30.07.2026

Forschung für mehr Tierschutz

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Gruppenbild der Referierenden

Sie ordneten bei der feierlichen Eröffnung des 3R Zentrums an der HFU dessen Bedeutung ein (von links): Prof. Dr. Margareta Müller, Prof. Dr. Petra Boukamp, Prof. Dr. Monilola Olayioye, Mike Höfer, Dr. Nicole Anderle und Prof. Dr. Jan Tuckermann.

3R Zentrum an der Hochschule Furtwangen eröffnet

Die Hochschule Furtwangen ist Mitglied im renommierten 3R-Netzwerk des Landes Baden-Württemberg. Am Campus Schwenningen wurden nun das 3R-Zentrum der HFU eröffnet - dieses soll künftig als Anlaufstelle für Forschung, Lehre und Vernetzung dienen und die Entwicklung sowie den Einsatz innovativer Alternativmethoden aktiv vorantreiben. Dass die Hochschule Furtwangen als einzige Hochschule für Angewandte Wissenschaften Teil des 3R Netzwerkes wurde, ist Prof. Dr. Margareta Müller, Dekanin der Fakultät Health, Medical and Life Sciences und ihrem langjährigen Engagement in der Forschung an In-Vitro-Modellen zur Gewebesimulation zu verdanken. 

Im Namen der Hochschulleitung hieß Prof. Dr. Ulrike Salat, Prorektorin für Zusammenarbeit und Gesellschaft, die Teilnehmenden der Eröffnungsfeier herzlich willkommen. Die Biologin machte deutlich, dass die Entwicklung neuer Wirkstoffe häufig zehn bis zwanzig Jahre dauere. Bevor neue Wirkstoffe am Menschen eingesetzt werden können, müssen sie umfangreich auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. In bestimmten Bereichen seien Tierversuche derzeit noch unverzichtbar, so Salat, und gerade deshalb würden innovative Alternativmethoden zunehmend an Bedeutung gewinnen. So können beispielsweise Zellkulturmodelle oder andere moderne Testverfahren heute bereits in einzelnen Anwendungsfeldern klassische Tierversuche ersetzen. Die Aufnahme der HFU in das 3R-Netzwerk sei daher ein wichtiger Schritt für die Hochschule und ein starkes Signal für verantwortungsvolle Forschung.

Als Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg betonte Mike Höfer, dass das 3R-Netzwerk weit über den Tierschutz hinausgehe. Es sei zugleich ein Innovationsmotor für den Forschungsstandort Baden-Württemberg. Neue Ergänzungs- und Ersatzmethoden eröffneten Perspektiven für die biomedizinische Forschung und stärkten den Austausch zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Gerade in Zeiten, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend hinterfragt würden, sei auch der Dialog mit der Öffentlichkeit von großer Bedeutung. Höfer dankte der Hochschule Furtwangen für ihr Engagement und ihren Beitrag zur Weiterentwicklung moderner Forschungsmethoden.

Anschließend erläuterte Nicole Anderle von der Geschäftsstelle des 3R-Netzwerks Baden-Württemberg die Bedeutung des 3R-Prinzips, das auf den Grundsätzen Replacement (Vermeidung), Reduction (Verringerung) und Refinement (Verbesserung) basiert. Ziel ist es, Tierversuche nach Möglichkeit durch alternative Methoden zu ersetzen, ihre Zahl auf das notwendige Maß zu reduzieren und die Belastung der Tiere so gering wie möglich zu halten. Das Netzwerk vereint Universitäten, Forschungseinrichtungen und weitere Partner im Land mit dem gemeinsamen Ziel, exzellente Forschung und verantwortungsvollen Tierschutz miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung innovativer Alternativmethoden, der wissenschaftliche Austausch sowie die enge Vernetzung der beteiligten Institutionen.

Den wissenschaftlichen Teil der Eröffnungsfeier eröffnete Professorin Dr. Petra Boukamp vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg mit ihrem Vortrag „The Success Story of Human 3D Organotypic Cultures – The Human Skin Equivalents“. Sie zeigte, wie sich menschliche Haut und andere Gewebestrukturen mithilfe dreidimensionaler Zellkulturmodelle realitätsnah im Labor nachbilden lassen. Solche Modelle ermöglichen es, biologische Prozesse und die Entstehung von Tumoren genauer zu untersuchen sowie neue Therapieansätze zu erforschen – mit dem Potenzial, Tierversuche in vielen Bereichen zu ersetzen.

Im Anschluss stellte Professorin Dr. Monilola Olayioye von der Universität Stuttgart in ihrem Vortrag „Ex Vivo Tumor Slice Cultures: A Platform for Personalized Cancer Therapy“ moderne Tumorgewebemodelle vor. Diese ermöglichen es, die Wirkung unterschiedlicher Therapieansätze direkt an entnommenem Tumorgewebe zu untersuchen und könnten künftig dazu beitragen, Krebsbehandlungen stärker auf einzelne Patientinnen und Patienten zuzuschneiden.

Professor Dr. Jan Tuckermann von der Universität Ulm widmete sich in seinem Vortrag „Steroids are Central Regulators of Immune Metabolism – Lessons from the Mouse, Perspectives on NAMs?“ der Rolle von Steroidhormonen im Immunsystem. Er zeigte auf, wie Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung dazu beitragen können, neue tierfreie Methoden (New Approach Methodologies, NAMs) für die biomedizinische Forschung zu entwickeln.

Das Konzept des 3R-Zentrums an der Hochschule Furtwangen umfasst nicht nur die Forschungstätigkeiten, sondern ist interdisziplinär angesetzt und beinhaltet auch ein umfangreiches Lehr- und Transfer-Konzept. „Wir bringen an der HFU unsere Forschungsmethoden immer auch direkt in die Lehre ein“, erläutert Prof. Müller, „es ist wichtig, dass der wissenschaftliche Nachwuchs von vornherein eine Expertise in 3R entwickelt“. Darüber hinaus umfasst ihr Konzept Weiterbildungsmodule für Interessierte aus Forschung und Industrie sowie die Etablierung von Beratungs- und Serviceangeboten, so dass das Zentrum die Verbreitung von 3R-Methoden in der wissenschaftlichen und industriellen Praxis fördert. Das „3R Entwicklungs- und Transferzentrum für 3D Gewebemodelle in vitro und in silico“ wird vom Land für drei Jahre unterstützt. Neben Prof. Dr. Margareta Müller sind an der HFU auch Prof. Dr. Knut Möller, Prof. Dr. Volker Hass und Prof. Dr. Matthias Kohl eingebunden.

 

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Weitere Bilder

Nicole Anderle bei ihrem Vortrag
Petra Boukamp während ihres Vortrags
Prof. Müller bedankt sich bei Nicole Anderle
Teilnehmende im Hörsaal diskutieren
Mike Höfer während seines Grußworts
Professorin Margareta Müller während ihres Vortrags
Monilola Olayioye bei ihrem Vortrag
Professorin und Prorektorin Ulrike Salat bei ihrer Begrüßungsrede
Forschung für mehr Tierschutz (I12713)
Prof. Dr. Petra Boukamp während ihres Vortrags
Gruppenfoto aller Referenten
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