Rudolf Hoffmann forscht für seine Dissertation an datengetriebene Fehlerbaummodelle für erklärbare Qualitätsvorhersage und Ursachenanalyse. Bild: HFU
HFU Doc Stories: Rudolf Hoffmann promoviert an der Hochschule Furtwangen – unter anderem
Die neue Serie „HFU Doc Stories“ rückt den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Hochschule Furtwangen in den Fokus. Über 80 Promovierende arbeiten an der HFU an hochspannenden Forschungsprojekten und an ihrer Dissertation. Mit den HFU Doc Stories begleiten wir sie dabei.
Analytisch und diszipliniert – so lässt sich wohl Rudolf Hoffmanns Herangehen an viele Bereiche seines Lebens umschreiben. Und davon gibt es einige. An der Hochschule Furtwangen arbeitet der 31‑Jährige an seiner Dissertation im Bereich IT. Unter dem Arbeitstitel „Learning Dynamic Fault Trees for Explainable Failure Prediction in Manufacturing Systems“ (im Deutschen: „Lernen dynamischer Fehlerbäume für erklärbare Fehlervorhersage in Fertigungssystemen“) forscht Hoffmann daran, wie die Qualitätssicherung mit Hilfe von erklärbarer Künstlicher Intelligenz verbessert werden kann.
Als Doktorand untersucht Hofmann im Forschungsprojekt „XQuality“ erklärbare KI‑Modelle, also „Explainable Artificial Intelligence“ (XAI). In „XQuality“ geht es darum, KI nicht als Blackbox zu nutzen, sondern ihre Entscheidungen in der Qualitätssicherung sichtbar und überprüfbar zu machen. In modernen Fertigungsprozessen analysieren KI‑Modelle große Datenmengen und erkennen Muster, die auf mögliche Fehler hindeuten. Erklärbare Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass diese Vorhersagen nachvollziehbar werden: Ingenieur:innen können sehen, welche Faktoren zu einer Warnung geführt haben, Fehlerursachen gezielt untersuchen und Korrekturmaßnahmen schneller einleiten. So unterstützt XAI die Einhaltung von Qualitätsstandards, reduziert Ausschuss und Ausfallzeiten und stärkt zugleich das Vertrauen in KI‑gestützte Produktionsabläufe.
Rudolf Hoffmann beschäftigt sich in seiner Arbeit vorwiegend mit Fehlerbäumen, er knobelt an Grafiken, mit denen er KI‑generierte Fehlervorhersagen darstellen kann. „So können Unternehmen Fehler in ihrer Produktion besser nachvollziehen und nachbessern“, erklärt er.
Die Fähigkeit, Systeme zu analysieren und zu verbessern, benötigt Hoffmann auch in einer weiteren Rolle, die er an der HFU einnimmt: Im Rahmen einer Halbtagsstelle arbeitet er im Team der hochschuleigenen IT‑Abteilung. „Nach meinem Studium wollte ich promovieren, und die Kombination aus Anstellung an der Hochschule und Mitarbeit in einem drittmittelgeförderten Forschungsprojekt war für mich ideal“, sagt Hoffmann. Die HFU kennt er seit 2015; hier schloss er zunächst den Bachelorstudiengang Maschinenbau und Mechatronik und im Anschluss den Masterstudiengang Mobile Systeme erfolgreich ab.
Seiner Zielstrebigkeit ist zu verdanken, dass der Wissenschaftler und IT‑Experte auch noch einer ganz besonderen weiteren Rolle in seinem Leben viel Platz einräumt: Rudolf Hoffmann ist auch Profiboxer. Als Deutscher Meister in der Halbwelterklasse hat er ein enormes Trainingsvolumen zu bewältigen. Vor seinen Arbeitszeiten an der HFU beginnt jeder Tag für ihn mit zwei Stunden Boxtraining, dasselbe gilt nach Feierabend. Erst dann findet der Leistungssportler auch noch Zeit für seine Familie – und für die Arbeit an seiner Dissertation.
„Mein besonderes Talent ist wohl Ehrgeiz“, sagt Rudolf Hoffmann, wenn er über die vielen Ziele nachdenkt, die er sich selbst setzt. So sei er aber schon immer gewesen. Mit neun Jahren wurde er als Tischtennistalent entdeckt und träumte von einer Profikarriere. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Alexander entschied er sich jedoch für einen Neuanfang im Boxsport. Die Idee dazu hatte Alexander, der ihn schließlich überzeugte, den Schläger gegen Boxhandschuhe einzutauschen. Seither sorgen die „Hoffmann Twins“ für Furore in der Branche, beide gehören zu den besten Boxern Deutschlands und wechseln sich auf Platz eins und zwei der Rangliste regelmäßig ab. Noch in diesem Jahr möchten die Brüder in Kämpfen um den europäischen Titel antreten. „Boxen ist eine Kunst“, sagt Rudolf Hoffmann über seinen Sport. Auch nach fast 20 Jahren hartem Training gebe es immer noch so viel Potenzial für Optimierung. „Der Sport ist unglaublich vielseitig. Vor allem muss man seine Willenskraft auch als Muskel begreifen“, sagt Hoffmann.
Sein besonderes Talent, der Ehrgeiz, helfe ihm auch im beruflichen und wissenschaftlichen Kontext, erklärt der Profisportler. „Der Druck beim Boxen ist härter als alles, was ich an wissenschaftlichen Problemen zu knacken habe“, lacht Hoffmann. Als selbstständiger IT‑Berater wendet er seine analytischen Fähigkeiten auch für Kunden und Unternehmen an. Und bei der Dissertation nutzt er ein bewährtes Motivationsmittel aus dem Sport: „Ich spreche es hier schon mal aus, dann habe ich mehr Druck: Ende des Jahres bin ich damit fertig.“ Kein Zweifel. Auch ein Doktortitel lässt sich mit reiner Willenskraft erringen.