In der Vernetzung liegt die Zukunft der Region

Über 300 Teilnehmende bei der Technologietag-Premiere des HFU-Campus Tuttlingen

Am 14. November 2019 fand erstmals der Technologietag des Hochschulcampus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen (HFU) in der Stadthalle in Tuttlingen statt. Mehr als 300 Besucher waren nebst 32 Ausstellern bei dem Kongress vertreten. Der Tag ging auf zukünftige Trends aus den Bereichen Werkstofftechnik, Fertigungstechnik und Verfahrenstechnik ein. Er umfasste ein Programm mit elf Fachvorträgen, welches mit einer Gesprächsrunde schloss. Initiiert wurde der Technologietag von Professor Dr. Hadi Mozaffari Jovein.

Vortragender war unter anderem die Fertigungstechnik-Koryphäe Professor Dr.-Ing. Fritz Klocke. Er leitet das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart. In seinem Referat „Integrierte Modelle zur Vorhersage von Bauteilfunktionalitäten“ ging er auf die Möglichkeit und Grenzen von Datenmodellen im Produktionsprozess ein. „Modelle bilden die Realität ab sind aber nicht die Realität. Sie helfen, die wesentlichen Zusammenhänge allgemeingültig darzustellen, Optionen zu bewerten und Systeme zu steuern.“ Selbst aus Chaos könne die Informatik Strukturen erkennen. „Es gibt die Erkenntnis, dass rund 80 Prozent aller Prozesse strukturiert sind.“ So könne man mittels künstlicher Intelligenz Produktionsprozesse analysieren, im Datenmodell sichtbar machen und letztendlich Pilotanwendungen in Betrieben aufbauen, die später in der realen Welt Anwendung finden.

Von deutscher Ingenieurskunst und der Notwendigkeit der Vernetzung
In einer von Angela Imdahl moderierten Gesprächsrunde befassten sich fünf Experten mit dem Thema „Wohin geht die Reise?“. Im Fokus lag die Positionierung der Unternehmen der Region-Schwarzwald-Baar-Heuberg in Anbetracht des wirtschaftlichen Wandels. Auf dem Podium waren Professor Dr. med. Thomas Carus (Elisabeth-Krankenhaus Thuine), Guntmar Eisen (EIT Emerging Implant Technologies GmbH), Professor Dr. Fritz Klocke (Fraunhofer IPA), Dr. Michael Lüttgen (EIT Health Germany GmbH) und Professor Dr. Hans Jürgen Seifert (Karlsruher Institut für Technologie). Die Teilnehmenden waren sich einig, dass sich die Akteure in der Region zukünftig stärker vernetzen müssen. Das technische Know-how und die Machbarkeit, um der asiatischen Konkurrenz zu begegnen, seien vorhanden. Dabei gehe es darum, verschiedene Kompetenzen zu bündeln. „Wir verstehen was von Produktion, wir gehen an Hochschulen und generieren Innovationen“, so Eisen. Das sei die Chance der Region. Die Unternehmen müssten sich mit dem Nachbarn vernetzen. Er betonte: „Der Wettbewerb ist nicht in der Region sondern in Asien!“ Seifert führte aus: „Asiatische Hersteller sind uns lediglich in der Quantität voraus. Die Ingenieurkunst in Deutschland ist trotz allem dominant.“ Dem schloss sich Carus an: „Die ganze Welt kauft Medizinprodukte hier in der Region ein.“ Moderne, hochwertige und vor allem nachhaltige und innovative Produkte seien die Chance. „Wir können mit deutscher Qualität überzeugen.“ Doch nicht nur auf Produktebene sondern auch strategisch müsse man sich neue Konzepte überlegen. Dazu gehören für Klocke „flexible Arbeitszeitmodelle“ und „moderne Infrastrukturen“.

Veranstaltungsorganisation in Kooperation
Die Veranstaltungsorganisation hatten der Hochschulcampus Tuttlingen und der AWT – Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. – inne. Unterstützung erhielten sie von der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und den Clusterorganisationen TechnologyMountains und MedicalMountains.