit der tatsächlichen Applikation des Roboters. Hierzu muss eine entsprechende Risikobeurteilung durchgeführt werden. Da Roboter in der Industrie 4.0 ständig wechselnde Aufgaben übernehmen und unterschiedliche Erweiterungen erhalten, besteht Klärungsbedarf inwieweit diese Einsatzbreite bei der Konformitätsbewertung berücksichtigt werden kann. Es wurde deutlich, dass die fortlaufende Risikobeurteilung eine der zentralen Stellschrauben ist. Neben der Diskussion der formalen Rechtsauslegung wurden praxisnahe Vorgehensweisen und Lösungskonzepte diskutiert. Die in unterschiedlicher Tiefe stattfindende Mensch Roboter Kollaboration (MRK) stellt hierbei eine weitere Herausforderung hinsichtlich der sicheren Verwendung dar. In diesem Zusammenhang ist der Bereich der funktionalen Sicherheit bezüglich des Einsatzes steuerungsabhängiger Schutzmaßnahmen einzubeziehen. Sofern Roboter im nicht-industriellen Umfeld beispielsweise als Service-, oder Pflegeroboter eingesetzt werden, sind erweiterte Szenarien zu berücksichtigen. Großes Interesse bestand im Umgang mit Gebraucht- und Altmaschinen hinsichtlich des sich verändernden Standes der Technik. Die Diskussion, nach der Definition des Standes der Technik und inwieweit dieser im ganzen Umfang „nachzuziehen“ sei, wurde kontrovers geführt. Ein interessanter Ansatz ist, zunächst einmal zu identifizieren inwieweit der fortschreitende Stand der Technik überhaupt ein höheres Maß an Sicherheit darstellt. Auf dieser Basis wurden viele Maßnahmen genannt, mit denen das gleiche Maß an Sicherheit dargestellt werden kann, ohne eine wirtschaftlich kaum zu vertretende Nachrüstung zu fordern. Die Ergebnisse der Diskussionsrunden wurden auf Flipcharts gesammelt und werden den Teilnehmern als Tagungsband zur Verfügung gestellt. 
Hinsichtlich der Ingenieursausbildung an Hochschulen wurde von vielen Akteuren angeregt, Themen wie Risikobeurteilung und Maschinensicherheit stärker in die Ausbildung grundlegender Ingenieursdisziplinen z. B. wie Maschinenbau, Konstruktions- und Verfahrenstechnik einzubinden. 

Ansprechpartner an der HFU zum Themengebiet Sicherheitsingenieurwesen:
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Weber
Tel: 07723 920-2457
E-Mail: wbr(at)hs-furtwangen.de
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