Motivation

Die mit der Pro­duktion von Gütern ver­bundene Wert­schöpfung wird in der Regel räumlich und orga­nisato­risch verteilt von mehreren Part­nern erbracht. Zudem ist die Waren­versor­gung zu einem hohen An­teil global orga­nisiert: Dies bedeutet, dass Be­schaffungs­material und Halb­fabrikate heute welt­weit einge­kauft und die daraus herge­stellten Produkte wiederum welt­weit vertrie­ben werden. Gleich­zeitig steigen die Anforde­rungen der Kun­den: so sind z.B. kurze Liefer­zeiten und ein breites Spek­trum an Service­leistun­gen wichtig, anderer­seits werden kunden­seitig aber auch niedrige Logistik­kosten erwar­tet. Um dies zu ge­währ­leis­ten, sind leis­tungs­fähige Logistik­netzwerke er­forder­lich.

Mit dem Bedeutungs­gewinn der Logistik, rücken aber auch ver­stärkt die Risi­ken in den Vorder­grund: Welche Risi­ken bestehen für zen­trale logis­tische Knoten­punkte in diesen Net­zen und welche Hand­lungs­optionen bieten sich, wenn etwa eine gra­vierende Stö­rung ein­tritt?

GESAMTPROJEKT UND TEIL­VORHABEN DER HOCHSCHULE FURT­WANGEN

Ziel dieses Teil­vorhabens ist es, Ent­scheidungs­prozesse bei Ein­tritt von Schadenss­zenarien in komplexen Logistik­netzwerken zu unter­stützen, wobei der Fokus hier auf der kurz­fristigen Planung liegt. Mittels Simulations­studien werden die defi­nierten Schaden­szenarien hinsicht­lich ihrer Wir­kung auf das be­trof­fene GVZ bzw. GVZ-Netzwerk eva­luiert. Zudem wird nach Gestal­tungsalter­nativen ge­sucht, die es ermög­lichen, den ope­rativen Be­trieb nach der Beein­trächti­gung wieder­herzu­stellen. Grund­lage für das Prozess­verständnis ist ein prozess­orien­tiertes Referenz­modell, das spe­ziell für GVZ ent­wickelt wurde. 

Mit dieser Vorgehensweise werden zwei Unterziele verfolgt:

  1. Es ist beabsichtigt, Norm­strate­gien für fest­geleg­te Ab­läufe (Rou­tinen) auf Basis der Simu­lations­ergebnisse zu iden­tifi­zieren, die in Form von Hand­lungs­anwei­sungen weiter konkre­tisiert werden.
  2. Die Simulations­umgebung steht als Werk­zeug zur Ver­fügung, um bei Ein­tritt eines Schadens­falls situations­abhängige Handlungs­empfehlungen ab­zulei­ten. Im Gegen­satz zu 1. werden die Be­rechnun­gen nach Ein­tritt des Schadens­falls angestoßen, wobei die Modell­umgebung (model­liertes GVZ-Netz­werk) zur Ver­fügung steht.

Wichtige Kon­zepte sind in diesem Zusammen­hang Business Continuity An­sätze und Not­fallkon­zepte. Mit dem hier vor­geschla­genen Teil­vor­haben wird somit auch ein Bei­trag für ein effek­tives Supply Chain Risk Mana­gement auf tak­tischer und vor allem ope­rati­ver Pla­nungs­ebene ge­leistet. Der­zeit kon­zentrie­ren sich die meisten Publi­katio­nen und Unter­suchun­gen in diesem For­schungs­gebiet stärker auf die stra­tegische Ebene.

