23.07.2026

Wenn Chemie zur Ermittlungsarbeit wird

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Die Doktorandin vor einem wissenschaftlichen Poster ihrer Arbeit.

Jessica Jung-Fittkau promoviert an der HFU und forscht daran, wie sich Kohlendioxid künftig besser binden lässt.

Präzision und jede Menge Überraschungen: Jessica Jung-Fittkau erforscht an der Hochschule Furtwangen, wie Peptide CO2 binden können

Im Labor setzt Jessica Fittkau geduldig winzige Tropfen auf einen Glasträger. Hunderte Male wiederholt sie denselben präzisen Handgriff. Jeder Punkt enthält eine andere Kombination von Aminosäuren – und vielleicht einen entscheidenden Hinweis darauf, wie sich Kohlendioxid künftig besser binden lässt.

„Chemie fühlt sich manchmal an wie die Ermittlungen einer Kommissarin,“ sagt sie. Jessica Jung-Fittkau promoviert an der Hochschule Furtwangen (HFU) und liebt die Kreativität, die ihr Fachgebiet ermöglicht. Innerhalb der naturwissenschaftlichen Regeln gebe es unzählige Möglichkeiten, so Jung-Fittkau. „Man kann sich komplett austoben.“

Dass Chemie immer wieder Überraschungen bereithält, findet die Doktorandin besonders spannend. „Man stellt eine Hypothese auf und stolpert während der Experimente plötzlich über Dinge, die man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.“ Diese unerwarteten Erkenntnisse seien oft die interessantesten Momente im Labor.

Schon als Schülerin begeisterte sich Jessica Jung-Fittkau für Chemie. Nach dem Abitur suchte sie bewusst ein interdisziplinäres Studium und begann 2016 den Bachelorstudiengang Bioprozesstechnik an der Hochschule Furtwangen. Anschließend absolvierte sie den Master Nachhaltige Bioprozesstechnologie. 
„Und dann bin ich im Chemielabor einfach hängen geblieben, “ sagt sie und lacht. Seit April 2022 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HFU. Im Rahmen des von der Vector-Stiftung geförderten Projekts „PepKatCO2“ erstellt sie über einen kombinatorischen Ansatz eine Bibliothek aus Peptiden, also kleinen Eiweißmolekülen, und untersucht, ob diese CO2 binden können. Zu diesem Thema beginnt sie ein Jahr später ihre Promotion in Kooperation mit der Universität Hohenheim.

Im Mittelpunkt ihrer Forschung im Projekt steht die Frage, wie Kohlendioxid gebunden und dann als Ressource genutzt werden kann. Vorbild sind Enzyme aus der Natur, bei denen bestimmte Aminosäuren eine entscheidende Rolle spielen. Mithilfe eines kombinatorischen Syntheseansatzes untersucht Jessica Jung-Fittkau, welche Sequenzen sich besonders gut eignen. 

Dafür hat sie die mehreren hundert unterschiedlichen Peptidsequenzen von Hand auf Glas-Slides synthetisiert. Zwar gibt es automatisierte Verfahren, doch für ihre Fragestellung stößt die Technik bislang an ihre Grenzen – da sind Präzision, Ausdauer und Handarbeit gefragt.

Betreut wird Jessica Jung-Fittkau in ihrer Forschung von Prof. Dr. Magnus Schmidt, Prodekan der Fakultät III: Health, Medical & Life Sciences - und ebenfalls leidenschaftlicher Chemiker. Gleichzeitig arbeitet sie mit Studierenden zusammen. Bachelor- und Masterarbeiten im Labor zu betreuen, macht ihr Spaß – auch, weil sie dabei miterlebt, wie andere ihre Begeisterung für Chemie entdecken.

Die Leidenschaft für ihr Fach ist an der HFU inzwischen sogar sichtbar geworden. Gemeinsam mit Prof. Schmidt hat Jung-Fittkau Peptidstrukturen als Wandtattoos in den Fluren der Hochschule angebracht – ein ungewöhnlicher Blickfang, der neugierig auf die Welt der Moleküle macht.

Außerhalb des Labors ist Jessica Jung-Fittkau vielseitig engagiert. Ihren Alltag organisiert sie sehr strukturiert, damit Forschung, Freizeit und Nebenjob unter einen Hut passen. Ihr einstiger Studi-Nebenverdienst – Altenpflege im Schwenninger Bürgerheim – ist ihr immer noch wichtig, und Ausgleich findet die begeisterte Reiterin so oft es geht bei ihrem Pferd Dori.

Mit der HFU verbindet Jessica Jung-Fittkau noch mehr als ihre wissenschaftliche Laufbahn. Hier hat sie auch ihren heutigen Ehemann kennengelernt, der ebenfalls an der Hochschule promoviert.

Für ihre Promotion steht die Wissenschaftlerin bereits auf der Zielgeraden: das zentrale Paper hat sie bereits veröffentlicht. Weitere Ergebnisse werden folgen, während sie in der Schreibphase ihre Dissertation fertigstellt. Spätestens im kommenden Jahr möchte sie die Promotion abschließen. Und trotzdem an der HFU bleiben - in einem Folgeprojekt ist bereits eine Postdoc-Stelle in Aussicht. Neue Fragen gibt es schließlich immer – und für Jessica Jung-Fittkau beginnt mit jeder beantworteten Hypothese oft schon die nächste spannende Spur.

 

HFU Doc Stories
Die neue Serie rückt den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Hochschule Furtwangen in den Fokus. Über 80 Promovierende arbeiten an der HFU an hochspannenden Forschungsprojekten und an ihrer Dissertation. Mit den HFU Doc Stories begleiten wir sie dabei.

Weitere Bilder

Jessica Jung-Fittkau im Labor
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