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5 Fragen an Prof. Dr. Jürgen Anders

Zum Wintersemester 2010/11 kam Prof. Dr. Anders als Stiftungsprofessor für "Digitale Infrastruktur im Ländlichen Raum" an die Fakultät Digitale Medien. In dieser Fuktion sollte er den Breitbandausbau in der Region unterstützen und Nachwuchsfachkräfte ausbilden, die anschließend in den Gemeinden und Kommunen diesen Ausbau weiter vorantreiben sollten. Ein Fazit.

Fakultät Digitale Medien: Herr Anders, Sie sind vor 10 Jahren als Stiftungsprofessor „Digitale Infrastruktur im Ländlichen Raum“ an die Fakultät Digitale Medien gekommen. Was genau war Ihre Aufgabe? Wie haben Sie diese umgesetzt?

Prof. Dr. Jürgen Anders: Die übergeordnete Aufgabe bestand darin, die zum damaligen Zeitpunkt oftmals völlig unzureichende Breitbandversorgung in vielen ländlich geprägten Kommunen nachhaltig zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen erfolgte im Jahr 2010 ein Zusammenschluss der relevanten Akteure wie etwa des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, dem Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg, der Landesanstalt für Kommunikation, sowie mehrerer namhafter Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Mit Gründung der Stiftungsprofessur an der Hochschule Furtwangen wurde damals zusätzlich eine unabhängige Institution geschaffen, die mittels technisch-wissenschaftlicher Begleitung den Ausbau von schnellen Internetzugängen im Ländlichen Raum unterstützt. Dies ging einher mit einem konkreten Bildungsauftrag: Durch ein spezielles, fakultätsübergreifendes Lehrangebot zu den Themen der Breitbandtechnologien und des Netzausbaus wurden akademische Nachwuchskräfte für den in diesen Bereichen stark wachsenden Arbeitsmarkt ausgebildet.

Da im Jahr 2010 die Versorgungslage in zahlreichen Kommunen des Schwarzwalds besonders brisant war, wurde die Hochschule Furtwangen als Partner für diese Aufgabe ausgewählt.

 

DM: Diese Stiftungsprofessur war auf 5 Jahre begrenzt. Wie ging es danach weiter?

Prof. Anders: Die Begrenzung auf fünf Jahre ist für Stiftungsprofessuren üblich. Dabei ist jedoch grundsätzlich vorgesehen, dass die Lehrinhalte auch über die fünf Jahre hinaus an der Hochschule angeboten werden. Aus der Stiftungsprofessuren wird somit nach Ablauf der Fünfjahresfrist eine ordentliche Professur mit nachhaltiger Verankerung der wissenschaftlichen Inhalte an der Hochschule.

Diesem Ansatz folgend wurde im Jahr 2015 die Stiftungsprofessur übergeführt in das „Zentrum für Infrastruktur und Breitbanddienste Baden-Württemberg“ als Fortsetzung der Kooperation und Kofinanzierung zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Hochschule Furtwangen. In diesem für weitere fünf Jahre geschaffenen Rahmen konnten die erfolgreichen Aktivitäten aus der Stiftungsprofessur im Sinne des Stiftungsauftrages nahtlos weitergeführt werden.

 

DM: Nun läuft auch die Kofinanzierung für das „Zentrum für Infrastrukturen und Breitbanddienste Baden-Württemberg“ aus. Was heißt das für Sie persönlich und für das Zentrum?

Prof. Anders: Auch nach diesen weiteren fünf Jahren werden die Aktivitäten und Lehrangebote weitergeführt. Die Lehrinhalte sind mittlerweile als Bestandteil verschiedener Pflichtveranstaltungen in den Fakultäten DM und MME dauerhaft und fest an der Hochschule verankert. Gleichzeitig werden die durch die Stiftungsprofessur initiierten Drittmittelprojekte dauerhaft fortgeführt und laufend neue Projekte akquiriert. Die dadurch generierten Drittmittel ersetzen zukünftig die Fördermittel des Landes Baden-Württemberg, die im Rahmen der Kofinanzierung bereitgestellt wurden. Das Zentrum für Infrastrukturen und Breitbanddienste Baden-Württemberg besteht somit weiter und wird über diese Forschungsprojekte vollständig eigenfinanziert.

Diese Entwicklung entspricht auch der erklärten Zielsetzung bei der Gründung der Stiftungsprofessur im Jahr 2010.

 

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Entwicklung der Breitband-Versorgung in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg seit dem Jahr 2012 (Langzeitstudie IHK-SBH)

DM: Wenn Sie auf die letzten 10 Jahre zurückblicken, wie bewerten Sie das, was in der Stiftungsprofessur und dem Zentrum für Infrastrukturen und Breitbanddienste Baden-Württemberg erreicht wurde?

Prof. Anders: Die Aktivitäten der vergangenen zehn Jahre wurden im Rahmen einer Langzeitstudie zur Entwicklung der Breitbandversorgung in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer seit 2012 fortlaufend begleitet. Die Langzeitstudie wurde zum 30.09.2020 abgeschlossen. Aus dem Ergebnis wird ersichtlich, dass sich die Breitbandversorgung in der Region in den vergangenen zehn Jahren signifikant und nachhaltig verbessert hat. War die Region im Jahr 2010 noch unter den Schlusslichtern Baden-Württembergs, so befindet sie sich heute auf der Spitzenposition der ländlich geprägten Räume. In Bezug auf die Penetration der Glasfaser-Technologie bis in die Haushalte nimmt der Schwarzwald-Baar-Kreis mit deutlichem Abstand landesweit sogar die Spitzenposition ein.

Zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen haben in gemeinsamer Anstrengung die Kommunen, die Landespolitik und Privatwirtschaft, sowie die Landesregierung mit politischer und finanzieller Unterstützung. Der Beitrag der Hochschule Furtwangen an der Entwicklung wird von den Beteiligten generell hoch bewertet.

Auch das spezielle Lehrangebot zu den Breitbandtechnologien und dem Netzausbau wurde von den Studierenden der Hochschule Furtwangen gut angenommen: Circa 100 Studierende haben das Ausbildungsprogramm erfolgreich absolviert und ein entsprechendes Zertifikat erworben. Sie sind heute in verschiedenen Kommunen, öffentlichen Einrichtungen oder privatwirtschaftlichen Unternehmen beschäftigt und unterstützen damit den Breitbandausbau nachhaltig.

 

DM: Sie sind ja nun „freier“ in Ihrer Arbeit. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Prof. Anders: Meine ursprüngliche Motivation für den Wechsel aus der Privatwirtschaft an die Hochschule Furtwangen im Jahr 2010 bestand in meinem grundsätzlich großen Interesse an der Lehre und dem Kontakt zu den Studierenden. Aufgrund der zahlreichen externen Aufgaben im Rahmen der Kooperation musste ich in den vergangenen 10 Jahren zeitlich bedingt immer wieder auch Beschränkungen für meine Lehrtätigkeit hinnehmen. Auch wenn weiterhin Drittmittelprojekte fortgeführt werden, so verspreche ich mir doch wesentlich mehr zeitlichen Freiraum für meine eigentliche Lehrtätigkeit. Darauf freue ich mich am meisten.

Sehr erfolgreiche 10 Jahre also. Vielen Dank für Ihren Einsatz, von dem auch viele unserer Studierenden gerade in Zeiten des Online-Studiums profitieren. Vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim Lehren – vor allem mit den erhofften zeitlichen Freiräumen.