PROJEKTFÖRDERUNG UND PROJEKTPARTNER

m Rahmen des Verbundprojekts "PreparedNET - Agenten­basier­te Simu­la­tion und Er­forschung eines Not­fall­konzep­tes zum Schutz von sen­siblen Logistik­knoten" werden diese Ri­siken ana­lysiert. Das Forschungs­pro­jekt wird ge­fördert vom Bundes­mini­sterium für Bil­dung und For­schung (BMBF) im Pro­gramm "For­schung für die zivile Sicher­heit" unter der Bekann­tmachung "Siche­rung der Waren­ketten". In das Pro­jekt sind neben der Hoch­schule Furt­wangen, Fakul­tät für Wirt­schafts­informatik, mehrere Part­ner aus den Be­reichen For­schung und Praxis ein­ge­bun­den:

Projektträger ist die VDI Technologiezentrum GmbH.

Aufgabe des HFU-Teams ist es, in einem ersten Schritt die Prozesse in und zwischen aus­gewähl­ten sen­siblen Logistik­knoten zu er­fas­sen. In Koope­ration mit den be­teilig­ten Forschungs­part­nern wird dies exempla­risch an zwei Güter­verkehrs­zentren - in Bre­men und Dres­den - durch­geführt. Im nächs­ten Schritt werden die Ergeb­nisse aus­ge­wer­tet und in ein ver­all­gemeinertes Modell für Güter­verkehrs­zentren über­tragen.
Im weiteren Projektverlauf sind Simulations­studien geplant, um alter­native Re­aktions­weisen auf Schadens­fälle zu testen.

MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

PUBLIKATIONEN UND PRESSE

  • Altendeitering, M., Breuer, C., Dotzlaff, R., Prinzbach, J., Reusch, M., Scherer, A., Siestrup, G. (2011): Kon­zeptio­nie­rung eines prozess­orien­tierten Referenz­modells für sen­sible Logistik­knoten - dar­gestellt am Bei­spiel von GVZ, in: Furt­wanger Bei­träge zur Logistik, Heft 1 [mehr]
  • Breuer, C., Castine, J. D., Siestrup, G., Haasis, H.-D., Wildebrand, H. (2013): Risk-oriented decision support in sensitive logistics nodes, in: Pawar, K. S. und H. Rogers (Hrsg.): Proceedings of the 18th International Symposium on Logistics (ISL 2013): “Resilient Supply Chains in an Uncertain Environment”, S. 213-221
  • Breuer, C., Haasis, H.-D., Plöger, M., Siestrup, G., Wildebrand, H. (2011): Support of an opera­tional supply chain risk mana­gement for sensitive logistics nodes, in: Pawar, K. S. und H. Rogers (Hrsg.): Proceedings of the 16th International Symposium on Logistics (ISL 2011): "Re­building Supply Chains of the future for a Glo­balised World", S. 335-339 [mehr]
  • Breuer, C., Wildebrand, H., Haasis, H-D., Reusch, M., Siestrup, G., Wunsch, A. (2012): Reactive Risk Management Using a Combined Multi-Agent Simulation Approach, in: Pawar, K. S. und A. T. Potter (Hrsg.): Proceedings of the 17th International Symposium on Logistics (ISL 2012): ?New Horizons in Logistics and Supply Chain Management?, S. 319-326 [mehr]
  • Breuer, C., Siestrup, G., Haasis, H-D. (2012): Operational Risk Issues and
    Time-Critical Decision-Making for Sensitive Logistics Nodes, in: Chan, H.
    K., Lettice, F., Durowoju, O. (Hrsg.): Decision-Making for Supply Chain
    Integration, London: Springer, S. 123-143
  • Breuer, C., Dotzlaff, R., Siestrup, G. (2012): Risikomanagement für sensible Logistikknoten, in: Forschungsbericht 2012/2013 der Hochschule Furtwangen, Augsburg: vmm Wirtschafts­verlag, S. 54-58
  • Breuer, C., Siestrup, G., Haasis, H.-D., Wildebrand, H. (2013): Collaborative risk management in sensitive logistics nodes, in: Team Performance Management, Volume 19, issue 7/8, S. 331-351
  • Siestrup, G., Breuer, C., Wildebrand, H., Haasis, H-D. (2012): A Risk
    Management Approach for Logistics Agglomerations, in: Proceedings of the 25th European Conference on Operational Research, S. 251