27.04.2026

„Wie kann man Wissen optimal vermitteln?“

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Symbolbild: Prof. Dr. Ullrich Dittler lächelt hinter einem Bücherstapel hervor

„Profs im Portrait“: Prof. Dr. Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen über E-Learning und den Blick in die Sterne

Auf welchen Wegen lässt sich Wissen am besten vermitteln? Welche Medien und welche didaktischen Modelle eignen sich dafür? Diese Fragen beschäftigen Prof. Dr. Ullrich Dittler, der an der Hochschule Furtwangen (HFU) als Professor für Interaktive Medien unter anderem die Fächer „E-Learning“ und „Medienpsychologie“ lehrt. „Angefangen hat meine Begeisterung für das Thema Wissen während meines Pädagogikstudiums mit Schwerpunkt Psychologie und Soziologie. In einem Forschungsprojekt der Uni München in Kooperation mit einer Münchner Großbank habe ich mich zum ersten Mal mit der Entwicklung von E-Learning beschäftigt“, erinnert sich Dittler. 

Damals studierte Dittler in der bayrischen Landeshauptstadt und hatte neben dem Job als Studentische Hilfskraft in dem Kooperationsprojekt auch einen Nebenjob bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). „Einmal im Monat flog ich von München nach Berlin und beurteilte gemeinsam mit anderen Medienpädagogen einen ganzen Tag lang Videospiele. Dabei ging es um die Frage, welche Altersfreigabe einzelne Titel bekommen. Für meine Magisterarbeit habe ich mich dann auch mit Computerspielen beschäftigt, das bot sich einfach an, weil ich mich als Pädagoge mehr mit modernen Medien als mit historischer Pädagogik beschäftigen wollte“, erzählt Dittler. Er wählte den Titel „Software statt Teddybär“ für seine Abschlussarbeit und beschäftigte sich damit, ob sich Elemente aus Videospielen auch zur Wissensvermittlung eignen und in Lernprogramme übertragen lassen. „Heute gibt es dafür den Begriff ‚Gamification, damals was das Thema so neu, dass ein Verlag für eine Veröffentlichung auf mich zukam“, berichtet Dittler. Daraus entstand sein erstes Buch, das zweite folgte umgehend: „Während meiner Zeit bei der USK habe ich regelmäßig Artikel über Computerspiele und Jugendschutz geschrieben, das waren dann so viele, dass auch sie als Buch veröffentlicht wurden. Aktiv war ich auch im Vorstand der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft und habe lange Jahre deren Buchreihe mitverantwortet, die sich mit den Erkenntnissen im stetig wachsenden Bereich des E-Learnings beschäftigt“, erzählt Dittler. Dass diese Buchreihe bis heute ein Erfolg ist, zeigt das Regal hinter dem Professor, in dem sich Dutzende Ausgaben aneinanderreihen. 

Nach seinem Studium leitete Dittler die Abteilung für E-Learning bei der Bank in München. „Mein Tätigkeitsfeld wuchs, als es zur Fusion zweier Banken kam und Schulungen und Weiterbildungen für bis zu 20.000 Bankmitarbeitende angeboten werden mussten. Das konnte nicht alles in Seminarhotels und Schulungsräumen stattfinden. Zur Abdeckung dieses immensen Schulungsbedarfs entwickelte meine Abteilung verschiedene computergestützte Lernanwendungen“, sagt Dittler. „Im Rahmen dieser Tätigkeit absolvierte ich auch den Online-Kurs ‚Experte für neue Lerntechnologien‘ der damaligen Tele-Akademie der HFU. Teil dieses Weiterbildungsangebots war auch ein Besuch am Standort im Schwarzwald. Das war mein erster Berührungspunkt mit Furtwangen und der Hochschule“.    

