Die Projektbeteiligten aus Hochschule und Praxis
Abschluss und Ausblick vom Forschungsprojekt „KlangDem“ an der Hochschule Furtwangen
Mit einer gelungenen Abschlussveranstaltung wurde ein ganz besonderes Projekt an der Hochschule Furtwangen (HFU) beendet. Ziel von „KlangDem“ war es, eine interaktive Klangauflage weiterzuentwickeln, um damit personenzentrierte Angebote für Menschen mit Demenz zu gestalten.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die transdisziplinäre Zusammenarbeit, die das Forschungsprojekt maßgeblich geprägt hat. „Die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Expertise aus verschiedenen Disziplinen – Gesundheitstechnologien, Pflegewissenschaft, Musikdesign – und Erfahrungen aus der Pflegepraxis bildete die Grundlage für die Weiterentwicklung der Klangauflage“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Christophe Kunze. Die Klangauflage, das sogenannte Kokea-Board, wurde an der HFU im Rahmen des Vorgängerprojekts „Digitale Technologien für die Versorgung von Menschen mit Demenz“ (DIDEM) konzipiert. Auf das Board können verschiedene Bildkarten oder Figuren platziert werden. Das Board spielt dann passende Geräusche ab – vom Vogelzwitschern über Lagerfeuerknistern bis zum Telefonklingeln. Die Klänge dienen dazu, Erinnerungen zu wecken und Interaktionen in der Gruppe anzuregen.
„Wie bereits beim Vorgängerprojekt ‚DIDEM‘ haben wir auch bei ‚KlangDem‘ wieder Menschen mit Demenz und Pflegende in den Forschungsprozess einbezogen. Das kann herausfordernd sein und ist immer auch mit zusätzlichen Aufwänden verbunden. Das Besondere ist aber, dass Betroffene so die Möglichkeit haben, Lösungen mit zu gestalten“, berichtet Kunze.
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung konnten auch die neu entwickelten Instrumentenkarten für das Kokea-Board ausprobiert werden. „Ich möchte nie wieder anders arbeiten. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit konnten wir nicht nur die bestehende Bibliothek von Alltags- und Umgebungsklängen des Kokea-Boards demenzgerecht erweitern, sondern auch die von den Pflegekräften gewünschten Erzählungen sowie musikalische Elemente einführen“, resümiert HFU-Professor Dr. Norbert Schnell, der am Projekt als Klang- und Musikexperte beteiligt war.
Die Weiterentwicklung des Boards mit einer zusätzlichen kleineren und kompakteren Variante wurde vorgestellt sowie die zugehörigen Schulungsvideos präsentiert. „Die Begleitvideos und Materialien sind im engen Austausch mit Pflegekräften entstanden, damit sie genau auf deren Bedürfnisse abgestimmt sind“, erklärt Projektmitarbeiterin Katharina Reinhart. Zusätzlich präsentierten Studierende aus dem Master-Studiengang Angewandte Gesundheitsförderung ihr aktuelles Research Project zur Erprobung des Kokea-Boards im Bereich der Ergotherapie.
Christophe Kunze resümiert: „Dieses Projekt hat verschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Praxis vereint und zeigt außerdem den direkten Beitrag von angewandter Forschung für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Ich freue mich deshalb sehr, dass die Arbeiten weitergeführt werden. Im Rahmen einer EXIST-Förderung ist aktuell die Gründung eines Spin-Off Unternehmens geplant – vielleicht kann das Kokea-Board also bald allen Pflegeeinrichtungen zugänglich gemacht werden.“
Das Projekt „KlangDem“ bildet das Anschlussprojekt für eines der drei Teilprojekte des von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderten Projekts DIDEM. Es wurde an der HFU vom Institut für Mensch, Technik und Teilhabe umgesetzt und im Rahmen der Innovationssprints „DATIpilot“ durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) über 18 Monate gefördert. Mehr zum Projekt unter: Link öffnet sich im gleichen Fenster:https://www.hs-furtwangen.de/forschung/forschungsprojekte/klangdem