Prof. Dr. Frank Almendinger stellte das Wasserstoff-Schulungs-System (WaSS) vor
HFU präsentiert immersives Schulungssystem auf der ees Europe
Wie lässt sich Wasserstofftechnik so vermitteln, dass sie nicht nur theoretisch verstanden, sondern sicher erlebt, analysiert und weiterentwickelt werden kann? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Link öffnet sich im gleichen Fenster:Prof. Dr. Frank Allmendinger auf der ees Europe 2026 in München. Im Hydrogen Dialogue Forum präsentierte der Wissenschaftler der Hochschule Furtwangen, wie am Campus Tuttlingen reale Wasserstofftechnik, Live-Daten und virtuelle Lernräume zu einer innovativen Plattform für Lehre, Forschung, Weiterbildung und Technologietransfer verbunden werden.
Die ees Europe zählt zu den international sichtbaren Fachmessen für Energiespeicher und Energietechnik und ist Teil von The smarter E Europe. Für die Hochschule Furtwangen bot der Messeauftritt damit eine besondere Bühne, um die Aktivitäten der Arbeitsgruppe EnergieSpeicherSysteme am Link öffnet sich im gleichen Fenster:Innovations- und Forschungs-Centrum Tuttlingen (IFC) einem Fachpublikum aus Industrie, Forschung, Bildung und Energiewirtschaft vorzustellen. Im Zentrum stand das Wasserstoff-Schulungs-System (WaSS), das am IFC als Demonstrator, Lernsystem und Ausgangspunkt für weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten genutzt wird.
Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für klimaneutrale Industrieprozesse. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft hängt jedoch nicht allein von Anlagen, Infrastruktur und technologischen Innovationen ab. Entscheidend ist auch, dass Menschen diese Systeme verstehen, sicher bedienen, warten, bewerten und weiterentwickeln können. Genau hier setzt die HFU an: Das WaSS macht Wasserstofftechnik anschaulich, trainierbar und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich – von Studierenden über technische Fachkräfte bis hin zu Unternehmen, Schulen und Weiterbildungspartnern. „Unser Ziel ist es, Wasserstofftechnik nicht nur zu erklären, sondern am realen System sichtbar, sicher erlebbar und für gemeinsame Projekte anschlussfähig zu machen“, betont Prof. Dr. Frank Allmendinger.
Das System verbindet einen realen PEM-Elektrolyseur mit einer Brennstoffzelle. Wasser wird mithilfe elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, der Wasserstoff gespeichert und anschließend in der Brennstoffzelle wieder in elektrische Energie umgewandelt. Sichtfenster, Sensoren, Pumpen, Ventile und Steuerungselemente machen zentrale Prozesse der Anlage nachvollziehbar. Ergänzt wird das reale Schulungssystem durch digitale und immersive Erweiterungen: Eine XR-/VR-Anwendung macht Vorgänge sichtbar, die im Inneren der Zelle normalerweise verborgen bleiben – etwa Gasbildung, Energieflüsse, Ionentransport oder sicherheitsrelevante Abläufe.
Der besondere didaktische Mehrwert entsteht dort, wo reale Messwerte und virtuelle Darstellung zusammenkommen. Lernende arbeiten nicht nur mit einem vereinfachten Modell, sondern können Live-Daten aus der Anlage mit virtuellen Prozessdarstellungen verbinden. So entsteht ein Lern- und Demonstrationsraum, in dem Theorie, Praxis und Sicherheit ineinandergreifen. Bedienabläufe, Betriebszustände und mögliche Fehlerszenarien lassen sich nachvollziehen, ohne Gefahrensituationen künstlich erzeugen zu müssen.
Ein weiterer Entwicklungsschritt ist der WaSS Companion, ein Python-basiertes Werkzeug zur Auslesung und Visualisierung von Messdaten, dessen Entwicklung vom ehemaligen AuToS-Mitarbeiter Tobias Hauser initiiert wurde. Es bereitet Systemzustände wie Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung, Brennstoffzellenbetrieb, Kühlung und weitere Betriebsparameter verständlich auf. Perspektivisch soll das System damit nicht nur in der Lehre, sondern auch für Analyse, Monitoring und Demonstrationszwecke weiter ausgebaut werden. Ergänzend wird an einer Erweiterung mit einem Stirlingmotor am Wärmetauscher gearbeitet, um auch Fragen der Abwärmenutzung anschaulich zu machen.
Der Messeauftritt machte deutlich, wie stark die Entwicklung am Campus Tuttlingen team- und kooperationsorientiert angelegt ist. Die von Prof. Dr. Allmendinger geleitete Arbeitsgruppe EnergieSpeicherSysteme bringt die wasserstoff- und energietechnische Expertise ein. Das Labor für Ingenieurpsychologie und Human Factors (IP-/HF–Labor) unterstützt die virtuelle Erweiterung durch Expertise im Bereich Extended Reality (XR). Der Industriepartner ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH stärkt den Praxisbezug des Schulungssystems. Im Projekt AuToS SW-BW wird die Entwicklung zudem in Wissenschaftskommunikation, Technologietransfer und Qualifizierungsangebote eingebettet.
Beteiligt sind neben Prof. Dr. Allmendinger auf Seiten der Hochschule Furtwangen Link öffnet sich im gleichen Fenster:Prof. Dr. Stefan Pfeffer, die akademischen Mitarbeitenden des Projekts AuToS SW-BW Link öffnet sich im gleichen Fenster:Dimitri Schultheis und Link öffnet sich im gleichen Fenster:Victoria-Katharina Martinelli sowie die Studierenden Georg Paul Vogel und Sarah Keser. Seitens ostermeier H2ydrogen Solutions wirken Dr. Markus Ostermeier und Dr. Verena Mückenhausen mit. Gemeinsam entsteht eine Plattform, die Forschung, Lehre, Weiterbildung und industrielle Anwendung miteinander verbindet.
Für den Campus Tuttlingen ist das Projekt damit mehr als ein einzelner technischer Demonstrator. Es zeigt beispielhaft, wie die HFU Zukunftsthemen der Energie- und Industrietransformation greifbar macht: durch reale Systeme, interdisziplinäre Zusammenarbeit und offene Transferangebote. Unternehmen, Schulen, Weiterbildungspartner und Forschungseinrichtungen sind eingeladen, das Wasserstofflabor im IFC kennenzulernen, eigene Fragestellungen einzubringen und gemeinsam neue Demonstratoren, Schulungsformate oder Forschungsprojekte zu entwickeln.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, technische Bildungseinrichtungen und Partner aus der industriellen Transformation bietet das WaSS einen niedrigschwelligen Zugang zu einem komplexen Zukunftsthema. Wer Wasserstofftechnik verstehen, Fachkräfte qualifizieren oder eigene Anwendungen erproben möchte, findet am Campus Tuttlingen einen praxisnahen Ort für Austausch, Entwicklung und Kooperation.
Kontaktperson bei Kooperationsinteresse: Link öffnet sich im gleichen Fenster:Prof. Frank Allmendinger