06.05.2026

Wald tut gut – und macht Sorgen

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Drei Personen sitzen auf einer Bank im Grünen

Das Projektteam „Wald-Klima-Emotionen“: Prof. Dr. Nicole Weydmann, Charlotte Pfahler und Christina Weber (von links).

Forschungsprojekt an der Hochschule Furtwangen kartiert waldpädagogische Angebote im Wald und entwickelt naturbasierte Interventionen für mentale Gesundheit und Klimasorgen

Der Wald tut dem Menschen gut. Soweit, so klar. Schließlich werden im Land Baden-Württemberg rund 200.000 Kinder jährlich zum Beispiel in Waldkindergärten oder Waldschulheimen ins Grüne gebracht. Was für die Entwicklung bei Kindern und deren Verständnis für die Natur funktioniert, gilt im Erwachsenenalter ebenso: In Deutschland gibt es ausgewiesene Kur- und Heilwälder, und andere naturbasierte Interventionen im Wald, wie etwa Waldbaden, werden immer beliebter. Umso erstaunlicher, dass die beiden Bereiche – Waldpädagogik und Gesundheitswissenschaft – bislang nur wenig miteinander im Austausch stehen.

Hier setzt das Projekt „Wald-Klima-Emotionen“ an, das an der Hochschule Furtwangen von Prof. Dr. Nicole Weydmann geleitet wird und in Kooperation mit dem Dialogforum „Miteinander Wald Erleben“ der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg konzipiert wurde. „Klimaemotionen, also die Gefühle, die entstehen angesichts der Schäden, die der Klimawandel für den Wald und somit auch für uns bedeutet, sind bei Erwachsenen wie Kindern ein großes Thema“, sagt die Professorin, die zu diesem Thema bereits in einem Forschungsprojekt künstlerische Zugänge mit Klimaemotionen vereinte. Nun will sie mit ihrem Team untersuchen, inwieweit die Bereiche Pädagogik und psychische Gesundheit in Bezug auf Wald verknüpft sind oder werden könnten. 

„Im Land Baden-Württemberg gibt es 80 ausgebildete Waldpädagoginnen und Waldpädagogen“, sagt Weydmann. „Bei deren Ausbildung wird die gesundheitliche Perspektive aber noch nicht wirklich berücksichtigt.“ Umgekehrt werden auch Therapeutinnen und Therapeuten nicht mit den Konzepten der Waldpädagogik vertraut gemacht. Mit ihrem Forschungsteam dokumentiert Professorin Weydmann zunächst diese „Lücke“: Sie kartografiert, welche Angebote und Konzepte bereits bestehen, welche therapeutischen Ansätze es gibt und welche Schlüsselakteurinnen und -akteure damit zu tun haben.

Weydmanns Forschungsteam an der HFU besteht aus zwei Mitarbeiterinnen, die perfekt zum Projektansatz passen: Charlotte Pfahler arbeitet neben ihrer Tätigkeit an der Hochschule seit zwei Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der FVA in Freiburg. Ihre Masterarbeit schrieb die Soziologin zum Thema „Klimasorge“ und untersuchte dort unter anderem, was Menschen dazu bewegt, sich bürgerschaftlich zu engagieren. Pfahler ist die Schnittstelle zur FVA und plant, das Projekt Wald-Klima-Emotionen auch mit den Ergebnissen des Mensch-Wald-Monitors (die laufende Bevölkerungsbefragung der FVA zur Wahrnehmung von Wald und Waldwirtschaft mit Vertiefungsstudie zu Klima- und Transformationsemotionen) zu verknüpfen. 

Christina Weber ist als Physiotherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin der Bereich Prävention besonders wichtig; in ihrer Thesis zum Thema der Klimaemotion wertete sie Einschätzungen von Waldbesitzenden und Waldarbeitern im Hochschwarzwald aus. „Mich interessiert, inwiefern waldpädagogische Konzepte das Thema mentale Gesundheit bereits aufgreifen, ob es so etwas überhaupt schon gibt“, sagt Weber.

Das Projekt soll im ersten Jahr das „Mapping“ des Themas abbilden. Bei der systematischen Bestandsaufnahme arbeitet das Team eng mit dem Regierungspräsidium Freiburg sowie dem Haus des Waldes in Stuttgart zusammen. „Wir werden unsere Erkenntnisse im Sommer präsentieren und hoffen dann, dass wir weiterführend mit zwei Promotionsstellen ins Feld gehen können“, sagt Nicole Weydmann. In weiteren drei bis vier Jahren könnten so auf Basis bestehender Konzepte Formate entwickelt und erprobt werden, die Klimaemotionen erlebbar und besprechbar machen. Nicole Weydmann: „Wir möchten Räume entstehen lassen, in denen Klimasorgen nicht länger sprachlos machen, sondern in konkrete Handlungsfähigkeit verwandelt werden können.“

 

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