17.04.2026

Wissen über Grenzen hinweg

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Portraitbild Prof. Azarhoushang

Prof. Dr.-Ing. Bahman Azarhoushang

Profs im Porträt: Prof. Dr.-Ing. Bahman Azarhoushang setzt auf Vernetzung und internationalen Austausch

In der Fertigungshalle des KSF, dem Institute for Advanced Manufacturing der Hochschule Furtwangen, steht die Bearbeitung von Oberflächen bis in den Nanobereich im Mittelpunkt. Der hochmoderne Maschinenpark aus Präzisionsmaschinen und Messsystemen bildet die Grundlage für die Forschung von Prof. Dr.-Ing. Bahman Azarhoushang. Hier verfolgt er ein klares Ziel: Wissen über Disziplinen und Ländergrenzen hinweg zu vernetzen.

Seine Laufbahn führte ihn von einem technikbegeisterten Studenten zum Institutsleiter mit internationaler Ausrichtung. Heute verbindet er Wissenschaft, Industrie und globale Kooperationen. Am KSF am Standort Tuttlingen arbeitet er mit einem Team aus rund 30 Forschenden sowie etwa 20 Studierenden an Themen wie Präzisionstechnik, fortschrittlichen Fertigungsverfahren, Digitalisierung und nachhaltiger Produktion. Ziel ist es, Forschung in konkrete industrielle Anwendungen zu überführen.

Schon früh interessierte er sich dafür, wie Dinge entstehen und wie komplexe Anlagen und Maschinen funktionieren. Er betrachtete Maschinen, Werkstoffe und Prozesse als komplexe Systeme, die es zu analysieren und weiterzuentwickeln galt. Während seines Ingenieurstudiums sammelte er parallel praktische Industrieerfahrung und entdeckte seine Begeisterung für Fertigungstechnologien. Nach Bachelor und Master entschied er sich für eine Promotion an der Universität Stuttgart mit Spezialisierung auf Schleiftechnologie.

Nach der Promotion erhielt er Angebote von mehreren Großunternehmen entschied sich jedoch bewusst für ein mittelständisches Unternehmen. Bei Bärhausen übernahm er die Leitung von Forschung, Entwicklung und Anwendung. In dieser Rolle betreute er weltweit industrielle Anwendungen, besuchte zahlreiche Unternehmen und optimierte Fertigungsprozesse. Diese Zeit prägte sein Verständnis für industrielle Anforderungen und stärkte sein internationales Netzwerk.

2013 folgte er dem Ruf an die Hochschule Furtwangen und übernahm die Professur für Fertigungstechnik sowie die Leitung des KSF. „Mich hat die Möglichkeit gereizt, Forschung und Lehre zu kombinieren: Einerseits meine Erfahrungen an junge Studierende weiterzugeben, andererseits mich in den Bereichen, die ich besonders spannend finde, weiter zu vertiefen. Die Rolle bietet dabei die Freiheit, eigene Schwerpunkte in Forschung und Lehre zu setzen.“

Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Zerspanung, Schleiftechnologie und Erodieren sowie in modernen Fertigungssystemen wie der Laserbearbeitung, der additiven Fertigung und der datengetriebenen Produktion. Dabei steht nicht nur das Verständnis der Prozesse im Vordergrund, sondern deren gezielte Weiterentwicklung und Optimierung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration mehrerer Verfahren sowie der Entwicklung hybrider Fertigungsprozesse, die Produktivitätssteigerungen ermöglichen und neue Potenziale in der Fertigung erschließen. „Ich war immer überzeugt, dass Forschung nicht im Labor bleiben darf“, sagt er. „Sie muss einen konkreten Mehrwert schaffen – insbesondere für Industrie und Gesellschaft.“

Diese Haltung prägt auch die Arbeit am KSF. Unter Azarhoushangs Leitung hat sich das Institut zu einem renommierten Forschungsinstitut entwickelt. Gemeinsam mit Industriepartnern – vom regionalen Mittelstand bis hin zu international agierenden Unternehmen – arbeitet das Team an Lösungen für reale Herausforderungen in der Produktion: mehr Effizienz, höhere Nachhaltigkeit und bessere Produktqualität.

„Derzeit entwickeln wir zum Beispiel mit unserem Projekt ‚Recapture‘ eine neue Technologie, mit der CO₂ aus Industrieabgasen – etwa aus Kraftwerken – in nützliche Rohstoffe umgewandelt werden kann“, berichtet Bahman Azarhoushang.  Durch die Vorteile der additiven Fertigung können dabei spezialisierte Filtersysteme mit komplexen Geometrien effizient hergestellt und gezielt an unterschiedliche industrielle Anwendungen angepasst werden. Ziel ist es, industrielle Prozesse klimafreundlicher zu gestalten.

Neben der Forschung engagiert sich Azarhoushang auch auf nationaler Ebene: Anfang des Jahres wurde er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den Deutschen Wissenschaftsrat berufen. Internationale Zusammenarbeit spielt in seiner Arbeit eine zentrale Rolle. Durch die Lage der Hochschule Furtwangen im Dreiländereck bestehen enge Kooperationen mit Partnern in Frankreich und der Schweiz. In der trinationalen Innovationspartnerschaft KTUR² arbeitet er gemeinsam mit internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen an Zukunftsthemen. Themen wie nachhaltige Präzisionsfertigung, Digitalisierung und neue Werkstoffe lassen sich nur im starken Austausch über Grenzen hinweg weiterentwickeln“, ist Azarhoushang überzeugt. Seine Mission ist deshalb klar: Türen öffnen, zwischen Disziplinen, zwischen Industrie und Wissenschaft und vor allem zwischen Ländern.

 

Profs im Portrait: 

In dieser Serie stellen wir die renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die an der Hochschule Furtwangen lehren und forschen. Die HFU ist eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften; deshalb verfügen Professorinnen und Professoren über langjährige Erfahrung aus der Praxis. Die spannenden Lebens- und Berufsgeschichten stellen wir in loser Reihenfolge vor. 

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