Können Pilze Kunststoff abbauen?

Schwenninger Studierende stellen ihre Forschungsergebnisse vor

NBT

Von links nach rechts: Gisela Krause, Ina Shiopou, Vanessa Gockel, Anika Korzin, Alexander Schweizer.

Welche Forschungs-Fragestellungen kann man bereits während eines Studiums in Schwenningen bearbeiten? Studierende des Studienganges „Nachhaltige Bioprozesstechnik“ stellten zum Abschluss des Semesters ihre Projektergebnisse vor. Studiendekan Prof. Dr.-Ing. Holger Schneider unterstrich, wie aktuell der Studiengang ist. Während sich die Jugend auf der Straße bei Veranstaltungen wie „Fridays for Future“ für die Umsetzung nachhaltiger Ziele engagiert, lernen Studierende an der Hochschule Furtwangen, wie Produkte und deren Herstellungsprozesse nachhaltig gestaltet werden können. Ziel der „Nachhaltigen Bioprozesstechnik“ ist es, Prozesse zu entwickeln, bei denen Produkte für die Zukunft – unter Verzicht auf Mineralöl – aus biogenen Rohstoffen oder Rest- und Abfallstoffen hergestellt werden. Zudem muss darauf geachtet werden, dass keine Abfallstoffe entstehen, sondern nach Möglichkeit alles zu Wertstoffen oder Energie weiterverarbeitet wird. Den Idealfall eines solchen Gesamtprozesses nennt man Bioraffinerie.

Raphael Bosch und Christian Fittkau, die kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums stehen, berichteten über ihre Erfahrungen. Innerhalb des Studiums können durch die Auswahl von Projekten individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. So hat Raphael Bosch zunächst theoretisch herausgefunden, wie 1% des Weltbedarfs an Aceton, Butanol und Ethanol mit Hilfe von Mikroorganismen erzeugt werden könnte. Dann hat er dieses Projekt im Technikumsmaßstab umgesetzt, also einen funktionsfähigen Prozess zum Laufen gebracht. Er schätzte es besonders, dass den Studierenden im Technikum der Fakultät Medical and Life Sciences so viele Apparate zur Verfügung stehen, mit denen sie Prozesse auch tatsächlich umsetzen können.

Christian Fittkau hat sich auf den Bereich Automatisierung konzentriert. Er hat Regler entwickelt, mit denen Prozesse im Bioreaktor so gefahren werden können, dass eine hohe Zelldichte und Produktausbeute erreicht werden können. Beide Studierende fanden, dass sie im Masterstudiengang „Nachhaltige Bioprozesstechnik“ gelernt haben, wie man sich das Wissen für neue Projekte selbständig aneignet, mit Professoren auf Augenhöhe diskutiert, und das erarbeitete Wissen praktisch umsetzt. Damit sind sie für ihre berufliche Zukunft bestens gerüstet.

Pilze, UV-Strahlung und mehr
Gisela Krause führte Untersuchungen mit einem Pilz durch, der im Verdacht steht, Kunststoffe abzubauen. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass der Pilz auf Abbauprodukten von synthetischen Textilfasern besser wächst, als wenn diese nicht vorhanden sind. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, kann versucht werden, mit diesem Pilz Kunststoffe gezielt abzubauen. In Zusammenhang mit der vieldiskutierten Problematik von Kunststoffabfällen in sensiblen Ökosystemen ist dies ein topaktuelles Forschungsthema.

Ina Shiopou hat sich mit der Frage beschäftigt, wie Wasser mit Hilfe von UV-Strahlung gereinigt werden kann. Denkt man an die aktuelle Problematik der Spurenstoffe in unseren Gewässern, so sieht man, dass es sich auch hierbei um ein topaktuelles Thema handelt. Mit Versuchsplanung und Prozessmodellierung hat Vanessa Gockel versucht, Produkte möglichst effizient und ressourcenschonend zu produzieren. Diese Werkzeuge sind von enormer Wichtigkeit, um Prozesse wirtschaftlich und ökonomisch zu planen und für die produzierende Industrie von großer Bedeutung. Anika Korzin und Alexander Schweizer haben sich mit dem Wachstum von Tumorzellen beschäftigt.

Bewerbung
Der Masterstudiengang „Nachhaltige Bioprozesstechnik“ richtet sich an alle, die ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Bachelorstudium abgeschlossen haben. Die Bewerbung für das Wintersemester ist bis zum 15. Juli möglich. Bewerbungsformular und mehr Infos zum Studiengang unter www.hs-furtwangen.de/studiengaenge/nachhaltige-bioprozesstechnik-master