Referent Dr. Tobias Wolfram von KLS Martin referierte am Campus Tuttlingen zu neuen Implantatsystemen. CoHMed-Sprecher Prof. Dr. Hadi Mozaffari (Bild unten) begrüßte die zahlreichen Gäste aus Unternehmen und Hochschule, die interessiert über die Zukunftspotenziale in der Materialforschung diskutierten.
Innovative Biomaterialien in der Medizintechnik: Fachvortrag am Campus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen
Innovative Materialien für medizinische Implantate standen im Mittelpunkt eines Fachvortrags am Campus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen. Die Veranstaltung fand auf Einladung der Innovations- und Transferpartnerschaft CoHMed statt, die regelmäßig Veranstaltungen für Unternehmen und Forschende der Medizintechnik organisiert.
CoHMed-Sprecher Professor Dr. Hadi Mozaffari begrüßte die zahlreichen Gäste aus Industrie und Wissenschaft herzlich: „Unsere Veranstaltungen sollen eine Plattform schaffen, auf der aktuelle Entwicklungen der Medizintechnik gemeinsam diskutiert werden können“, sagte er. „Gerade bei neuen Materialien ist der Austausch zwischen Forschung und industrieller Praxis besonders wichtig.“
Als Referent war Dr. Tobias Wolfram, Forschungsleiter des Medizintechnikunternehmens KLS Martin Group, zu Gast. In seinem Vortrag gab er einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich biologisch abbaubarer Implantate und der Materialien, aus denen diese gefertigt werden können.
Implantate, die sich nach erfüllter Funktion im Körper abbauen, sind in der medizinischen Forschung kein völlig neues Konzept. Erste Systeme werden bereits seit mehreren Jahrzehnten entwickelt und eingesetzt. Dennoch befinden sich viele dieser Technologien weiterhin in spezialisierten Anwendungen und gelten bislang eher als Nischenlösungen innerhalb der Implantattechnik. Für bioresorbierbare Implantate kommen verschiedene Materialklassen infrage – darunter Polymere, Metalle und keramische Werkstoffe. Auch magnesiumbasierte Implantate weisen mechanische Eigenschaften auf, die dem natürlichen Knochen vergleichsweise nahekommen und die sich im Körper kontrolliert abbauen können.
Anhand mehrerer Kooperationsprojekte stellte Dr. Wolfram den aktuellen Stand biodegradierbarer und bioresorbierbarer Implantatsysteme vor. Beispiele aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie verdeutlichten dabei die besonderen Anforderungen der Implantattechnik, etwa bei der zuverlässigen Fixierung oder der Anpassung an komplexe anatomische Strukturen.
Von KLS Martin beforscht werden auch neue Materialkonzepte wie faserverstärkte Implantatsysteme. Hier werden spezielle Fasertechnologien genutzt, um mechanische Stabilität und biologische Funktion miteinander zu kombinieren. „Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die Materialeigenschaften eines Implantats optimal mit biologischen Prozessen wie Zellwachstum und Gewebeheilung zu koppeln“, erklärte Wolfram.
Großes Potenzial sieht Wolfram in der Forschung insbesondere in Materialkombinationen sowie in deren Verbindung mit zelltherapeutischen Ansätzen. Auch personalisierte Implantatsysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung. Individuell angepasste Implantate können dazu beitragen, Eingriffe effizienter zu gestalten und Operationszeiten zu reduzieren. Darüber hinaus könnten gezielte Oberflächenmodifikationen künftig eine noch größere Rolle spielen, da sie beeinflussen, wie Zellen mit Implantatmaterialien interagieren.
In der anschließenden Austauschrunde diskutierte das interessierte Publikum auch das mögliche Zukunftsfeld der sogenannten intelligenten Implantate. Solche Systeme könnten beispielsweise biologische Prozesse im Körper erfassen oder gezielt therapeutische Funktionen unterstützen. Neben technologischen Entwicklungen werden nach Einschätzung des Referenten auch regulatorische Fragen an Bedeutung gewinnen - die Anforderungen an Zulassungsverfahren für medizinische Implantate werden laut Wolfram weiter steigen.
Über CoHMed
Die Hochschule Furtwangen ist eine von nur zehn Hochschulen in Deutschland, die eine Förderung im Rahmen des Förderprogramms „Starke Fachhochschulen – Impuls für die Region“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt erhalten hat. Ziel der Innovations- und Transferpartnerschaft CoHMed ist es, die Medizintechnikunternehmen der Region bei der Entwicklung zukunftsfähiger Produkte zu unterstützen und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Schwarzwald-Baar-Heuberg zu stärken.