Eine Rheinländerin im Schwarzwald

Zum Sommersemester 2019 bekommt die Fakultät Digitale Medien Verstärkung in den Wirtschaftswissenschaften: Frau Prof. Dr. Jasmin Baumann wird strategische Markenführung und Marketing lehren. Sie bringt jede Menge Erfahrung mit, sowohl aus der Praxis als auch aus der Lehre. Uns hat sie mitgenommen auf ihre Reise vom Rheinland über Norwich nach Furtwangen.

Frau Prof. Dr. Baumann, wir freuen uns, Sie ab dem Sommersemester 2019 als neue Marketingprofessorin an unserer Fakultät zu begrüßen. Vor allem unsere Studierenden sind natürlich gespannt, wer Sie sind. Erzählen Sie uns doch ein bisschen über sich!

 

DM:Wo kommen Sie ursprünglich her?

Prof. Dr. Baumann: Ich bin gebürtige Kölnerin (wenn auch von der sog. „falschen“, sprich rechten Rheinseite) und war auch im Laufe meiner Karriere lange im Rheinland tätig: bei Bayer HealthCare in Leverkusen sowie L’Oréal und der internationalen Wirtschaftskanzlei TaylorWessing in Düsseldorf. Allerdings habe ich auch in dieser Zeit immer in Köln gewohnt und bin beruflich gependelt, denn beim Anblick des Kölner Doms und des Rheinufers geht mir einfach das Herz auf.

 

DM:Zuletzt waren Sie an der Norwich Business School der University of East Anglia tätig. Wie kamen Sie nach Großbritannien?

Prof. Dr. Baumann: Schon meinen Master in Marketing habe ich in Großbritannien gemacht. Als dann ein paar Jahre später der Gedanke einer Promotion Gestalt annahm, war ich mit dem englischen System also sehr vertraut und wusste, dass ich dort gute Chancen auf ein Stipendium hatte und somit die Promotion schneller durchziehen könnte als in Deutschland. Außerdem hat es mich gereizt, nochmal aus dem Berufsalltag heraus zu kommen, in einem anderen Land zu leben und etwas Neues auszuprobieren. Gegen Ende der Promotion bot mir die Norwich Business School dann die Stelle als Lecturer (entspr. Juniorprofessur) an, und da ich sowohl die Universität als auch die Stadt sehr mochte, habe ich gern angenommen. Der Nachteil ist allerdings: Nach insgesamt mehr als 10 Jahren in England beherrsche ich mein Fachgebiet auf Englisch weitaus besser als auf Deutsch – ich hoffe also, die Studierenden werden Nachsicht mit mir haben, wenn mir ab und zu mal der ein oder andere englische Begriff herausrutscht!

 

DM: „Norwich is one of the most vibrant and attractive cities in Europe. It is ranked in the Top 10 shopping cities in the UK and as well as being a hotbed for the arts, culture, music, nightlife, and tourism.”  - so die Beschreibung auf der Website der UEA. Furtwangen kann da kaum mithalten. Was zieht Sie wieder auf das „Festland“ – und dann ausgerechnet mitten in den Schwarzwald?

Prof. Dr. Baumann: Na ja, auch Norwich betreibt reges Eigenmarketing. Aber die Stadt ist wirklich sehr nett und lebenswert. Ein Brexit-Flüchtling bin ich allerdings nicht. Zurück nach Deutschland und konkret nach Furtwangen hat mich tatsächlich die Professur an der HFU gelockt – die Aussicht, mit Nicht-BWLern zu arbeiten, hat mich sehr gereizt. Ich komme aus einer sehr medienaffinen Familie und bin mit Filmschnipseln in der Hand (und im Haar) aufgewachsen – daher fand ich die Stelle an der Fakultät Digitale Medien sehr spannend und hoffe, auch von den Studierenden einiges lernen zu können. Dazu kam dann noch der Standort-Bonus: der Mischung aus wunderschöner Natur, Käsespätzle, Schnitzel und der sprichwörtlichen Torte ist nur schwer zu widerstehen.

