Donnerstag, den 26. April 2012
„Es geht ums Ganze“ hatte Professor Dr. Horst Köhler seinen Vortrag am Campus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen überschrieben. Der ehemalige Bundespräsident begeisterte eine große Zuhörerschaft. "Bildung stärkt die Fähigkeit, genau hinzuschauen", sagte er. Und an die Studierenden gewandt: "Sie können den Lauf der Dinge beeinflussen."
HFU-Rektor Professor Dr. Rolf Schofer freute sich sehr über den Besuch des früheren Bundespräsidenten am Hochschulcampus Tuttlingen. „Schon vor der Amtszeit als Bundespräsident besaß Professor Köhler als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds großes öffentliches Ansehen in der Welt. - Die Internationalisierung spielt eine sehr große Rolle für uns als Hochschule", betonte Schofer und verwies auf den 1. Platz der HFU beim International Student Barometer unter den deutschen Hochschulen. "Auch im Markt der Hochschulen geht es ums Ganze", griff Schofer den Vortragstitel auf. Der Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten sei ein Meilenstein in der noch jungen Geschichte des Hochschulcampus Tuttlingen und ein wertvoller Impuls für die Studierenden.
"Die Hochschule ist ein Leuchtturm für die Region", lobte Köhler die HFU. "Investition in Bildung ist die wichtigste Investition überhaupt. Diese Investition sind wir den jungen Leuten schuldig." Seine Vorlesung hatte er "Es geht ums Ganze" betitelt. Und eröffnete mit den Fragen: "Was ist denn das Ganze? Wer weiß denn schon, wie der Welt zu helfen ist?" Köhler spannte den Bogen von moralischer Verantwortung und Wissen hin zu ökonomischem Handeln. "Unsere wichtigste Qualität ist: Der Mensch ist das einzige Wesen, das den Blick für das Ganze hat." Mitdenken sei möglich, im Kleinen wie im Großen: "Wir wissen im Prinzip längst genug. - Niemand muss das ganze 'Mumbo Jumbo' der Finanzindustrie verstanden haben, um zu wissen: Da ist etwas falsch gelaufen." Es existiere ein gemeinsames Ethos, verwies er auf die Erkenntnisse von Hans Küng. "Weltethos meint Grundkonsenz - auf der Ebene des persönlichen Gewissens. Es geht um einen inneren Kompass für die Menschheit."
Köhler sprach sich für ein konsequentes Eingreifen des Staates aus: "Der Staat muss den wirtschaftlichen Prozessen Regeln geben. Er soll Schiedsrichter sein. Es liegt an den Bürgern, das Spiel zu machen." Die aktuelle Krise dürfe nicht ungenutzt bleiben. "Die westlichen Demokratien müssen wieder lernen im Rahmen ihrer Verhältnisse zu leben."
In seinem Grußwort betonte Guido Wolf MdL, Landtagspräsident und Vorsitzender des Hochschulcampus Tuttlingen Fördervereins, wie wichtig die Hochschule für die Region Tuttlingen ist. Er unterstrich die Modellhaftigkeit des Campus Tuttlingen. "Ihr Besuch adelt unser Modell", rief er Köhler zu.
Bei der Preisverleihung der Bürgerstiftung durch Michael Beck, Oberbürgermeister der Stadt Tuttlingen, wurde Ramin Vahdat-Behroui, Student Industrial MedTec im sechsten Semester, für sein herausragendes Engagement ausgezeichnet und erhielt 500 Euro.
Der Hochschulcampus Tuttlingen hat sich seit der Eröffnung im Oktober 2009 hervorragend entwickelt. In diesem Jahr wird mit dem Studiengang Industrial Materials Engineering bereits der fünfte Studiengang eingerichtet. Horst Köhler hatte die Entstehung und Entwicklung des jungen Hochschulstandorts von Anfang an mit großem Interesse und Wohlwollen verfolgt. Auf Vermittlung von Sparkassendirektor a.D. Ortwin Guhl besuchte Köhler nun den Hochschulcampus.
Zur Person
Horst Köhler war von Juli 2004 bis Mai 2010 Bundespräsident. Zuvor war er geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. Von 1965 bis 1969 studierte Köhler an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften.