Dementsprechend interessiert war Dittler, als er im Jahr 2000 die Stelle als Professor für Interaktive Medien an der HFU entdeckte. „Furtwangen kannte ich ja schon und der Wechsel von einem Finanzdienstleiter an die Hochschule bot mir viele neue Möglichkeiten. Die grundsätzliche Frage ‚Wie kann man Wissen optimal vermitteln?‘ blieb dabei aber die gleiche“, erklärt Dittler. 
Lange war Dittler neben der Lehre in der Leitung des Informations- und Medienzentrums der HFU involviert, während der Corona-Pandemie übernahm er die neu eingerichtete Koordinierungsstelle für digitales Lehren und Lernen (KDLL). „Pandemiebedingt musste die Hochschullehre praktisch über Nacht digital werden: Alle Lehrenden mussten alle Veranstaltungen für alle Studierenden auf digitale Lehre umstellen. Das war eine große Herausforderung, die nur bewältigt werden konnte, da zahlreiche Mitarbeitende sich sehr stark engagiert haben“, erinnert er sich. Inzwischen leitet er das Zentrum für Lehren und Lernen (ZLL). „Im ZLL beschäftigen wir uns damit, wie Wissensvermittlung an der HFU verbessert werden kann und wie Lehrende und Studierende dabei unterstützt werden können.“

Während Dittler als Wissenschaftler immer ein Auge auf die Zukunft hat, schaut er für sein Hobby tausende Jahre in die Vergangenheit. Für die Astrofotografie hat er sogar eine eigene Sternwarte in seinem Garten. „In Furtwangen haben wir wenig Lichtverschmutzung und liegen auch sehr hoch – das sind ideale Bedingungen für die Astrofotografie. Es setzt alles in eine neue Perspektive, wenn man weiß, dass das Licht, das man gerade sieht, tausende von Jahren unterwegs war. Deepsky-Fotografie ist zwar die Königsdisziplin der Astrofotografie, aber gerne fotografiere ich auch die Sonne in verschiedenen Wellenlängen. Das geht deutlich schneller als die meist mehrere Stunden dauernde Deepsky-Fotografie. Man kann schon in einer Mittagspause schöne Aufnahmen machen, die die sich täglich verändernde Ansicht der Sonne dokumentieren“, schwärmt Dittler. Sein Spezialwissen gibt Dittler auch im Wahlpflichtmodul Astrofotografie an interessierte Studierende weiter. Außerdem veröffentlicht er seit über 20 Jahren Artikel zu Astrofotografie und Astrofoto-Equipment in einer Fachzeitschrift. Wenig überraschend sagt er: „Die zahlreichen Artikel habe ich dann vor ein paar Jahren für ein Buch aufbereitet, das der Verlag als ‚umfangreichstes deutschsprachiges Werk zu Astrofotografie‘ bezeichnet – das ist ein ziemlicher Schinken“. 

Mittlerweile ist Professor Dittler Autor und Herausgeber von 26 Büchern, zu verschiedenen Aspekten des E-Learning, der Hochschuldidaktik, zu medienpsychologischen Themen, sowie zu Astro- und auch Sonnenfotografie. Sein neuestes Werk befasst sich mit den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Hochschulentwicklung, ein weiteres Buch befindet sich auf der Zielgeraden und wird Ende des Sommers erscheinen.

„Mich beschäftigt immer wieder die Frage, wie man Wissen zeitgemäß an bestimmte Zielgruppen vermitteln kann. Es ist wichtig das Thema immer wieder neu zu betrachten, denn bereits eine fünf Jahre alte Technologie kann für Jugendliche uralt wirken“, erläutert Dittler. Besonders freut sich der Medienprofi daher darüber, dass seit Anfang 2025 die Geschäftsstelle für „The Bländed Learning“ an der Hochschule Furtwangen angesiedelt ist. In diesem Projekt werden von der HFU aus flexible, neue Lern- und Studiengangsformate an neun Hochschulen in ganz Baden-Württemberg koordiniert. „Gemeinsam mit der Hochschule Aalen bieten wir in diesem Rahmen den Blended-Learning-Studiengang Human-Centered Design an. Die Herausforderung dabei ist es, mit technischen Trends in der Lebenswelt unserer Zielgruppe mitzuhalten. Trends die wir selbst nicht beeinflussen, auf die wir aber gegebenenfalls reagieren können, um sie zur Unterstützung der Wissensvermittlung einzusetzen“, fasst Dittler zusammen. Diese spannende Entwicklung möchte er unbedingt weiterverfolgen – vermutlich plant er schon sein nächstes Buch dazu. 

Profs im Portrait: 

In dieser Serie stellen wir die renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die an der Hochschule Furtwangen lehren und forschen. Die HFU ist eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften; deshalb verfügen Professorinnen und Professoren über langjährige Erfahrung aus der Praxis. Die spannenden Lebens- und Berufsgeschichten stellen wir in loser Reihenfolge vor. 

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