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Als Praktikant bei der Feuerwehr in Pennsylvania, USA

Arsig

Student Luca Arsic auf dem Foto in Feuerwehrkleidung

Schon lange war es sein Wunsch, eine amerikanische Feuerwehr von innen kennenzulernen. Luca Arsic studiert Security and Safety Engineering in Furtwangen und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Ettlingen. Im aktuellen Sommersemester ergriff er die Chance: „Ich habe noch eine Klausur offen, wieso also nicht das Semester vor Beginn meiner Thesis für ein sinnvolles Praktikum nutzen?“ Es handelt sich weder um ein Praxis- noch um ein Auslandssemester. Er nimmt an einem so genannten „Voluntary Service Program“ teil. Ursprünglich kontaktiert hatte er 18 Feuerwehren in verschiedensten Gebieten der USA, von denen sich fünf bereit erklärt haben, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Nun ist er Praktikant bei der Colonial Park Fire Co. #1 in Pennsylvania. „Obwohl ich wenige Stunden vor Inkrafttreten des durch Corona ausgelösten Travel Ban für Europäer eingereist bin, hatte ich bei meiner Immigration keinerlei Probleme.“

Während in Deutschland die Gemeinde verpflichtet ist den Brandschutz mittels einer eigenen Feuerwehr sicherzustellen, gibt es in den USA in etwa zu gleichen Teilen öffentliche und nichtöffentliche Feuerwehren. Öffentliche Feuerwehren (Fire Department) sind Teil der jeweiligen Selbstverwaltungseinheit, etwa eines Countys (Landkreis) oder einer City (Stadt). Außerhalb der großen Städte sind zumeist unabhängige, nichtöffentliche Feuerwehren (Fire Company) zuständig, welche sich zum Teil aus Spenden finanzieren, oftmals aber durch die einzelnen Gemeinden oder Selbstverwaltungseinheiten unterstützt werden. „In meinem Fall unterstützt das etwa 50.000 Einwohner zählende Lower Paxton Township seine drei ehrenamtlichen Fire Companys mit Geldern aus der Feuerschutzsteuer.“

Das Feuerwehrwesen in den USA unterscheidet sich sowohl technisch als auch taktisch von dem in Deutschland. „Nach meinen ersten Erfahrungen kann ich sagen, das in vielen Bereichen deutsche Grundsätze, Präzision und Gründlichkeit, zum Beispiel das Vorgehen im Trupp oder die gegenseitige Kontrolle der Flammschutzhaube, zugunsten von Schnelligkeit geopfert werden. Klotzen statt kleckern ist hier, auch aufgrund der Holzbauweise vieler Gebäude, speziell bei den Brandeinsätzen meist das Mittel der Wahl. Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte hat sich die Anzahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute dramatisch verringert. Immer weniger Einsatzkräfte müssen immer mehr Einsätze bewältigen, weshalb die Taktik auf ihre Funktionalität mit einem Minimum an Manpower angepasst werden musste. Drei Feuerwehrleute auf der Engine, dem Standardlöschfahrzeug, werden immer mehr zur Regel. Ein vergleichbares deutsches Fahrzeug bringt mindestens sechs, oftmals bis zu neun Einsatzkräfte an die Einsatzstelle.“

Aufgrund der Corona-Lage befindet sich das Township aktuell im State of Emergency, dem amerikanischen Äquivalent des Katastrophenalarms. „Die visafreie Einreise in die USA ist für 90 Tage gültig und an ein Rückflugticket gekoppelt. Am 4. Juni 2020 werde ich daher die Heimreise antreten. Nach Kontakt mit meiner Fluggesellschaft wurde mir versichert, dass mein oder ein vergleichbarer Flug stattfinden wird. Ich kann nur hoffen, dass sich die Lage weltweit bis dahin wieder etwas entspannt. Stay safe and healthy!“