von links: Lars Johanning, RWE; Ralph Schulenburg, Schleith; Alexander Wilke, HFU; Fiedeler, Guido, RWE; Alexander Ruoff, Deutsche Bahn; Juergen Hagedorn, BG-Prevent; Arno Weber, HFU Bild: Guido Fiedeler
Hochschule und Praxis diskutieren aktuelle Herausforderungen der Betriebssicherheit
Anfang Juli war der Fachbereich Betriebssicherheitsverordnung des Verbands für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) zu einem intensiven Erfahrungs- und Informationsaustausch an Fakultät III: Health, Medical & Life Sciences der HFU zu Gast. Die gemeinsame Veranstaltung mit Prof. Dr. Arno Weber, Professor für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, unterstrich die Bedeutung des Brückenschlags zwischen Wissenschaft, Lehre und betrieblicher Praxis im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Dialogs zwischen Hochschule und Praxis. Nach der Begrüßung erhielten die Teilnehmenden bei einer Vorstellung der Fakultät sowie einem Rundgang durch verschiedene Labore einen Eindruck von der Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte. Besonders das messtechnische Labor, das chemische Labor und das Security-Labor zeigten eindrucksvoll, über welche technischen Möglichkeiten die Studierenden im Studiengang Security & Safety Engineering verfügen. Für die Mitglieder des Fachbereichs wurde deutlich, wie praxisnah die Ausbildung an der HFU gestaltet ist und wie gut die Studierenden auf spätere berufliche Anforderungen im Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheitsmanagement vorbereitet werden.
Im anschließenden Erfahrungsaustausch diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Fragestellungen der Betriebssicherheit. Ein Thema war das Brandverhalten akkubetriebener Werkzeuge, anhand konkreter Vorfälle mit Akku-Schlagschraubern wurden mögliche Gefährdungen, Brandentstehung und Anforderungen an Lagerung, Nutzung und Notfallmanagement betrachtet. Deutlich wurde, dass die zunehmende Verbreitung leistungsstarker Lithium-Ionen-Akkus neue Herausforderungen für Arbeitsschutz und Betriebssicherheit mit sich bringt und vorausschauendes Risikomanagement wichtiger wird. Ergänzend wurden aktuelle Unfallereignisse aus Unternehmen sowie Veränderungen der Sicherheitskultur besprochen. Vorgestellte Lehrfilme und Medien zur sicheren Verwendung von Baumaschinen oder zum Be- und Entladen von Lastwagen verdeutlichten, welchen Beitrag anschauliche Kommunikations- und Lernformate zur Sensibilisierung von Beschäftigten leisten können.
Am zweiten Veranstaltungstag wurden die begonnenen Diskussionen zu Unfallanalyse und Sicherheitskultur weitergeführt. Neben Informationen zum Ausschuss für Betriebssicherheit für den neuen Berufungszeitraum und zum Stand der Arbeiten an der Arbeitsmittelbenutzungsverordnung und der Verordnung über überwachungsbedürftige Anlagen stand insbesondere die systematische Analyse von Ereignissen im Mittelpunkt. Besonders aufmerksam verfolgt wurde die Vorstellung der bei RWE angewendeten Root Cause Analysis. Der Ansatz zielt darauf, Ereignisse nicht auf individuelles Fehlverhalten zu verkürzen, sondern Ursachen in Prozessen, Organisation, technischen Systemen und Sicherheitskultur zu identifizieren. Im Vordergrund stehen Lernen und nachhaltige Verbesserung, nicht die Suche nach Schuldigen. Die strukturierte Vorgehensweise – von der Faktensammlung über die Ursachenanalyse bis zur Ableitung wirksamer Maßnahmen – stieß auf großes Interesse und führte zu einem lebendigen Austausch über bewährte Methoden der Unfalluntersuchung und Prävention. Ergänzend wurden „effiziente und zeitgemäße Unterweisungen“ diskutiert, also Wege, Beschäftigte besser zu erreichen, Lerninhalte zu verankern und Sicherheitskultur kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die gemeinsame Veranstaltung zeigte den Mehrwert der Kooperation zwischen dem VDSI und wissenschaftlichen Einrichtungen: Hochschulen profitieren von Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis, während Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Expertinnen und Experten des VDSI Impulse aus Forschung, Lehre und methodischer Herangehensweise erhalten. Gerade vor dem Hintergrund neuer Technologien und sich wandelnder Arbeitswelten leisten solche Formate einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Betriebssicherheit. Der Fachbereich Betriebssicherheitsverordnung dankte abschließend Prof. Dr. Arno Weber und der Hochschule Furtwangen für Organisation und Gastfreundschaft sowie allen Teilnehmenden für den offenen, konstruktiven Dialog – ein Austausch, der Wissenschaft und Praxis sichtbar näher zusammengebracht hat.