17.02.2026

„Ich will einfach etwas Positives bewirken“

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Personalfoto von Prof. Weber

Nach 20 Jahren als Vorstand des VDSI wurde Prof. Dr. Arno Weber zum Ehrenmitglied ernannt. Er lehrt an der Hochschule Furtwangen und ist Experte für Arbeitssicherheit. Bild: HFU Bild unten: Schwinghammer

Prof. Dr. Arno Weber ist Sicherheitsexperte an der Hochschule Furtwangen

Zugegeben, Arbeitsschutz ist kein leichtes Thema. Der Schutz vor Gefahren am Arbeitsplatz ist in vielen Verordnungen und Gesetzen geregelt. Dabei ist die Abbildung des Themas in vielen Paragraphen ein vergleichsweise junges Fachgebiet. Prof. Dr. Arno Weber, Experte für Arbeitsschutz, erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Ich habe während meiner Promotion das erste Mal mit dem Thema zu tun gehabt“, berichtet er. Als Chemiker forschte er an Festkörperionenleitern (zur späteren Verwendung in Batterien) und war in den Laboren der Universität Erlangen-Nürnberg tätig, „und plötzlich hieß es, wir müssen jetzt eine Gefahrstoffverordnung umsetzen und einhalten“. Vorher habe man in den Laboren – in denen jede Menge entzündlicher Flüssigkeiten gelagert waren – auch mal geraucht oder gegrillt, lacht Weber. Er wurde also „Gefahrstoffbeauftragter“ – und sollte am Thema Sicherheit haften bleiben. 

„Da es Mitte der Neunziger keine Stellen für Chemiker gab, habe ich mich weiter spezialisiert“, erzählt Weber. Schließlich machte er sich selbstständig als Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Auch heute noch ist das ein sehr gefragter Bereich“, sagt Arno Weber. „Jedes Unternehmen braucht einen Experten für Arbeitssicherheit, und gerade kleinere Betriebe beziehen diese Fachkräfte oft von außen“. 

Nun beginnt eine Aufzählung, die ihresgleichen sucht. Professor Weber ist im Januar erneut als Mitglied des „Ausschusses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales berufen worden. „Das Arbeitsschutzgesetz sieht beratende Ausschüsse vor, die die technischen Regeln ausarbeiten“, erklärt Weber, der schon seit 2021 einen Sitz unter den wissenschaftlichen Mitgliedern des Ausschusses hat und deren Sprecher ist.  Neben seiner Tätigkeit als Professor an der HFU wäre das auch schon erfüllend – aber Arno Webers Expertise ist gefragt. Er war Referent für chemische Sinne im Museum „Turm der Sinne“ in Nürnberg, später dann im VDSI – dem Verband für Sicherheit und Umweltschutz bei der Arbeit. Über Bezirksgruppen- und Arbeitskreisleitungen wurde er 2004 zum Vorstand des Ressorts Qualifizierung, dann wurde er zum Vorstandsvorsitzenden des gesamten Verbands gewählt. 20 Jahre lang übte Weber die Tätigkeit im Vorstand ehrenamtlich aus, auch als er längst nach verschiedenen Dozententätigkeiten an die Hochschule Furtwangen gekommen war. Außerdem war Arno Weber Mitglied in verschiedensten Gremien, z. B. der Unfallversicherungsträger, leitete Sachgebiete und Projekte. Er sitzt in einem Unterausschuss des Ausschusses für Mutterschutz beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Und ist zusammen mit einer Kollegin der Arbeitsmedizin seit 24 Jahren wissenschaftlicher Leiter des Nordbayerischen Forums „Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit“. Um es kurz zu machen: Dieser Mann hat schwindelerregend viele Ämter. Gleichzeitig.

Bei so vielen Aufgaben ist klar, Weber ist exzellent vernetzt. „Aber die ‚Arbeitsschutz-Szene‘ ist auch überschaubar“, sagt er - die Hochschule Furtwangen ist eine von nur fünf Hochschulen bundesweit, an der Sicherheitsingenieurinnen und -ingenieure nach dem Arbeitssicherheitsgesetz ausgebildet werden. „Unser Studiengang Security and Safety Engineering ist bundesweit sogar einzigartig“, sagt Weber.

Er berichtet zufrieden von Verhandlungserfolgen, die er im Arbeitsschutz erzielte, wie er plötzliche Regeländerungen abwenden konnte. Davon, wie er mit seinen Studierenden in Semesterprojekten die Evaluierung von technischen Regeln durchführt, oder sie auch mal bei einer Spielplatzbegehung prüfen, ob alle Normen eingehalten wurden. Das genaue Hinschauen, das Nachhaken, das exakte Überprüfen liegt dem 60-Jährigen. Im Privaten wendet er diese Gabe bei seinem Hobby, den Modelleisenbahnen an. Außerdem ist Weber in der Friedensbewegung aktiv – auch hier engagiert er sich bereits seit Jahrzehnten. 

Arbeitsschutz ist nichts, was im großen Rampenlicht geschieht. Das wichtige Fachgebiet wird oft unterschätzt. Prof. Dr. Weber macht das nichts aus. „Ich mache das, weil ich etwas Positives bewirken will“, sagt er einfach. Und freut sich, wenn er viele seiner ehemaligen Studierenden in einflussreichen Positionen der Arbeitssicherheit wiedertrifft. „Bei denen ist das wie bei mir“, lacht er: „Eins führt zum anderen“.

 

Profs im Portrait: 

In dieser Serie stellen wir die renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die an der Hochschule Furtwangen lehren und forschen. Die HFU ist eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften; deshalb verfügen Professorinnen und Professoren über langjährige Erfahrung aus der Praxis. Die spannenden Lebens- und Berufsgeschichten stellen wir in loser Reihenfolge vor.

Weitere Bilder

Prof. Weber wird beim VDSI die Ehrenurkunde überreicht
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