 

DM:Sie haben in Norwich Brand Management gelehrt. Wird das auch hier in Furtwangen Ihr Schwerpunkt sein? Wie können sich Studierende Ihre Vorlesungen vorstellen?

Prof. Dr. Baumann: Ja, auch an der HFU werde ich Strategische Markenführung sowie Marketing in all seinen Ausprägungen lehren. Meine Vorlesungen versuche ich so praxisrelevant wie möglich zu gestalten, mit vielen Beispielen und Fallstudien reeller Marken, und vor allem mit viel Interaktion: Ich stelle oft Fragen und erarbeite (je nach Gruppengröße) Konzepte gern zusammen mit den Studierenden anstelle der klassischen Frontalvorlesung. Idealerweise sollten die Studierenden also immer eine Meinung zu den behandelten Themen haben – im Marketing gibt es selten ein klares richtig oder falsch, daher freue ich mich auf hoffentlich viele ausgiebige Diskussionen.

 

DM:Sie forschen viel im Bereich Käufer-Verkäufer-Beziehung, häufig im co-kreativen Kontext. Zuletzt ging es darum, dass Käufer und Verkäufer den Wert einer Leistung im co-kreativen Prozess teilweise völlig unterschiedlich einschätzen. Werden Sie in Furtwangen diese Themen weiter erforschen?

Prof. Dr. Baumann: Die zwischenmenschliche Interaktion hat mich schon immer sehr interessiert – und war einer der Gründe, warum ich in meiner beruflichen Laufbahn vom klassischen Produktmarketing bei L’Oréal zum Dienstleistungsmarketing bei TaylorWessing gewechselt habe. Auch meine Promotion und anschließende Forschung drehte sich um die Dynamik und zugrunde liegenden Prozesse in der Beziehung und Interaktion von Kunden und Verkäufern, besonders im B2B-Sektor der professionellen Dienstleistungen (z.B. Finanz-, Rechts- und Immobilienberatung). Für meine Dissertation habe ich mich dabei auf den Kunstauktionshandel spezialisiert – was den tollen Nebeneffekt hatte, dass ich für meine Datensammlung Auktionshäuser in ganz Europa besuchen konnte.

Auch in Furtwangen werde ich das Thema sicherlich fortsetzen. Allerdings interessiert mich auch die Interaktion zwischen Marken und ihren diversen Kundengruppen. Dank Social Media, VR und AR können Marken und Käufer heute ganz anders interagieren und die Markenpersönlichkeit wird direkt erfahrbar. Wie Kunden die Markenidentität durch diese Interaktion mit beeinflussen (also co-kreieren), und wie Marken diese Prozesse steuern können, fasziniert mich und wird sicher ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit werden.

 

DM:Was ist Ihre Vision für Ihre Zeit in Furtwangen? Was wünschen Sie sich?

Prof. Dr. Baumann: Ich wünsche mir, an dieser neuen Herausforderung zu wachsen und meine Arbeit mit den Studierenden weiter ausbauen zu können. Von der „Inspiration“ der Studierenden wird ja so oft gesprochen, dass es manchmal schon hohl klingt – aber mir liegt dieses Thema wirklich sehr am Herzen: Ich möchte die Studierenden mitreißen und für die Themen Marketing und Markenführung begeistern. Gleichzeitig hoffe ich, auch von den Studierenden viel in Sachen digitale Medien zu lernen, so dass ich meine Lehre und Forschungsschwerpunkte kontinuierlich weiterentwickeln kann. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Privileg, an der Ausbildung junger Leute mitwirken zu dürfen und sie auf ihren späteren Karriereweg vorzubereiten, und dazu möchte ich positiv beitragen. Auf Englisch heißt es so schön „to make a difference“ – wenn mir dies in Zusammenarbeit mit hoffentlich vielen netten und engagierten Kollegen zumindest ein stückweit gelingen würde, wäre das großartig.

 

Vielen Dank, Frau Prof. Dr. Baumann! Wir wünschen Ihnen einen guten Start in Furtwangen!