26.05.2026

Präzisionsweinbau am Oberrhein: INTERREG-Projekt „VitiSense“ startet mit innovativer Sensorforschung

zu Aktuelles
Eine Gruppe von Männern und Frauen, die vor einem Gebäude in Straßburg stehen

Projektpartner beim Kick-Off Treffen in Straßburg

Das INTERREG-Projekt VitiSense entwickelt intelligente Sensorsysteme für einen nachhaltigeren und präziseren Weinbau am Oberrhein.

Mit einem gemeinsamen Kick-off in Straßburg ist im März 2026 offiziell das INTERREG-Projekt „VitiSense“ gestartet. Forschende, Technologiepartner und Vertreterinnen und Vertreter aus dem Weinbausektor kamen zusammen, um den Auftakt für ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt zu markieren, das den Weinbau am Oberrhein nachhaltiger und datengetriebener gestalten soll.

Beteiligt an dem Projekt sind die Hochschule Furtwangen (HFU), die Universität Straßburg sowie die Unternehmen RS2D und ML&S. Gemeinsam bündeln die Partner Kompetenzen aus Ingenieurwissenschaften, Sensorik, Datenanalyse und angewandter Forschung, um innovative Technologien für den Weinbau der Zukunft zu entwickeln.

Im Zentrum von VitiSense steht die Entwicklung intelligenter, nicht-invasiver Sensorsysteme für den Präzisionsweinbau. Ziel ist es, den Gesundheitszustand von Reben möglichst frühzeitig und präzise zu erfassen – noch bevor sichtbare Schäden auftreten. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Klimabelastungen, längerer Trockenperioden und neuer Pflanzenkrankheiten gewinnt eine kontinuierliche Zustandsüberwachung im Weinbau zunehmend an Bedeutung.

Hightech für den Weinberg

Das Projekt kombiniert zwei technologische Ansätze, die bislang vor allem aus der medizinischen Diagnostik beziehungsweise der Materialanalyse bekannt sind. Einer der Forschungsschwerpunkte ist die Entwicklung eines tragbaren Niederfeld-MRT-Systems zur Untersuchung des Rebholz-Stamms. Anders als klassische Magnetresonanztomographen soll das mobile System direkt im Weinberg eingesetzt werden können. Ziel ist es, Veränderungen im Wasserhaushalt oder strukturelle Schäden im Inneren der Rebe sichtbar zu machen, ohne die Pflanze zu beschädigen.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch optische Sensorsysteme zur Analyse von Weinblättern. Dabei kommen unter anderem spektroskopische Verfahren sowie zeitaufgelöste Fluoreszenzmessungen zum Einsatz. Diese Methoden ermöglichen Rückschlüsse auf physiologische Prozesse der Pflanze, etwa auf Nährstoffversorgung, Trockenstress oder erste Anzeichen von Krankheiten. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, biochemische Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien zu erkennen – lange bevor sie für das menschliche Auge sichtbar werden.

Digitalisierung trifft Nachhaltigkeit

Das Projekt reiht sich in die Entwicklung des sogenannten Precision Farming ein, bei dem landwirtschaftliche Prozesse mithilfe digitaler Technologien effizienter und ressourcenschonender gestaltet werden. Während im Ackerbau bereits seit Jahren Sensornetzwerke, Drohnen und KI-gestützte Analysen eingesetzt werden, steckt der hochpräzise Einsatz solcher Technologien im Weinbau vielerorts noch in den Anfängen.

VitiSense verfolgt deshalb einen interdisziplinären Ansatz: Ingenieurwissenschaften, Data Science und Agrarwissenschaften arbeiten eng zusammen, um robuste Systeme für reale Einsatzbedingungen zu entwickeln. Die im Projekt erhobenen Daten könnten künftig nicht nur lokal auf mobilen Geräten ausgewertet, sondern auch in digitale Entscheidungsplattformen integriert werden. So ließen sich Bewässerung, Pflanzenschutz oder Erntezeitpunkte gezielter steuern.

Relevanz für die Weinregion Oberrhein

Die Oberrheinregion zählt zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Europas und ist gleichzeitig besonders stark von klimatischen Veränderungen betroffen. Hitzeperioden, neue Schädlinge und unregelmäßige Niederschläge stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Frühwarnsysteme wie jene aus dem VitiSense-Projekt könnten Winzerinnen und Winzern künftig helfen, schneller und gezielter auf Stresssituationen zu reagieren und gleichzeitig den Einsatz von Wasser und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

Darüber hinaus zeigt das Projekt exemplarisch, wie europäische Forschungsförderung regionale Innovationsnetzwerke stärken kann. INTERREG-Projekte verfolgen das Ziel, grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Europas zu fördern – in diesem Fall zwischen Forschungseinrichtungen und Praxispartnern aus Deutschland und Frankreich.

Mit dem offiziellen Projektstart in Straßburg beginnt nun die mehrjährige Forschungs- und Entwicklungsphase. Die beteiligten Partner hoffen, dass die entwickelten Technologien langfristig einen Beitrag zu einem resilienteren und nachhaltigeren Weinbau leisten können – und den Weg für eine neue Generation intelligenter Agrarsensorik ebnen.

Für weitere Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an: Link öffnet sich im gleichen Fenster:Prof. Dr. Volker Bucher (Projektleiter)

Weitere Bilder

Eine Gruppe von Männern und Frauen, die um einen Konferenztisch sitzen
Präzisionsweinbau am Oberrhein: INTERREG-Projekt „VitiSense“ startet mit innovativer Sensorforschung (I12300)
Präzisionsweinbau am Oberrhein: INTERREG-Projekt „VitiSense“ startet mit innovativer Sensorforschung (I12301)
zum Seitenanfang springen