(von links): Wolfgang Heitner vom Verein Pro Stolpersteine, Student Marcin Stucke, Künstler Jochen Meyder, Vereinsvorsitzender Friedrich Engelke, Prof. Dr. Ulrike Salat Prorektorin für Zusammenarbeit und Gesellschaft der HFU, HFU-Prof. Dr. Edgar Seemann und Bürgermeister Detlev Bührer
Einweihung von Gedenkstele durch Verein Pro Stolpersteine – Hochschule Furtwangen als wissenschaftliche Partnerin
Auf dem Waldfriedhof Schwenningen steht seit Kurzem die Gedenkstele „Buch des Erinnerns“. Im Rahmen einer feierlichen Einweihung hat der Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen das Projekt vorgestellt. Die Hochschule Furtwangen (HFU) unterstützte das Vorhaben insbesondere die digitale Aufbereitung sowie die Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien.
Das Buch des Erinnerns ist ein aktives Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus aus Villingen-Schwenningen. Es ist den mehr als sechshundert Menschen gewidmet, die während der NS-Gewaltherrschaft ihr Leben verloren, zum Beispiel jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, politisch und religiös Verfolgten und anderen Gruppen. Die Gedenkstele wurde vom Münsinger Künstler Jochen Meyder gestaltet. Sie befindet sich im Gräberfeld C1, nahe den Gräbern von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, deren Kindern und Opfern von Euthanasie und Konzentrationslagern. In dem Gräberfeld steht außerdem eine Gedenkwand.
In seiner Rede betonte Bürgermeister Detlev Bührer, dass mit dem Buch des Erinnerns dem Ort, der bereits auf vielfältige Weise an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert, eine weitere Ebene hinzugefügt wurde. Die Gedenkstele runde das Thema ab und lade zum Hinsehen, Nachlesen und Weitergeben von Wissen ein. „Das besondere an dem Gedenkbuch ist, dass es sich als offen versteht. Neue Erkenntnisse sollen es fortlaufend ergänzen und weiter präzisieren“, so Bührer.
Demokratie als Versprechen
Grundlage des Buches bilden die Informationen über verfolgte und deportierte Menschen aus dem Gebiet des heutigen Oberzentrums, die seit 2013 von dem Verein Pro Stolpersteine VS e.V. gesammelt wurden. Der Vereinsvorsitzende Friedrich Engelke war selbst über 30 Jahre lang an der HFU beschäftigt. Er berichtete in seiner Rede über seinen sehr persönlichen Bezug zum Thema und betonte, dass Demokratie kein Geschenk sei, das man einmal bekommt, sondern ein Versprechen. „Jede und jeder muss sich alltäglich dafür einsetzen“, sagte Engelke. Er forderte die Anwesenden auf, hinzusehen, den Mund aufzumachen und aktiv zu werden und schloss seinen Beitrag mit einer Schweigeminute.
Die Gedenkstele umfasst das ausliegende Buch, das von einer digitalen Datenbank mit zahlreichen Biografien ergänzt wird. Die Datenbank kann einfach über QR-Codes auf den Buchseiten erreicht werden. Für die Umsetzung waren HFU-Prof. Dr. Edgar Seemann und Student Marcin Stucke verantwortlich.
Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Fortschreibung des Gedenkbuchs mitzuwirken – etwa durch Hinweise auf weitere Schicksale oder das Einbringen von Dokumenten und Zeugnissen. Zur Datenbank „Buch des Erinnerns“: Externer Link wird in neuem Fenster geöffnet:https://buch-des-erinnerns.villingen-schwenningen.de/bde/